Diabetologie » Typ-2-Diabetes

»

Unterschätzte Rezeptoren: 
Wie Somatostatin-Analoga Diabetes auslösen können

Unterschätzte Rezeptoren: 
Wie Somatostatin-Analoga Diabetes auslösen können

Videos

Diabetologie

Typ-2-Diabetes

2 MIN

Erschienen in: diabetes heute

Die Verbindung zwischen endokrinen Erkrankungen und Diabetes ist ein spannendes und hochaktuelles Thema in der Medizin. Ein selten eingesetztes Medikament, das bei der Behandlung von Hypophysen-Knoten mit Hormonüberproduktion verwendet wird, kann bei mehr als der Hälfte der behandelten Personen eine diabetogene Stoffwechsellage auslösen. Im Gespräch erklärt Prof. Dr. Matthias Laudes die Mechanismen hinter dieser Wirkung und ihre Bedeutung für die Diabetesforschung.

Die Schnittstelle zwischen endokrinen Erkrankungen und der Entstehung eines Diabetes mellitus rückt zunehmend in den Fokus der Forschung. Insbesondere seltene Therapien, die gezielt in hormonelle Regelkreise eingreifen, liefern wertvolle Hinweise auf bislang wenig beachtete Mechanismen der Betazellregulation.

Das im Fokus stehende Medikament wirkt über die Blockade des Somatostatin-Rezeptors 5 (SSTR5), der nicht nur an der Hypophyse, sondern auch an pankreatischen Betazellen expri­miert wird. Wie Prof. Laudes berichtet, entwickelt mehr als die Hälfte der behandelten Personen unter dieser Therapie eine diabetogene Stoffwechsellage. Dies unterstreicht, dass SSTR5 eine bislang unterschätzte Rolle in der Funktion der Betazellen spielt. Die Blockade dieses Rezeptors scheint die Insulinsekretion signifikant zu beeinträchtigen, ohne jedoch das Wachstum oder das Überleben der Betazellen maßgeblich zu beeinflussen.

Obwohl das Medikament aufgrund der Seltenheit der zugrundeliegenden endokrinen Erkrankungen nur selten zum Einsatz kommt, sind die daraus gewonnenen Erkenntnisse für die Diabetologie von großer Bedeutung. Sie legen nahe, dass neben den bekannten Signalwegen auch andere Rezeptorsubtypen, wie SSTR5, maßgeblich an der Regulation der Betazellfunktion beteiligt sind. Dies eröffnet neue Perspektiven für das Verständnis der Pathophysiologie des Diabetes und könnte langfristig zu innovativen Therapieansätzen führen.

Die Beobachtung, dass Somatostatin-Analoga über die Blockade spezifischer Rezeptoren eine diabetogene Stoffwechsellage induzieren können, verdeutlicht die enge Verbindung zwischen endokrinen Erkrankungen und Diabetes. Die gezielte Erforschung dieser Mechanismen bietet die Chance, neue therapeutische Ansätze für die Prävention und Behandlung des Diabetes zu entwickeln.


Der Text basiert auf dem Interview mit Prof. Matthias Laudes (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein) auf dem DDG 2025.
Birgit Schulze

Bildquelle: © mgo fachverlage

Weitere Beiträge zu diesem Thema

T1D-Screening: Früherkennung mit Augenmaß oder vorschneller Schritt?

Fachartikel

Sollte Typ-1-Diabetes künftig bevölkerungsweit gescreent werden? Im Interview diskutieren Prof. Dr. Olga Kordonouri und Dr. Karl Horvath Chancen und Grenzen der Früherkennung. Im Fokus stehen vermeidbare Ketoazidosen, mögliche Belastungen für Familien, fehlende Evidenz aus RCTs und die Frage, unter welchen Bedingungen ein T1D-Screening verantwortungsvoll eingeführt werden kann.

Diabetologie

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Beitrag lesen

Semaglutid bei Frauen in der Menopause: Neue Daten zu Gewicht, Herz und Migräne

Pharmaservice

Beim ECO 2026 in Istanbul wurden neue Auswertungen zu Semaglutid bei Frauen mit Adipositas in der Peri- und Postmenopause präsentiert. Post-hoc-Analysen aus STEP-UP und SELECT zeigen konsistente Gewichtsreduktionen von bis zu 22,6 % sowie eine MACE-Risikosenkung – ergänzt durch Real-World-Daten zu 42–45 % weniger Migräne und 25 % weniger Depression.

Diabetologie

Komorbiditäten von Diabetes

Beitrag lesen
Ein Mann mit Anzug sitzt vor einem geöffneten Laptop, in der Luft steht USECASE und darum sind verschiedene Tech-Symbole angeordnet.

Prädiabetes frühzeitig erkennen – KI als Werkzeug der betrieblichen Prävention

Berufspolitik

Viele Menschen mit Prädiabetes werden zu spät erkannt – oft erst, wenn der Diabetes bereits manifest ist. Ein neuer Forschungsansatz aus der Arbeitsmedizin setzt früher an: KI-Modelle sollen Risikofaktoren bereits im Betrieb sichtbar machen. Für Diabetologinnen und Diabetologen könnte das die Zuweisung in die Fachversorgung grundlegend verändern.

Diabetologie

Sonstiges

Beitrag lesen