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Wie Übergewicht bei Frauen und Männern unterschiedlich zu Typ-2-Diabetes führt

Zwei adipöse Erwachsene mit indischer Ethnizität gehen im Park spazieren.

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Wie Übergewicht bei Frauen und Männern unterschiedlich zu Typ-2-Diabetes führt

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: diabetes heute

Übergewicht ist der wichtigste Risikofaktor für Typ-2-Diabetes – doch der Weg dorthin ist bei Frauen und Männern grundverschieden. Fettverteilung, Hormone und spezifische Lebensphasen beeinflussen, wann, wie und wie schwer Frauen erkranken. Für Behandelnde bedeutet das: Der BMI allein reicht als Risikomaßstab nicht aus.

Über 9 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Diabetes, der weitaus größte Teil mit Typ-2-Diabetes. In den meisten Fällen ist Übergewicht ein zentraler Auslöser. Doch die Annahme, dass ein bestimmter Body-Mass-Index bei allen Betroffenen das gleiche metabolische Risiko bedeutet, ist zu simpel. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) weist auf gut belegte Geschlechterunterschiede hin, die für den Praxisalltag hochrelevant sind: Männer erkranken im Durchschnitt früher und bei geringerem Übergewicht. Frauen entwickeln Typ-2-Diabetes häufig erst später – dann aber oft mit bereits fortgeschrittenen Stoffwechselstörungen und einem höheren Risiko für Folgeerkrankungen.

Fettverteilung entscheidet mehr als der BMI

Frauen und Männer unterscheiden sich nicht nur im Ausmaß, sondern vor allem im Muster ihrer Fettverteilung. Bei identischem BMI haben Frauen im Durchschnitt einen höheren Körperfettanteil. Entscheidend für das metabolische Risiko ist jedoch, wo dieses Fett sitzt.

Bei Männern lagert sich Fett häufiger im Bauchraum ab. Dieses viszerale Fett ist metabolisch hochaktiv: Es fördert Insulinresistenz, chronische Entzündungsprozesse und erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich.

Bei Frauen hingegen – zumindest vor der Menopause – verteilt sich Fett bevorzugt an Hüften und Oberschenkeln, dem sogenannten gluteofemoral gespeicherten Fett, das metabolisch weniger schädlich ist.

Für Behandelnde bedeutet das: Der BMI ist als alleiniger Risikoindikator unzureichend. Bauchumfang und Fettverteilungsmuster sollten systematisch in die Risikobewertung einbezogen werden.

Männer früher betroffen – Frauen oft schwerer erkrankt bei Diagnose

Epidemiologische Daten zeigen, dass Männer im Durchschnitt 3 bis 4 Jahre früher an Typ-2-Diabetes erkranken als Frauen – und die Diagnose wird bei ihnen häufig schon bei einem um etwa 1 bis 3 kg/m² niedrigeren BMI gestellt. Frauen entwickeln die Erkrankung meist später, sind bei Diagnosestellung jedoch oft bereits stärker betroffen: Viele weisen zu diesem Zeitpunkt eine ausgeprägtere Insulinresistenz und weiter fortgeschrittene Stoffwechselstörungen auf.

„Viele Patientinnen haben bereits über Jahre eine unerkannte Insulinresistenz entwickelt, bevor die Erkrankung diagnostiziert wird. Aus der Praxis wissen wir, dass Frauen im mittleren Lebensalter ihre eigene Gesundheit oft durch anfallende Care-Arbeit in der Familie vernachlässigen.“

DDG-Präsidentin Prof. Dr. Julia Szendrödi

Lebensphasen als zusätzliche Risikofenster: Schwangerschaft, PCOS, Menopause

Bei Frauen eröffnen bestimmte Lebensphasen spezifische Risikofenster, die im Praxisalltag aktiv berücksichtigt werden sollten:

Gestationsdiabetes: Frauen, die während einer Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes entwickeln, haben im späteren Leben ein etwa 7-fach erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes. Ein konsequentes Nachsorge-Screening ist essenziell.

Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Diese häufige Hormonstörung ist mit einem etwa 4-fach erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert. Betroffene sollten frühzeitig metabolisch evaluiert und ggf. präventiv begleitet werden.

Menopause: Mit dem Rückgang der Östrogenspiegel verlagert sich die Fettverteilung auch bei Frauen zunehmend in den Bauchraum. Gleichzeitig steigt die Insulinresistenz. Studien zeigen, dass eine frühe Menopause das Risiko für Typ-2-Diabetes um rund 30 Prozent erhöhen kann.

„Mit der Menopause verlieren viele Frauen einen Teil ihres natürlichen Stoffwechselschutzes. Vorhandenes Übergewicht wirkt dann stärker auf den Zuckerstoffwechsel.“

DDG-Präsidentin Prof. Dr. Julia Szendrödi

Höheres kardiovaskuläres Risiko bei Frauen mit Diabetes

Frauen mit Typ-2-Diabetes erreichen Therapieziele – für Blutzucker, Blutdruck und Blutfette – seltener als Männer. Das hat direkte Konsequenzen: Das relative Risiko für Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt bei Frauen mit Diabetes überproportional stark an.

Vor der Menopause genießen Frauen in der Regel einen natürlichen kardiovaskulären Schutz gegenüber Männern. Typ-2-Diabetes kann diesen Vorteil weitgehend aufheben – ein Befund, der im klinischen Alltag bei der Risikoeinschätzung und Therapieplanung konsequenter berücksichtigt werden sollte.

Praxisimplikationen: Geschlechtersensible Prävention und Therapie

Die DDG plädiert für eine stärkere Integration geschlechtsspezifischer Aspekte in Prävention, Diagnostik und Therapie. Konkrete EMpfehlungen:

  • Gezieltes Screening bei Frauen mit erhöhtem Risiko – insbesondere nach Gestationsdiabetes oder bei PCOS
  • Berücksichtigung der Menopause als Zeitpunkt für eine intensivierte Stoffwechselkontrolle und ggf. Neuausrichtung von Präventionsmaßnahmen
  • Fettverteilungsdiagnostik (Bauchumfang) ergänzend zum BMI
  • Therapiezielanpassung mit Blick auf das erhöhte kardiovaskuläre Risiko von Frauen mit Diabetes

Diese Forderungen sind eingebettet in die Agenda Diabetologie 2030 der DDG, die eine umfassende Reform der Diabetesversorgung in Deutschland einfordert – mit verhältnispräventiven politischen Maßnahmen, einer engeren Verzahnung von Adipositas- und Diabetestherapie sowie einer stärkeren Frauengesundheitsperspektive in der Versorgung.

Quellen:

1. Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) vom 19.03.2026 : Übergewicht treibt Diabetes bei Frauen und Männern unterschiedlich an.

2. Agenda Diabetologia 2030 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) [PDF]

Literatur:

1. Lizcano F, Gutiérrez C. Sex and Gender Differences in Obesity: Biological, Sociocultural, and Life Course Perspectives. International Journal of Endocrinology and Metabolism. 2025.
2. Zandani G et al. Sex- and Gender-Related Differences in Obesity. Narrative Review. 2024.
3. Mauvais-Jarvis F, Bairey Merz N, Barnes PJ et al. Sex and Gender: Modifiers of Health, Disease, and Medicine. Endocrine Reviews. 2022;43(2):308–348.
4. Zhu D, Chung HF, Pandeya N et al. Age at natural menopause and risk of type 2 diabetes: a pooled analysis of 8 prospective studies. Human Reproduction. 2019;34(5):978–987.
5. Aggarwal NR et al. The Impact of Obesity on Cardiovascular Disease in Women. Current Cardiology Reports. 2023.
6. Logue J, Walker JJ, Leese G et al. Association between BMI measured within a year after diagnosis of type 2 diabetes and mortality. Diabetologia. 2013.

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