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Mangelernährung und Dehydratation bei älteren Menschen mit Diabetes

Mangelernährung und Dehydratation bei älteren Menschen mit Diabetes

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Diabetes in der Geriatrie

mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: diabetes heute

Bis zu 50 Prozent geriatrischer Patientinnen und Patienten sind von Mangelernährung betroffen – bei gleichzeitig bestehendem Diabetes kann das fatale Folgen für die Therapiesicherheit haben. Worauf Behandelnde im Praxisalltag achten sollten.

Ältere Menschen mit Diabetes stellen eine besonders vulnerable Gruppe dar: Ihre Therapieziele unterscheiden sich grundlegend von denen jüngerer Betroffener, und ernährungsbedingte Komplikationen wie Mangelernährung und Dehydratation werden im klinischen Alltag häufig zu spät erkannt. Dabei können beide Zustände die Diabetestherapie erheblich destabilisieren – mit erhöhtem Hypoglykämierisiko, Nierenproblemen und eingeschränkter Lebensqualität als möglichen Folgen. Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD) hat nun aktuelle Handlungsempfehlungen formuliert, die Behandelnde, Pflegefachkräfte und Angehörige gleichermaßen adressieren.

Mangelernährung ist mehr als Untergewicht

Ein häufiges Missverständnis in der Praxis: Mangelernährung setzt kein Untergewicht voraus. Auch normal- oder übergewichtige ältere Menschen können einen kritischen Mangel an Eiweiß, Energie, Vitaminen oder Mineralstoffen aufweisen. Laut VDBD sind bis zu 50 Prozent der geriatrischen Patientinnen und Patienten betroffen – ein Anteil, der im diabetologischen Kontext besondere Aufmerksamkeit verdient.

Die Konsequenz für die Diabetestherapie ist direkt: Nehmen Betroffene deutlich weniger Nahrung auf, während Insulin oder andere blutzuckersenkende Medikamente unverändert weiterlaufen, steigt das Hypoglykämierisiko erheblich. Die aktuellen DDG-Praxisempfehlungen (Zeyfang, Wernecke, Bahrmann 2025) betonen, dass für geriatrische Menschen mit Diabetes die Vermeidung von Hypoglykämien und der Erhalt der Lebensqualität vorrangige Therapieziele sind – noch vor einer engen glykämischen Kontrolle. Der empfohlene HbA1c-Zielbereich liegt bei geriatrischen Patientinnen und Patienten mit Multimorbidität bei 7–8 % (53–64 mmol/mol).

Behandelnde sollten daher bei jeder Konsultation gezielt nach Veränderungen im Essverhalten, ungewolltem Gewichtsverlust und reduzierten Mahlzeiten fragen – und Medikation sowie Insulindosierungen entsprechend anpassen.

Frühzeichen erkennen – im Praxisalltag und in der Pflege

Erste Warnzeichen zeigen sich oft im Alltag und werden von Angehörigen oder Pflegefachkräften bemerkt, bevor sie in der Praxis sichtbar werden: Kleidung sitzt plötzlich weiter, Wangen wirken eingefallen, Mahlzeiten bleiben teilweise oder ganz unangetastet, Trinkgefäße stehen unberührt. Ungewollter Gewichtsverlust ist ein zuverlässiges Alarmsignal.

Pflegefachkräfte nehmen eine Schlüsselrolle ein: Sie beobachten, ob Portionen kleiner werden, Teller halb voll zurückgehen oder Unterstützung beim Essen benötigt wird. Auch einfache Maßnahmen wie das Führen eines Ess- und Trinkprotokolls über wenige Tage können helfen, Veränderungen zu objektivieren und in die Therapieplanung einzubeziehen.

Die AWMF-S3-Leitlinie „Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter“ (2025) benennt Mangelernährung, hypertone Dehydratation, Sarkopenie und Adipositas als weit verbreitete ernährungsbedingte Gesundheitsprobleme bei älteren Menschen mit weitreichenden negativen Folgen. Ziel ist eine evidenzbasierte Prävention und Behandlung – was regelmäßiges Screening und eine interprofessionelle Zusammenarbeit voraussetzt.

Vorsicht bei Diätvorgaben im hohen Lebensalter

Im höheren Alter verschieben sich die Therapieziele. Kraft, Selbstständigkeit und Lebensqualität rücken in den Vordergrund – strikte Ernährungsregeln können dagegen mehr schaden als nützen. VDBD-Vorsitzende Kathrin Boehm weist ausdrücklich darauf hin, dass Light-Produkte im hohen Lebensalter eher gemieden werden sollten und dass Essen und Trinken weit mehr als Nährstofflieferanten sind: Sie strukturieren den Tag, knüpfen an Gewohnheiten an und besitzen soziale Bedeutung.

Aus diabetologischer Sicht bedeutet das konkret: Ernährungsempfehlungen müssen individualisiert und realistisch sein. Ernährungstherapeutische Maßnahmen sollten gemeinsam mit Ernährungsfachkräften, der Diabetespraxis und – wenn vorhanden – dem Pflegeteam abgestimmt werden. Diätänderungen ohne ärztliche Begleitung bergen im Alter erhebliche Risiken.

Dehydratation und Diabetes: ein gefährlicher Kreislauf

Etwa ein Drittel älterer Menschen leidet an Flüssigkeitsmangel – bei Diabetes potenziert sich dieses Risiko. Erhöhte Blutzuckerwerte führen zu osmotischer Diurese: Der Körper scheidet Glukose über den Urin aus und verliert dabei zusätzlich Wasser. Zu wenig Trinken und erhöhte Glukosespiegel verstärken sich gegenseitig – ein Teufelskreis, der klinisch durch Müdigkeit, Verwirrtheit, Kreislaufbelastung und Nierenschäden manifest werden kann.

Erschwerend kommt hinzu, dass bestimmte Substanzklassen das Durstgefühl beeinflussen können: GLP-1-Rezeptoragonisten etwa können das Hunger- und Durstgefühl abschwächen, sodass Betroffene eine drohende Dehydratation nicht wahrnehmen. Behandelnde sollten diese pharmakologische Besonderheit im Blick behalten und aktiv nach dem Trinkverhalten fragen.

Praktische Maßnahmen zur Verbesserung der Flüssigkeitszufuhr umfassen laut VDBD: feste Trinkzeiten, gut sichtbar platzierte Getränke, kleine Gläser, Suppen, wasserreiches Obst und ungesüßte Tees. Bei bestehenden Herz- oder Nierenerkrankungen muss die Trinkmenge ärztlich individuell abgestimmt werden.

Therapieanpassung als Daueraufgabe

Mangelernährung und Dehydratation sind keine Einmalereignisse, sondern dynamische Zustände – besonders nach Infekten, Krankenhausaufenthalten oder einschneidenden Lebensereignissen. Behandelnde sollten deshalb nach diesen Ereignissen aktiv nachfragen und Medikation sowie Insulindosierungen überprüfen. Eine enge Abstimmung zwischen Diabetesteam, Pflegefachkräften und Angehörigen ist dabei unerlässlich.

Das von der DDG-Arbeitsgemeinschaft Geriatrie und Pflege entwickelte Schulungsprogramm „Fit bleiben und älter werden mit Diabetes“ (SGS) bietet hierfür eine strukturierte Grundlage für eine altersgerechte Patientenschulung.

Quelle: Pressemitteilung des Verbands der Diabetes-Beratungs- & Schulungsberufe in Deutschland e.V. vom 11.08.2026

Literatur: 

AWMF. S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter, Version 2.1, Stand 03.02.2025. [Link]

Skurk T, et al. Empfehlungen zur Ernährungstherapie bei Typ-2-Diabetes. Diabetol Stoffwechs. 2024;19(S 02):S251–S269.

Bahrmann A. Diabetes mellitus im Alter. Geriatr Rep. 2021;16(2):9–13. doi: 10.1007/s42090-021-1246-3. [Paper]

Zeyfang A, Wernecke J, Bahrmann A. Diabetes mellitus im Alter. DDG-Praxisempfehlungen 2025. Diabetol Stoffwechs. 2025;20:S234–S243.

Verbraucherzentrale NRW. Mangelernährung – frühzeitig erkennen und handeln. 2025. [Link]

diabinfo. Konsequenzen von Flüssigkeitsmangel bei Diabetes. 2022. [Link]

DNQP. Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege. [Link]

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