Diabetologie » Sonstiges

»

Zuckersteuer: DEGAM fordert paradigmatischen Wandel in der Prävention

Sechs Zuckerwürfel sind nebeneinander auf verschieden hohen Türmen aus Geldmünzen aufgereiht.

Quelle: © elenahoward – stock.adobe.com

Zuckersteuer: DEGAM fordert paradigmatischen Wandel in der Prävention

Berufspolitik

Diabetologie

Sonstiges

mgb medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: diabetes heute

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) begrüßt die aktuellen politischen Bestrebungen, eine bundesweite Steuer auf besonders zuckerhaltige Lebensmittel einzuführen. Die Initiative, angestoßen von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther und als Bundesratsinitiative ins erste Quartal 2026 geplant, wird von der DEGAM und ihrer Sektion Prävention ausdrücklich unterstützt. Präsidentin Prof. Eva Hummers betont: Es ist höchste Zeit, den Schwerpunkt der Prävention von individueller Verhaltenstipps zur strukturellen Verhältnisprävention zu verlagern – so wie es internationale Public-Health-Konzepte schon seit Jahren vormachen.

Die Rolle von Zucker in der Entstehung chronischer Erkrankungen

Der wissenschaftliche Hintergrund zur Notwendigkeit einer Zuckersteuer ist klar: Übermäßiger Zuckerkonsum fördert die Entstehung von Typ-2-Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen, Karies und Adipositas. Diese Krankheiten bedeuten für Betroffene ein Leben mit Einschränkungen, Leid und niedriger Lebenserwartung – und verursachen für das Gesundheitssystem immense Kosten.

„Wir sehen tagtäglich die Folgen von übermäßigem Zuckerkonsum. Die individuellen Maßnahmen greifen zu kurz, solange ungesunde Lebensmittel am günstigsten sind und stark beworben werden.“

Prof. Bettina Engel, DEGAM-Sprecherin

Sozial gerechte Prävention: Alle Gruppen erreichen

Ein weiteres zentrales Argument der DEGAM: Die sogenannte Verhältnisprävention durch regulatorische Eingriffe wie die Zuckersteuer, erreicht sämtliche Bevölkerungsschichten. Insbesondere Menschen mit hohem Krankheitsrisiko und schwierigen sozialen Bedingungen profitieren – denn sie werden bisher mit klassischen Programmen zur Verhaltensänderung gar nicht erreicht. Internationale Erfahrungen, z. B. aus Großbritannien, zeigen, dass eine Zuckersteuer den Zuckergehalt in verarbeiteten Produkten spürbar senkt.

Das Statement der DEGAM und die weitere Entwicklung

Die DEGAM hat ihre Argumente in einer weiterführenden Stellungnahme konkretisiert. Diese bekräftigt den Paradigmenwechsel in der nationalen Präventionspolitik und fordert eine stärkere gesellschaftliche Verantwortung in der Bekämpfung chronischer Krankheiten – mit Regulierung und weniger Individualisierung. Hausärztinnen und Hausärzte, aber auch Diabetologen und Public-Health-Expertinnen sind aufgerufen, diese Entwicklung zu unterstützen und kritisch zu begleiten.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM) vom 15.01.2026 : Süßes Gift: DEGAM begrüßt Gesetzesinitiative zur Zuckersteuer [Link]
sowie DEGAM-Statement

Weitere Beiträge zu diesem Thema

3D-Grafik eines menschlichen Körpers von der Seite mit Organen und illustriertem viszeralen Fett.

ACC1-Hemmung: Mögliche Folgen für die Immunbalance im Fettgewebe

Aktuelles

Eine Mausstudie zeigt, wie ACC1 die Funktion von Immunzellen im Fettgewebe erhält. Die Ergebnisse erklären mögliche Entzündungsmechanismen bei Adipositas – ändern aber noch keine Therapie bei Diabetes.

Diabetologie

Komorbiditäten von Diabetes

Beitrag lesen
Ein Krankenschwester misst bei einem jungen Mädchen in der Fingerkuppe den Blutzuckerspiegel.

Typ-1-Diabetes: DDG sieht noch keine Grundlage für ein bundesweites Screening

Aktuelles

Ein Inselautoantikörper-Screening kann Typ-1-Diabetes vor der klinischen Manifestation erkennen. Die DDG sieht jedoch noch keine ausreichende Grundlage für ein bundesweites Angebot an alle Kinder. Entscheidend sind Testqualität, Beratung und strukturierte ...

Diabetologie

Typ-1-Diabetes

Beitrag lesen

Typ-2-Diabetes: 5-Jahresrisiko für Nieren-, Herzinsuffizienz oder Tod bei 33 %

Aktuelles

Eine US-Analyse mit mehr als 1,6 Millionen Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes beziffert das kombinierte Fünfjahresrisiko für Nierenerkrankung, Herzinsuffizienz oder Tod auf 33 Prozent.

Diabetologie

Typ-2-Diabetes

Beitrag lesen