Diabetes und Fruchtbarkeit hängen bei Frauen mit Kinderwunsch eng zusammen. Die Stoffwechselerkrankung kann Zyklusstörungen, einen ausbleibenden Eisprung oder eine frühzeitige Menopause verursachen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft erklärt, welche Rolle Diabetestyp, Gewicht und Begleiterkrankungen spielen, warum eine Hormontherapie nicht immer die richtige Lösung ist und wie Gewichtsverlust, Medikamentenanpassung und interdisziplinäre Zusammenarbeit die Chancen auf eine Schwangerschaft verbessern können.
Diabetes und Fruchtbarkeit
Diabetes und Fruchtbarkeit stehen häufig in engem Zusammenhang. Diabetes mellitus kann bei Frauen Zyklusstörungen, einen ausbleibenden Eisprung oder eine frühzeitige Menopause verursachen. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hin. Sie rät Frauen mit Kinderwunsch, Fragen zu Diabetes und Fruchtbarkeit früh mit Fachärztinnen und Fachärzten zu besprechen. Eine Hormontherapie mit Östrogen ist dabei nicht automatisch die richtige Lösung.
Ursachen für Diabetes und Fruchtbarkeit im Zusammenspiel
„Wir betrachten zunächst, welche Diabetesform vorliegt, wie Stoffwechsel und Körpergewicht eingestellt sind und ob Begleiterkrankungen eine Rolle spielen“, sagt Professorin Dr. med. Julia Szendrödi, Präsidentin der DDG und Ärztliche Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie, Stoffwechselkrankheiten und Klinische Chemie des Universitätsklinikums Heidelberg. Bei Typ-2-Diabetes spielen häufig Insulinresistenz, Adipositas und das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS, vormals PCOS) eine Rolle. Bei Typ-1-Diabetes stehen vor einer Schwangerschaft eine optimale Glukoseeinstellung sowie die frühzeitige Behandlung von Folgeerkrankungen im Mittelpunkt.
Für die Beratung in der Praxis
Eine gute Glukoseeinstellung, mehr Bewegung und ein Rauchstopp verbessern die Chancen auf eine Schwangerschaft. „Frauen mit Diabetes und Adipositas profitieren bei unerfülltem Kinderwunsch von einem Gewichtsverlust, der Zyklus- und Ovulationsstörungen günstig beeinflussen kann“, so Szendrödi. Auch laufende Medikamente sollten überprüft werden: GLP-1-Rezeptoragonisten können bei Frauen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes die Voraussetzungen für eine Schwangerschaft verbessern. Da für die Schwangerschaft selbst keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen, empfehlen die Fachinformationen, diese Substanzen mindestens zwei Monate vorher abzusetzen, warnt Szendrödi.
Therapie richtet sich nach der Ursache
Bei Frauen zielt die Behandlung darauf, einen Eisprung auszulösen oder zu unterstützen. Je nach Ursache kommen eine medikamentöse Ovulationsinduktion, die Behandlung von Insulinresistenz und PMOS oder reproduktionsmedizinische Verfahren infrage. Parallel sollte die Diabetestherapie angepasst werden, damit die Schwangerschaft mit stabilen Glukosewerten beginnt. „Ein unerfüllter Kinderwunsch bei Frauen mit Diabetes erfordert eine enge Zusammenarbeit von Diabetologie, Gynäkologie und Reproduktionsmedizin“, so das Fazit von Szendrödi.
Quelle: Pressemitteilung der DDG vom 12.08.2026





