Gynäkologie » Schwangerschaft

»

Emotionsregulation in der Schwangerschaft als Warnsignal

Schwangere Frau in einem Jeanshemd, Symbol für Schwangerschaft und Gesundheit.

Quelle: © AkuAku – stock.adobe.com

Emotionsregulation in der Schwangerschaft als Warnsignal

Aktuelles

Gynäkologie

Schwangerschaft

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: gyne

Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation in der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für perinatale Depressionen. Eine Studie mit 623 Frauen zeigt: Probleme im zweiten Trimester steigern depressive Symptome während der Schwangerschaft und bis fünf Monate nach der Geburt. Der DERS-16-Fragebogen eignet sich als Screening-Instrument.

Untersuchung in großem Maßstab

Eine Studie des Universitätsklinikums Tübingen und der Uppsala Universität zeigt erstmals in großem Maßstab: Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation in der Schwangerschaft weisen auf ein erhöhtes Risiko für depressive Symptome hin. Dies gilt sowohl während der Schwangerschaft als auch in den Monaten nach der Geburt. Die Ergebnisse bieten neue Chancen für Früherkennung und Prävention perinataler Depressionen durch einfache Screening-Instrumente. Die Studie erschien im Fachjournal Nature Mental Health.

Perinatale Depression betrifft viele Frauen

Perinatale Depression betrifft laut Schätzungen jede zehnte bis dritte Frau. Dennoch bleibt mehr als die Hälfte der Betroffenen unerkannt. Viele erhalten demnach auch keine Behandlung. Diese psychische Belastung kann das Wohlbefinden der Mutter beeinträchtigen. Auch die kindliche Entwicklung und die gesamte Familie können darunter leiden. Die aktuelle Studie zeigt nun, dass Schwierigkeiten im Umgang mit eigenen Emotionen ein früher Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für depressive Symptome sein können.

Emotionsregulation als frühes Warnsignal

Die Untersuchung prüfte, ob Schwangere mit größeren Schwierigkeiten in der Emotionsregulation im zweiten Trimester häufiger depressive Symptome entwickeln. Solche Schwierigkeiten zeigen sich darin, dass passende Strategien zur Emotionsregulation weniger verfügbar sind. Betroffene erleben häufiger Stimmungsschwankungen, sind schneller gereizt oder fühlen sich länger niedergeschlagen. „Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass Frauen mit Problemen in der Emotionsregulation ein höheres Risiko für depressive Symptome bereits während der Schwangerschaft und bis etwa fünf Monate nach der Geburt haben“, erklärt Franziska Weinmar, Erstautorin der Studie.

Das [Studienergebnis] ermöglicht es, gefährdete Frauen frühzeitig zu identifizieren – noch bevor sich eine Depression manifestiert.

Franziska Weinmar, Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübingen

Die Forschenden nutzten Daten von 623 Frauen in Schweden. Diese beantworteten zwischen Januar 2022 und April 2024 über die App Mom2B regelmäßig Fragen zu Stimmung und psychischer Gesundheit.

DERS-16 als Screening-Instrument

„Wir konnten zeigen, dass Frauen, die postnatale depressive Symptome entwickelten, bereits im zweiten Trimester höhere Werte bei Schwierigkeiten in der Emotionsregulation aufwiesen“, sagt Prof. Dr. Birgit Derntl, Co-Autorin der Studie und Leiterin der Forschungsgruppe Psychische Gesundheit und Gehirnfunktion von Frauen am Universitätsklinikum Tübingen. „Ein kurzer Fragebogen, wie etwa der DERS-16, könnte daher künftig eine wertvolle Ergänzung in der Schwangerschaftsvorsorge darstellen.“ Der DERS-16 ist ein wissenschaftlich fundierter Selbstbewertungsfragebogen zur Einschätzung der Emotionsregulation. Er ist leicht anzuwenden, zuverlässig und könnte im Rahmen der regulären Schwangerschaftsvorsorge genutzt

Quellen:

Artikel aus Nature Mental Health

Weitere Beiträge zu diesem Thema

© Peakstock - stock.adobe.com

Nierenerkrankung in der Schwangerschaft erfordert Beratung

Kongress

Welche Vorsorge brauchen Frauen mit Nierenerkrankung vor, während und nach einer Schwangerschaft? Prof. Dr. Sylvia Stracke erläutert Risiken für Mutter und Kind sowie wichtige Kontrolltermine nach der Geburt.

Gynäkologie

Schwangerschaft

Risikoschwangerschaften

Beitrag lesen
© arcyto - stock.adobe.com

Neue Impulse in der operativen und systemischen Therapie des Zervixkarzinoms

Fachbeitrag

Das Zervixkarzinom zählt weltweit zu den häufigsten malignen Erkrankungen der Frau. Neue operative und systemische Therapiekonzepte haben in den vergangenen Jahren zu einer zunehmenden Individualisierung der Behandlung geführt, die das Thema dieser Fortbildung darstellt.

Gynäkologie

Gynäkologische Onkologie

Zervixkarzinom

Beitrag lesen
Symbolbild Fallbeispiel

Das Rätsel der Gebärmutter

Fachbeitrag

Erst Endometriumpolyp, zwei Jahre später Verdacht auf Myom. Unser Fallbericht zeigt, dass die Abgrenzung zwischen Endometriumpolyp und Uterusmyom per Bildgebung allein nicht immer gelingt.

Gynäkologie

Benigne Uteruserkrankungen

Polypen

Beitrag lesen