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FOKO 2026 – Ethische Aspekte pränataler Diagnostik

Luftbild Kongresszentrum Düsseldorf: FOKO 2026 Berichterstattung zum Thema Medizinethik.

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FOKO 2026 – Ethische Aspekte pränataler Diagnostik

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: gyne

Pränatale Diagnostik und Reproduktionsmedizin standen beim FOKO des BVF in Düsseldorf im Fokus ethischer Diskussionen. Prof. Dr. Karl Oliver Kagan kritisierte die breite Anwendung des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) auf Trisomien, der oft ohne erhöhtes Risiko genutzt würde und ein falsches Sicherheitsgefühl vermittle. Prof. Dr. Thomas Strowitzki beleuchtete genetische Risiken in der Reproduktionsmedizin und das Expanded Carrier Screening. Beide Experten forderten strengere Regelungen und eine intensivere Aufklärung der Patientinnen.

NIPT in der Praxis: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Seit 2022 gehört der nicht-invasive Pränataltest (NIPT) auf fetale Trisomien zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Prof. Dr. Karl Oliver Kagan, Tübingen, erläuterte, dass die politische Zielsetzung eigentlich darin bestand, Ängste der Schwangeren zu reduzieren. Zudem sollte die invasive Diagnostik, inklusive des damit verbundenen Fehlgeburtsrisikos, vermieden werden. Gleichzeitig sollte kein generelles Screening auf Trisomie 21 etabliert werden. Nun ist der hohe Anteil Schwangerer, die das Angebot in Anspruch nehmen, jedoch bedenklich. Besonders fraglich ist der Anteil junger Frauen ohne erhöhtes Risiko.

Die reale Anwendung zeigt […], dass etwa 50 Prozent der Schwangeren den Test in Anspruch nehmen. […] Das Risiko für Trisomien ist insgesamt relativ gering, besonders bei jüngeren Schwangeren. Gleichzeitig konzentriert sich die pränatale Diagnostik stark auf Trisomie 21, obwohl andere genetische Veränderungen häufiger vorkommen

Prof. Dr. med. Karl Oliver Kagan, Universitätsklinikum Tübingen, Frauenklinik

Der Test vermittelt ein falsches Sicherheitsgefühl, da ein unauffälliges Ergebnis nicht bedeutet, dass das Kind gesund ist. Ärztinnen und Ärzte nutzen den Test teilweise aus Gründen, die medizinisch nicht indiziert sind, etwa zur Geschlechtsbestimmung. Gerade diesen Aspekt hob Kagan ethisch als besonders problematisch hervor und betonte, dass die Bestimmung des Geschlechts ohne medizinische Indikation nach dem Gendiagnostikgesetz nicht vorgesehen sei.

Abschließend schlug der Experte eine strengere Einschränkung der Testanwendung vor. Er plädierte für die rechtliche Begrenzung bestimmter Nutzungen (wie der Geschlechtsbestimmung) und eine intensivere Aufklärung der Patientinnen vorab.

Carrier-Screening in der Reproduktionsmedizin

Der zweite Vortrag von Prof. Dr. Thomas Strowitzki befasste sich mit genetischen Risiken in der Reproduktionsmedizin. Er gab zu bedenken, dass 10 bis 20 Prozent der männlichen und 5 bis 10 Prozent der weiblichen Fertilitätsprobleme auf genetische oder chromosomale Faktoren zurückführen seien. Eine Möglichkeit zur Detektion stellt das sogenannte Carrier-Screening dar. Dabei werden Menschen auf genetische Veränderungen getestet, die sie unbekannterweise tragen, und die in der nächsten Generation zu Erkrankungen führen können. „Beim Expanded Carrier Screening werden zahlreiche Gene gleichzeitig untersucht“, so Strowitzki. Er plädierte für eine offene Beratung und eine sorgfältige ethische Abwägung, da für viele Aspekte noch ausreichende Daten fehlen.

Sonja Buske

Quelle: Hauptthema „Medizinethik“, BVF Fortbildungskongress (FOKO) 2026, 05. März 2025

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