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Kann man an diesem Bauch noch operieren…?

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Quelle: mgo fachverlage GmbH & Co. KG

Kann man an diesem Bauch noch operieren…?

Fachbeitrag

Gynäkologie

Operative Gynäkologie

mgb medizin Redaktion

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4 MIN

Eine 65-jährige Patientin mit Verdacht auf Ovarialzyste und zahlreichen abdominellen Voroperationen wurde von der hausärztlichen Praxis überwiesen. Die sonografische Diagnostik zeigte eine große zystische Raumforderung mit soliden Anteilen. Über eine mediane Laparotomie erfolgte eine Hysterektomie mit beidseitiger Adnexektomie und Adhäsiolyse. Histopathologisch konnte maligne Veränderung ausgeschlossen werden. Die längerfristige postoperative Verlaufskontrolle gestaltete sich jedoch schwierig.

Verdacht auf Ovarialzyste bei mehrfach voroperierter Patientin

Eine 65-jährige Patientin (IG,IP) wurde vom Hausarzt mit Verdacht auf eine paravesikale Ovarialzyste überwiesen (Abb. 1). Die Patientin, die längere Zeit keine gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen hatte, wurde zeitnah einbestellt In der chirurgischen Anamnese wurden der Zustand nach Sectio caesarea, nach offener Cholezystektomie sowie nach Teilkolonektomie per Längsschnitt (aufgrund einer Colitis ulcerosa) aufgenommen.

Sonografische Aufnahme, die im Rahmen der Erstuntersuchung bei Verdacht auf eine paravesikale Ovarialzyste erstellt wurde.
Abb. 1: Sonografische Aufnahme, die im Rahmen der Erstuntersuchung bei Verdacht auf eine paravesikale Ovarialzyste erstellt wurde.

Sonografische Diagnostik zeigt komplexe Raumforderung

Bei der aktuellen Untersuchung zeigte sich ein Myom am Uterus (Abb. 2). Rechtsseitig adnexal stellte sich eine große zystische Raumforderung mit soliden Anteilen dar (Abb. 3–6) (Bilder 03–05; Bild 06 in 3D-Sonographie). Dieser Befund ließ sich auch abdominal-sonografisch eindeutig verifizieren (Abb. 7, 8).

Sonografische Aufnahme, die ein Myom am Uterus zeigt.
Abb. 2: Sonografische Aufnahme, die ein Myom am Uterus zeigt.
Sonografische Aufnahme, die die rechtsseitig adnexale zystische Raumforderung mit soliden Anteilen darstellt.
Abb. 3: Sonografische Aufnahme, die die rechtsseitig adnexale zystische Raumforderung mit soliden Anteilen darstellt.
Sonografische Aufnahme, die die rechtsseitig adnexale zystische Raumforderung mit soliden Anteilen in einer weiteren Ansicht zeigt.
Abb. 4: Sonografische Aufnahme, die die rechtsseitig adnexale zystische Raumforderung mit soliden Anteilen in einer weiteren Ansicht zeigt.
Sonografische Aufnahme, die die rechtsseitig adnexale zystische Raumforderung mit soliden Anteilen darstellt.
Abb. 5: Sonografische Aufnahme, die die rechtsseitig adnexale zystische Raumforderung mit soliden Anteilen darstellt.
3D-sonografische Aufnahme, die die rechtsseitig adnexale zystische Raumforderung dreidimensional visualisiert.
Abb. 6: 3D-sonografische Aufnahme, die die rechtsseitig adnexale zystische Raumforderung dreidimensional visualisiert.
Abdominal-sonografische Aufnahme, die zur Verifizierung des Befundes angefertigt wurde.
Abb. 7: Abdominal-sonografische Aufnahme, die zur Verifizierung des Befundes angefertigt wurde.
Abdominal-3D-sonografische Aufnahme, die zur Verifizierung des Befundes angefertigt wurde.
Abb. 8: Abdominal-3D-sonografische Aufnahme, die zur Verifizierung des Befundes angefertigt wurde.

Patientinnenbedenken bei ausgeprägter Narbensituation

Nach ausführlicher Aufklärung über den Befund und das operative Vorgehen stimmte die Patientin dem Eingriff grundsätzlich zu. Angesichts ihrer zahlreichen abdominellen Voroperationen äußerte sie jedoch Besorgnis und fragte, auf die Narbensituation an ihrem Bauch (Abb. 9) verweisend, ob eine erneute Operation in diesem Bereich überhaupt noch sicher möglich sei. Die Patientin konnte dahingehend beruhigt werden, woraufhin die zeitnahe Operation erfolgte.

Aufnahme, die die Narbensituation am Abdomen nach multiplen Voroperationen (Sectio caesarea, Cholezystektomie, Teilkolonektomie) dokumentiert.
Abb. 9: Aufnahme, die die Narbensituation am Abdomen nach multiplen Voroperationen (Sectio caesarea, Cholezystektomie, Teilkolonektomie) dokumentiert.

Hysterektomie mit Adnexektomie und Adhäsiolyse

Über eine mediane Laparotomie wurde unter dem Verdacht auf einen Borderline-Tumor eine Hysterektomie mit beidseitiger Adnexektomie und ausgedehnter Adhäsiolyse durchgeführt. Histopathologisch zeigte sich ein muzinöses Zystadenofibrom des linken Ovars sowie eine Endosalpingiose im Bereich der Tube. Eine maligne Veränderung konnte ausgeschlossen werden.

Postoperativer Verlauf

Der postoperative Verlauf gestaltete sich unauffällig, und die Patientin erholte sich gut. Nach einer postoperativen Kontrolle (Abb. 10) entzog sie sich der weiteren Nachsorge. Eine Rücksprache mit der hausärztlichen Praxis ergab, dass es der Patientin zwar gut gehe, sie jedoch ausdrücklich keine weiteren ärztlichen Konsultationen mehr wünsche.

Sonografische Aufnahme, die im Rahmen der postoperativen Kontrolle nach Hysterektomie mit beidseitiger Adnexektomie erstellt wurde.
Abb. 10: Sonografische Aufnahme, die im Rahmen der postoperativen Kontrolle nach Hysterektomie mit beidseitiger Adnexektomie erstellt wurde.

Korrespondenzadresse:
Dr. med. Nasser Zahedi
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Hardenbergstraße 60
51373 Leverkusen
Tel.: +49 (0)214-64 131
Fax: +49 (0)214-61 90
drnzahedi@yahoo.de

Diskussion

Der Fall zeigt die Herausforderung zwischen medizinisch sinnvoller Nachsorge und gelebter Patientinnenautonomie. Trotz erfolgreicher Operation entzog sich die Patientin nach einer Kontrolle der weiteren Betreuung. Auch wenn histopathologisch eine maligne Veränderung ausgeschlossen werden konnte, wäre eine regelmäßige Nachsorge zur Früherkennung möglicher Komplikationen sinnvoll gewesen. Gerade Patientinnen, die bereits mehrere Operationen durchlebt haben, treffen sehr bewusste Entscheidungen über das Ausmaß weiterer medizinischer Interventionen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, bereits präoperativ die Bedeutung der Nachsorge zu kommunizieren. Gleichzeitig müssen Ärztinnen und Ärzte akzeptieren, dass gut informierte Patientinnen ihre Autonomie ausüben und Nachsorgeangebote ablehnen – auch wenn dies medizinisch nicht optimal erscheint.

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