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Neutrophile Granulozyten beim intrapartalen Sauerstoffmangel

Neutrophile Granulozyten im Blut, Studie zu Folgen von Sauerstoffmangel bei der Geburt.

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Neutrophile Granulozyten beim intrapartalen Sauerstoffmangel

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Neutrophile Granulozyten spielen bei Sauerstoffmangel während der Geburt eine doppelte Rolle. Eine neue Studie zeigt: Die weißen Blutzellen schädigen zunächst das Gehirn von Neugeborenen, fördern aber später die Heilung. Die Neutrophileninfiltration erfolgt zweiphasig mit Spitzenwerten an Tag 1 und Tag 7. Frühe Neutrophile sind für aggressive Sauerstoffradikale verantwortlich, späte zeigen einen angiogenen Phänotyp mit hoher Siglec-F-Expression. Die Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie eröffnen.

Neutrophile Granulozyten bei Sauerstoffmangel unter der Geburt

Neutrophile Granulozyten richten nach einem intrapartalen Sauerstoffmangel im Gehirn von Neugeborenen nicht nur Schaden an. Sie tragen zu einem späteren Zeitpunkt auch zur Heilung bei. Das zeigt eine kürzlich von Forschenden der Universitätsmedizin Essen, der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und der Universität Münster in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Studie. Ihre grundlagenwissenschaftlichen Arbeiten könnten neue Perspektiven für die Behandlung eröffnen.

Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie bei Neugeborenen

Kommt es um den Zeitpunkt der Geburt zu einem Sauerstoffmangel, kann das Gehirn eines Neugeborenen schweren Schaden nehmen. Etwa sechs bis neun von 1.000 Babys sind betroffen. Die Folge kann eine hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE) sein. Diese Erkrankung verursacht lebenslange neurologische Beeinträchtigungen oder kann sogar zum Tod führen. Bisher gibt es nur eine Behandlungsmöglichkeit: die Kühlungstherapie. Dabei wird das Kind für 72 Stunden leicht heruntergekühlt. Sie muss innerhalb der ersten sechs Lebensstunden begonnen werden und hilft nicht allen Kindern.

Zweiphasige Einwanderung der Neutrophilen

Direkt nach der Schädigung des Gehirns wandern neutrophile Granulozyten in das betroffene Gebiet ein. Dort schädigen sie durch aggressive Sauerstoffradikale weiteres Hirngewebe. Die Neutrophileninfiltration erfolgt dabei zweiphasig mit Spitzenwerten an Tag eins und Tag sieben nach dem Sauerstoffmangel. Doch die Studie zeigte einen überraschenden Effekt:

Unsere Ergebnisse belegen, dass Neutrophile zu einem späteren Zeitpunkt erneut einwandern und dann helfen, die unterbrochenen Entwicklungsprozesse wiederherzustellen. Somit eröffnen sich neue Perspektiven für therapeutische Ansätze, zusätzlich zur Kühlung der Kinder.

PD Dr. Josephine Herz, stellvertretende Leiterin der AG Experimentelle perinatale Neurowissenschaften an der Kinderklinik I des Uniklinikums Essen

Rollenwechsel im Krankheitsverlauf

Die Forschenden haben im Mausmodell die frühe und die späte Krankheitsphase untersucht. Wurden Neutrophile in der akuten Phase entfernt, starben weniger Nervenzellen ab. Die Tiere zeigten weniger neurologische Auffälligkeiten. Wurden die Neutrophilen im späteren Krankheitsverlauf entfernt, heilte das Gehirn schlechter, die betroffenen Tiere zeigten langfristig schlechtere neurologische Fähigkeiten. Es entstanden weniger neue Blutgefäße. Die späten Neutrophilen zeigten einen angiogenen Phänotyp mit hoher Siglec-F-Expression.

Quellen:

1.Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen vom 15.12.2025: Sauerstoffmangel während der Geburt: Von schädlichen zu heilenden Immunzellen

2.Richter M, Diesterbeck E, Pylaeva E et al. Hypoxic-ischemic brain injury in neonatal mice sequentially recruits neutrophils with dichotomous phenotype and function. Nat Commun 2025; 16: 9696

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