Ein UKE-Team um Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt und Prof. Dr. Leticia Oliveira-Ferrer hat gemeinsam mit Dr. Olga Zolotareva (Universität Kiel) ein neues Genmuster veröffentlicht, das den Nutzen von Bevacizumab bei Ovarialkarzinom vorhersagt. Ist das Muster im Tumor aktiv, sinkt das Sterberisiko unter dem Wirkstoff um mehr als die Hälfte. Ohne das Muster bleibt ein Effekt aus. Die Analyse von Tumorgewebe mehrerer hundert Patientinnen bestätigte zwar den Befund, ein klinisch einsetzbarer Test steht noch aus.
Das Ovarialkarzinom wird bei Frauen oft erst in einem späten Stadium diagnostiziert. Trotz aufwändiger Operation, Chemotherapie und Erhaltungstherapie beträgt das Gesamtüberleben bei Betroffenen fünf Jahre nach der Diagnose weniger als 50 % . Viele Patientinnen erhalten zusätzlich den Antikörper Bevacizumab. Er hemmt die Bildung neuer Blutgefäße im Tumor und verlängert die Zeit ohne Progression der Erkrankung. Allerdings spricht der Wirkstoff nicht bei allen Patientinnen an und verursacht teils schwere Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Nierenprobleme oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Bislang fehlten verlässliche Kriterien, um den Nutzen vorherzusagen.
Genaktivität in Tumorproben entschlüsselt
Ein Team des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf um Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt und Prof. Dr. Leticia Oliveira-Ferrer hat gemeinsam mit der Bioinformatikerin Dr. Olga Zolotareva von der Universität Kiel nun ein Genmuster gefunden, welches genau dies leisten soll. Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte das Projekt mit 170.000 Euro. Die Forschenden analysierten Tumorgewebe von 212 Patientinnen, die das Team zwischen 2009 und 2017 wegen fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms behandelt hatte. Zolotareva suchte per Computer nach Gengruppen, die in den Tumoren gemeinsam aktiv sind, und bestätigte die Treffer an einer unabhängigen Gruppe von 377 Patientinnen, um Zufallsbefunde ausschließen zu können. Insgesamt flossen Daten von über 1.000 Betroffenen ein.
Deutlich längeres Überleben mit Bevacizumab bei Ovarialkarzinom
Ein Muster stach besonders hervor: War es im Tumor aktiv, sank das Sterberisiko unter Bevacizumab verglichen mit alleiniger Chemotherapie um mehr als die Hälfte. Ohne dieses Muster zeigte der Wirkstoff keinen messbaren Vorteil. Das Muster war zuvor unbekannt und deckt sich nicht mit den bekannten molekularen Subtypen des Ovarialkarzinoms. Die Forschenden vermuten einen Zusammenhang mit dem Gen CTCFL, welches Tumorzellen stammzellähnliche, widerstandsfähige Eigenschaften verleiht und sie möglicherweise an der Gefäßneubildung beteiligt.
Der Biomarker ist laut den Autorinnen und Autoren noch nicht einsatzbereit. Größere Folgestudien sollen ihn nun für die klinische Routine validieren. Ein gezielter Einsatz von Bevacizumab bei Ovarialkarzinom wäre für die Betroffenen ein wichtiger Fortschritt.
„Was uns antreibt, sind unsere Patientinnen, die dringend effektivere und mehr zielgerichtete Behandlungen brauchen.“
Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Quelle: Pressemitteilung der Wilhelm-Sander-Stiftung vom 26.10.2026





