Die aktualisierte S3-Leitlinie „Sectio caesarea“ fasst das Wissen zum Kaiserschnitt zusammen. Sie legt Wert auf die Aufklärung vor dem ersten Kaiserschnitt, etwa zu Geburtsmodi, Risiken und Folgen für spätere Schwangerschaften. Neu sind Empfehlungen zu Nahttechniken gegen Sectionarbendefekte sowie ein Kapitel zum Placenta accreta Spectrum, einer seltenen, aber gefährlichen Komplikation nach wiederholtem Kaiserschnitt. Ziel ist eine informierte Entscheidung und sichere Versorgung von Mutter und Kind.
Zur Sectio
In Deutschland, Österreich und der Schweiz kommt derzeit etwa jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. 2024 lag die Rate in Deutschland bei 33,0 Prozent, in Österreich bei 32,5 Prozent, in der Schweiz 2023 bei 33,6 Prozent. Eine pauschale Zielrate nennt die aktualisierte S3-Leitlinie „Sectio caesarea“ trotzdem nicht: Die Evidenz reiche dafür nicht aus.
Aufklärung vor dem ersten Kaiserschnitt
Die Leitlinie legt großen Wert auf die Beratung vor dem ersten Kaiserschnitt. Schwangere sollen verständlich über Geburtsmodi, Indikationen, Risiken und Vorteile informiert werden – auch im Hinblick auf künftige Schwangerschaften. Ein erster Kaiserschnitt erhöht die Risiken für spätere Schwangerschaften und Geburten. Eine vaginale Geburt nach Sectio (VBAC) gilt dennoch als vertretbare Option: Die Erfolgsrate liegt bei 75 Prozent nach einem und bei 71 Prozent nach zwei Kaiserschnitten. Betroffene Frauen sollten deshalb in Kliniken mit kontinuierlicher CTG-Überwachung und Notsectio-Bereitschaft entbinden.
„Der Kaiserschnitt gehört zu den häufigsten operativen Eingriffen in der Geburtshilfe. Umso entscheidender ist es, dass die Indikation sorgfältig gestellt, die Schwangere umfassend aufgeklärt und der Eingriff nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen durchgeführt wird.“
Prof. Dr. med. Markus Schmidt, Leitlinienkoordinator
Nahttechniken sollen Narbendefekte vermeiden
Neu bewertet die Leitlinie auch die Operationstechnik: Beim Verschluss der Gebärmutter soll das Endometrium künftig ausgeschlossen werden, um Sectionarbendefekte zu vermeiden. Nicht-verriegelte Nähte zeigen Vorteile bei der Heilung. Das Peritoneum sollte evidenzbasiert offenbleiben. Insgesamt betont die Leitlinie jedoch die Tatsache, dass bezüglich des Peritonealverschlusses weitere Forschung angezeigt ist.
Placenta accreta Spectrum früh erkennen
Erstmals widmet die Leitlinie dem Placenta accreta Spectrum (PAS) ein eigenes Kapitel. Dabei verwächst die Plazenta mit der Gebärmuttermuskulatur und löst sich nach der Geburt nicht – es drohen schwere Blutungen. Das Risiko steigt mit der Zahl vorangegangener Kaiserschnitte sowie bei Placenta praevia. Bei Verdacht sollen Ärztinnen und Ärzte gezielt mit Ultraschall-Score und gegebenenfalls MRT abklären und frühzeitig ein multidisziplinäres Team sowie Intensiv- und Neonatologiebetten einplanen.
„[…]. Entscheidend sind [beim Placenta accreta Spectrum] die rechtzeitige Identifikation von Risikokonstellationen, die differenzierte pränatale Diagnostik und die strukturierte Planung der Entbindung. […]“
Prof. Dr. Angela Köninger, Leitlinienkoordinatorin
Die Empfehlungen richten sich an Schwangere sowie an Gynäkologinnen und Gynäkologen, Hebammen und weitere Berufsgruppen, die in die Geburtshilfe involviert sind.
Quelle: Pressemitteilung der DGGG





