Ein MHH-Forschungsteam hat im Mausmodell gezeigt, dass plazentare Mikrothromben bei der Plazentaentwicklung eine wichtige Steuerungsfunktion übernehmen. Die winzigen Blutgerinnsel entstehen an der Kontaktzone zwischen mütterlichem und embryonalem Gewebe und lenken den mütterlichen Blutfluss. Blutplättchen, Gerinnung und Komplementsystem müssen dabei exakt ausbalanciert sein. Eine Fehlregulation könnte auch bei Präeklampsie und wiederholten Fehlgeburten beim Menschen eine Rolle spielen.
Studie im Mausmodell
Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat im Mausmodell eine neue Funktion winziger Blutgerinnsel in der Plazenta entdeckt. Diese plazentaren Mikrothromben entstehen an der Kontaktzone zwischen mütterlichem und embryonalem Gewebe. Bislang galten sie vor allem als Ursache von Schwangerschaftskomplikationen. Die Studie zeigt nun: Plazentare Mikrothromben übernehmen eine wichtige Steuerungsfunktion bei der Plazentaentwicklung.
Geleitet haben die im „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlichte Studie Dr. Markus Abeln und Dr. Arno Smid vom MHH-Institut für Klinische Chemie und Zentrallabor, gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Tiede von der Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Zelltherapie.
„Diese sogenannten plazentaren Mikrothromben spielen eine entscheidende Rolle: Wie kleine temporäre Dämme begrenzen sie das mütterliche Blut an bestimmten Stellen. So helfen sie dabei, das Blut durch die sich entwickelnde Plazenta zu lenken.“
Dr. Markus Abeln, Medizinische Hochschule Hannover
Zusammenspiel von Gerinnung und Immunsystem
Die plazentaren Mikrothromben enthalten mütterliche Blutplättchen, Gerinnungsfaktoren und das Komplementprotein C3, ein zentrales Element der angeborenen Immunabwehr. Thrombin aktiviert zunächst die Blutplättchen. Diese bilden dann eine Oberfläche, auf der sich das Komplementsystem örtlich begrenzt aktivieren lässt.
Fehlt ein das Zuckermolekül Sialinsäure auf der Plazentaoberfläche, aktiviert sich das Komplementsystem übermäßig. Die Folgen sind großflächige Ablagerungen von Blutplättchen und Gerinnungsfaktoren, übermäßige Thrombosen und eine stark gestörte Plazentaentwicklung.
Die Studie belegt: Eine erfolgreiche Schwangerschaft braucht ein präzises Gleichgewicht. Blutplättchen, Gerinnung und Komplementsystem regulieren den Blutfluss, dürfen aber keine unkontrollierte Entzündungsreaktion auslösen. Nur so lassen sich Blutungen in der frühen Schwangerschaft verhindern.
Die am Mausmodell gewonnenen Ergebnisse könnten auch für menschliche Komplikationen relevant sein. Bei Präeklampsie, wiederholten Fehlgeburten und ungünstigen Verläufen bei Autoimmunerkrankungen zeigen sich bereits Veränderungen im Komplement- und Gerinnungssystem. Folglich sind weitere Untersuchungen am Menschen angezeigt. Langfristig könnten die Erkenntnisse gezieltere Therapien gegen plazentare Thrombosen ermöglichen.
Quelle:
- Pressemitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover
- Smid A, Schumann L, Oleshko O et al. Platelets link coagulation and complement in regulating murine placental vascular development. J Clin Invest 2026





