Der 66. DGGG-Kongress wurde am 21.10.2026 in München feierlich eröffnet. DGGG-Präsident Prof. Dr. Gert Naumann forderte in seiner Rede mehr Wissenschaft, verlässliche Versorgungsstrukturen und ein Ende der Budgetierung präventiver Leistungen wie Schwangerenvorsorge und Krebsfrüherkennung. Geburtshilfe, Forschung und Nachwuchsförderung stünden beim DGGG-Kongress im Mittelpunkt, ebenso die Debatten um Schwangerschaftsabbruch und Gewalt gegen Frauen, so Naumann. Rund 5.500 Teilnehmende diskutieren im Rahmen des Kongresses über Reformen und die Zukunft der Frauenheilkunde.
Appell zum Auftakt des DGGG-Kongresses
Mit einem Appell zu wissenschaftlichem Fortschritt, verlässlichen Versorgungsstrukturen und kollegialem Austausch ist der 66. DGGG-Kongress in München eröffnet worden. DGGG-Präsident Prof. Dr. Gert Naumann begrüßte die Ehrengäste und betonte den Schulterschluss mit angrenzenden Fachgesellschaften sowie dem Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF).
Klare Worte zu geplanten Reformen
Das Motto des DGGG-Kongresses lautet „UNSERE ZUKUNFT MIT WISSENSCHAFT – DIE FRAU IM BLICK“. Es beschreibt, was das Fach heute leisten muss: Forschung voranbringen, die Interessen der Patientinnen vertreten und tragfähige Rahmenbedingungen sichern. Wissenschaftliche Fortschritte eröffnen neue Behandlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig prägen wirtschaftliche und politische Zwänge die Versorgung. DGGG und BVF fordern gegenwärtig gemeinsam, Fehlentwicklungen der aktuellen Reformen zu korrigieren. Naumann kritisierte insbesondere die vorgesehene Budgetierung präventiver Leistungen wie Schwangerenvorsorge und Krebsfrüherkennung.
Für die Forschung verlangte er dauerhafte Strukturen und geschützte Forschungszeiten. Erkenntnisse müssten rasch in die Praxis gelangen. Dafür brauche es stärkere Versorgungsforschung.
Geburtshilfe im Wandel
Die Geburtshilfe verändere sich durch sinkende Geburtenzahlen, Fachkräftemangel und die Neuordnung der Krankenhauslandschaft, erläuterte Naumann. Zugleich steigen die Erwartungen an Sicherheit, Selbstbestimmung und individuelle Betreuung. Versorgungslücken erfordern eine räumliche und organisatorische Vernetzung unterschiedlicher Versorgungsstufen. Die DGGG bekennt sich zu einer einvernehmlichen, interprofessionellen Geburtshilfe und zu enger Zusammenarbeit mit Hebammen, so der Präsident.
Arbeitsbedingungen und Nachwuchs im Fokus
Naumann forderte für das Fach Arbeitsbedingungen, die klinische Tätigkeit, Familie und Forschung vereinbar machten, sowie eine strukturierte Weiterbildung. Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland seien für die flächendeckende Versorgung unverzichtbar. Außerdem müssten Ärztinnen und Ärzte stärker für das Erkennen von Gewalt sensibilisiert werden. Nötig seien hierfür geschützte Gespräche und verlässliche Hilfsnetzwerke. In der das Fach spaltenden Debatte zum Schwangerschaftsabbruch mahnte Naumann Sachlichkeit und gegenseitigen Respekt an.
Besonders den Nachwuchs rief er dazu auf, die Fachgesellschaft aktiv mitzugestalten.
Umfangreiches Programm beim DGGG-Kongress
Kongresspräsident Prof. Dr. Matthias W. Beckmann erläuterte, wie Arbeitsgemeinschaften, Programmkomitee, Fachleute und Begutachtende das Programm erarbeitet hatten. Es zeige die wissenschaftliche Breite des Fachs ganz deutlich auf. Nach 76 Wochen Planung umfasst der DGGG-Kongress nun 1.661 Vorträge und 169 wissenschaftliche Sitzungen. Zur Eröffnung lagen bereits 5.500 Anmeldungen vor.
Die Co-Kongresspräsidentinnen Prof. Dr. Brigitte Strizek und Prof. Dr. Frauke von Versen stellten weitere Angebote vor: die Basics-Reihe für die Weiterbildung, die Advanced-Reihe vor der Facharztprüfung sowie interaktive Pro-und-Kontra-Debatten. Interdisziplinäre Sitzungen eröffnen zudem neue Perspektiven. Ein Science Slam und Beiträge zur reproduktiven Gesundheit und Endometriose machen junge Forschung sichtbar. Beide Kongresspräsidentinnen betonten: Die Zukunft des Fachs braucht Nachwuchs und wissenschaftliche Perspektiven.





