Die S3-Leitlinie Zervixkarzinom wurde aktualisiert und definiert für Rezidive und Metastasen einen neuen Therapiestandard: platin- und taxanhaltige Chemotherapie kombiniert mit Pembrolizumab, teils mit Bevacizumab. 90 Prozent der Tumoren tragen das Protein PD-L1, ein Ziel für Checkpoint-Inhibitoren. Auch Operationen werden schonender: Oft reicht künftig eine einfache statt einer radikalen Hysterektomie. Die S3-Leitlinie Zervixkarzinom empfiehlt zudem vor radikalen Eingriffen häufiger eine Konisation.
Überarbeitung der Leitlinie
Das Zervixkarzinom gehört weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Laut Robert-Koch-Institut erkrankten 2023 rund 4.300 Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs. Die Inzidenz ist dank gesetzlicher Früherkennung stark gesunken, die Mortalität stagniert jedoch seit zehn Jahren. Hier setzt die aktualisierte S3-Leitlinie Zervixkarzinom an: Sie bündelt evidenzbasierte Standards für eine individuell zugeschnittene, hochwertige Therapie. Koordiniert wurde die Überarbeitung von Prof. Matthias Beckmann, Uniklinikum Erlangen, und Prof. Tanja Fehm, Uniklinikum Düsseldorf.
Die S3-Leitlinie Zervixkarzinom in der fortgeschrittenen Situation
Für das Lokalrezidiv und für Fernmetastasen wurde das zugehörige Kapitel komplett überarbeitet. 90 Prozent der Zervixkarzinome weisen das Protein PD-L1 auf, ein Angriffspunkt für Checkpoint-Inhibitoren, die das Immunsystem wieder gegen den Tumor aktivieren.
„Als neuen Therapiestandard für Betroffene mit Rezidiv oder Metastasen empfehlen wir in der Leitlinie nun eine platin- und taxanhaltige Chemotherapie in Kombination mit Pembrolizumab, [teils zusätzlich mit] Bevacizumab.“
Prof. Matthias Beckmann, Leitlinienkoordinator
Bleibt der Erfolg aus, nennt die Leitlinie neue Optionen für die Zweitlinie: das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Tisotumab-Vedotin oder, für bislang nicht mit Checkpoint-Inhibiotr behandelte Betroffene, Cemiplimab. Diese neuen Therapien zeigten signifikante Überlebensvorteile und eine bessere Lebensqualität. Folglich sei es sehr erfreulich, dass sie nun als Standard festgehalten seien, ergänzte Beckmann.
Operation: weniger radikale Eingriffe möglich
Die radikale Hysterektomie gilt aktuell als klassische Operationstechnik. Dabei werden je nach Stadium Gebärmutterkörper, oberer Vaginalteil, Teile des Halteapparats, Lymphknoten und teils Eierstöcke entfernt. Die Leitlinie empfiehlt nun unter bestimmten Bedingungen die einfache Hysterektomie, bei der nur der Gebärmutterkörper entfernt wird.
„Beim frühen Zervixkarzinom ist die einfache Hysterektomie onkologisch sicher. Die Lebensqualität ist deutlich höher, da weniger Komplikationen und Spätfolgen auftreten.“
Prof. Tanja Fehm, Leitlinienkoordinatorin
Ist eine radikale Hysterektomie nötig, soll zuvor eine Konisation erfolgen, sofern der Tumor auf den Gebärmutterhals begrenzt und maximal vier Zentimeter groß ist. Die Konisation verbessere die Prognose, zeige die Tumorbiologie genauer und senke das Risiko einer Tumorzellverschleppung, so Fehm.
Weitere Neuerungen betreffen den Fertilitätserhalt sowie die Radiochemotherapie. Die vollständige S3-Leitlinie Zervixkarzinom ist im Leitlinienprogramm Onkologie und in der kostenfreien Leitlinien-App abrufbar.
Quelle: Pressemitteilung der DKG





