Gynäkologie » Gynäkologische Onkologie » Zervixkarzinom

»

Neue S3-Leitlinie Zervixkarzinom setzt Therapiestandard

© busron - stock.adobe.com

Neue S3-Leitlinie Zervixkarzinom setzt Therapiestandard

Aktuelles

Gynäkologie

Gynäkologische Onkologie

Zervixkarzinom

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: gyne

Die S3-Leitlinie Zervixkarzinom wurde aktualisiert und definiert für Rezidive und Metastasen einen neuen Therapiestandard: platin- und taxanhaltige Chemotherapie kombiniert mit Pembrolizumab, teils mit Bevacizumab. 90 Prozent der Tumoren tragen das Protein PD-L1, ein Ziel für Checkpoint-Inhibitoren. Auch Operationen werden schonender: Oft reicht künftig eine einfache statt einer radikalen Hysterektomie. Die S3-Leitlinie Zervixkarzinom empfiehlt zudem vor radikalen Eingriffen häufiger eine Konisation.

Überarbeitung der Leitlinie

Das Zervixkarzinom gehört weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Laut Robert-Koch-Institut erkrankten 2023 rund 4.300 Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs. Die Inzidenz ist dank gesetzlicher Früherkennung stark gesunken, die Mortalität stagniert jedoch seit zehn Jahren. Hier setzt die aktualisierte S3-Leitlinie Zervixkarzinom an: Sie bündelt evidenzbasierte Standards für eine individuell zugeschnittene, hochwertige Therapie. Koordiniert wurde die Überarbeitung von Prof. Matthias Beckmann, Uniklinikum Erlangen, und Prof. Tanja Fehm, Uniklinikum Düsseldorf.

Die S3-Leitlinie Zervixkarzinom in der fortgeschrittenen Situation

Für das Lokalrezidiv und für Fernmetastasen wurde das zugehörige Kapitel komplett überarbeitet. 90 Prozent der Zervixkarzinome weisen das Protein PD-L1 auf, ein Angriffspunkt für Checkpoint-Inhibitoren, die das Immunsystem wieder gegen den Tumor aktivieren.

„Als neuen Therapiestandard für Betroffene mit Rezidiv oder Metastasen empfehlen wir in der Leitlinie nun eine platin- und taxanhaltige Chemotherapie in Kombination mit Pembrolizumab, [teils zusätzlich mit] Bevacizumab.“


Prof. Matthias Beckmann, Leitlinienkoordinator

Bleibt der Erfolg aus, nennt die Leitlinie neue Optionen für die Zweitlinie: das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Tisotumab-Vedotin oder, für bislang nicht mit Checkpoint-Inhibiotr behandelte Betroffene, Cemiplimab. Diese neuen Therapien zeigten signifikante Überlebensvorteile und eine bessere Lebensqualität. Folglich sei es sehr erfreulich, dass sie nun als Standard festgehalten seien, ergänzte Beckmann.

Operation: weniger radikale Eingriffe möglich

Die radikale Hysterektomie gilt aktuell als klassische Operationstechnik. Dabei werden je nach Stadium Gebärmutterkörper, oberer Vaginalteil, Teile des Halteapparats, Lymphknoten und teils Eierstöcke entfernt. Die Leitlinie empfiehlt nun unter bestimmten Bedingungen die einfache Hysterektomie, bei der nur der Gebärmutterkörper entfernt wird.

„Beim frühen Zervixkarzinom ist die einfache Hysterektomie onkologisch sicher. Die Lebensqualität ist deutlich höher, da weniger Komplikationen und Spätfolgen auftreten.“

Prof. Tanja Fehm, Leitlinienkoordinatorin

Ist eine radikale Hysterektomie nötig, soll zuvor eine Konisation erfolgen, sofern der Tumor auf den Gebärmutterhals begrenzt und maximal vier Zentimeter groß ist. Die Konisation verbessere die Prognose, zeige die Tumorbiologie genauer und senke das Risiko einer Tumorzellverschleppung, so Fehm.

Weitere Neuerungen betreffen den Fertilitätserhalt sowie die Radiochemotherapie. Die vollständige S3-Leitlinie Zervixkarzinom ist im Leitlinienprogramm Onkologie und in der kostenfreien Leitlinien-App abrufbar.

Quelle: Pressemitteilung der DKG

Weitere Beiträge zu diesem Thema

© A. Petersen

DGGG-Vorstand für 2026-2028 wiedergewählt

Kongress

Der DGGG-Vorstand bleibt für die Amtsperiode 2026-2028 im Amt. Unter Präsident Gert Naumann setzt er auf Nachwuchsförderung und eine zukunftsfähige klinische Geburtshilfe mit dem Ziel einer hochwertigen und sicheren Versorgung.

Gynäkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
© Sylvie Pabion Martín - stock.adobe.com

Genmuster zeigt Nutzen von Bevacizumab bei Ovarialkarzinom

Aktuelles

Lange galt Bevacizumab bei Ovarialkarzinom als Therapie mit ungewissem Nutzen für alle Patientinnen. Hamburger Forschende zeigen nun: Ein bestimmtes Genmuster im Tumor scheint prognostizieren zu können, ob der Antikörper wirkt.

Gynäkologie

Gynäkologische Onkologie

Ovarialkarzinom

Beitrag lesen
© Viktoria Ostroushko - stock.adobe.com

S3-Leitlinie zum Kaiserschnitt aktualisiert

Aktuelles

Wie gut sind Schwangere vor einem Kaiserschnitt über Risiken für spätere Geburten aufgeklärt? Die aktualisierte S3-Leitlinie „Sectio caesarea" liefert neue Empfehlungen für Beratung und Versorgung.

Gynäkologie

Geburtshilfe

Beitrag lesen