Kardiologie » Diabetes

»

Abnehmspritze: Semaglutid und Tirzepatid verbessern Gewicht und Herzgesundheit

Drei blaue Abnehmspritzen mit Dosierskala und Maßband auf hellem Hintergrund

Quelle: © Kassandra - Adobe Stock

Abnehmspritze: Semaglutid und Tirzepatid verbessern Gewicht und Herzgesundheit

Aktuelles

Kardiologie

Diabetes

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Abnehmspritzen wie Semaglutid (Ozempic) und Tirzepatid (Mounjaro) können das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Typ-2-Diabetes um bis zu 18 Prozent senken, wie Forschende der Universität München (TUM) und Harvard Medical School anhand von Versichertendaten zeigen.

Für ihre veröffentlichte Studie arbeiteten die Forschenden mit einem großen Satz an Patientendaten von US-amerikanischen Krankenversicherungen. „Dabei handelt es sich um Daten, die in der klinischen Praxis anfallen und sekundär für Forschungszwecke genutzt werden können. Sie ermöglichen es, eine große Bandbreite relevanter Fragestellungen effizient und ressourcenschonend zu beantworten. Zudem können wir Betroffene untersuchen, die die Realität des klinischen Alltags widerspiegeln, im Gegensatz zu meist hochselektierten Teilnehmenden im randomisierten Experiment”, sagt Dr. Nils Krüger, Erstautor der Studie und Assistenzarzt in der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen des TUM Klinikums Deutsches Herzzentrum.

Beide Abnehmspritzen bieten Herzschutz

Die Studie belegt deutliche Vorteile für die Herzgesundheit von Menschen mit Typ-2-Diabetes. Im Vergleich zu Sitagliptin, das keinen Einfluss auf das Herz hat, senkt Semaglutid das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte um 18 Prozent. Tirzepatid reduziert das Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkte und Tod im Vergleich zum älteren GLP1-Medikament Dulaglutid um 13 Prozent.

„Beide Substanzen wirken kardioprotektiv. Unsere Daten zeigen zudem, dass diese Wirkung bereits früh einsetzt und somit über die Effekte einer reinen Gewichtsabnahme hinausgeht“, sagt Dr. Nils Krüger. Die genauen Mechanismen hinter der Schutzfunktion sind bislang noch unbekannt.

Da die Wirkstoffe erst seit kurzer Zeit verfügbar sind, fehlten bislang Studien, die neben der Gewichtsabnahme eine herzschützende Wirkung belegen – insbesondere solche, die Tirzepatid und Semaglutid miteinander vergleichen. Um Menschen mit erhöhtem Risiko bestmöglich zu schützen, werden diese aus Sicht der Forschenden aber dringend benötigt. Die interdisziplinäre Forschungsgruppe um Dr. Krüger am TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum, der Harvard Medical School und des Brigham and Women’s Hospital will diese Lücken schließen.

Kaum Unterschiede zwischen beiden Wirkstoffen

„Folgt man den Herstellerangaben, senkt jeweils das eigene Produkt Risiken für Herz-Kreislauferkrankungen deutlich effektiver als das Konkurrenzpräparat“, sagt Prof. Heribert Schunkert, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum. „Die aktuelle Studie zeigt jedoch in Bezug auf die Herzgesundheit der untersuchten Risikogruppen nur kleine Unterschiede zwischen Tirzepatid und Semaglutid.“

Dr. Nils Krüger ergänzt: „Wir hoffen durch unsere Arbeit bei behandelnden Medizinfachpersonal Klarheit schaffen zu können, wie diese neuen Medikamente in der klinischen Praxis wirken. Unser transparentes Studiendesign soll zudem einen offenen wissenschaftlichen Diskurs darüber ermöglichen, ob und wie moderne GLP-1-Medikamente künftig zum Bestandteil des therapeutischen Repertoires in der kardiovaskulären Medizin werden.“

Originalpublikation: Krüger N et al. Cardiovascular outcomes of semaglutide and tirzepatide for patients with type 2 diabetes in clinical practice. Nat Med 2025;

Quelle: Pressemitteilung der Technischen Universität München vom 10.11.2025

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Medizinische Illustration eines Herzens mit implantiertem Herzschrittmacher

Herzklappen-Eingriff: Geschlecht beeinflusst Risiken eines Herzschrittmachers

Studien

Nach einem kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVI) unterscheiden sich die Zusammenhänge zwischen Herzschrittmacherstatus und Überleben bei Frauen und Männern. Eine Studie mit 1.114 Betroffenen legt nahe, geschlechtsspezifische Faktoren bei Risikobewertung und Nachsorge stärker zu berücksichtigen.

Kardiologie

Herzklappen- und strukturelle Erkankungen

Beitrag lesen
Zwei Blisterstreifen mit weißen Tabletten auf blauem Hintergrund.

Wegovy-Tablette mit Semaglutid ab sofort in Deutschland verfügbar

Aus der Industrie

Seit dem 1. September 2026 ist orales Semaglutid 25 mg zur Gewichtsregulierung in Deutschland erhältlich. In der Zulassungsstudie OASIS-4 sank das Körpergewicht nach 64 Wochen im Mittel um 13,6 %, wenn auch Therapieabbrüche und zusätzliche Behandlungen berücksichtigt wurden.

Kardiologie

Adipositas

Beitrag lesen
Tablet mit dem Schriftzug „Bluthochdruck“, daneben ein Stethoskop und Diagnoseunterlagen.

Hilo-Report: Hypertonie bei fast einem Viertel der Betroffenen unkontrolliert

Aus der Industrie

Zum Welt-Herz-Tag am 29.10. stand die Blutdruckkontrolle erneut im Fokus. Eine Anbieterbefragung weist auf Lücken bei der Hypertoniekontrolle hin. Kontinuierliche Messsysteme könnten zusätzliche Verlaufsdaten liefern – ihre klinische Aussagekraft ist jedoch geräte- und validierungsabhängig.

Kardiologie

Hypertonie

Beitrag lesen