Das Post-VAC-Syndrom beschreibt anhaltende, multisystemische Beschwerden nach einer COVID-19-Impfung. Dieser Artikel fasst den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Begriffsbestimmung, Epidemiologie, Pathophysiologie, Symptomatik, Diagnostik und therapeutischen Ansätzen zusammen. Seit der ersten COVID-19-Impfung im Dezember 2020 wurden in Deutschland mehr als 200 Millionen Impfdosen verabreicht [1]. Die Diskussion über mögliche Spätschäden wird seitdem mit hoher Intensität geführt.
Begriffsbestimmung
Als Post-VAC-Syndrom wird eine Symptomkonstellation verstanden, die durch das Auftreten anhaltender, multisystemischer Symptome nach einer SARS-CoV-2-Impfung gekennzeichnet ist.
Alternative Bezeichnungen
Für das Störungsbild bzw. den Symptomkomplex existieren verschiedene Begriffe:
- Post-COVID-19-Vakzin-Syndrom
- Post-COVID-19 vaccination syndrome (PCVS)
- Postakutes COVID-19-Vakzin-Syndrom (PACVS)
- Long Vax
- Multisystemisches Entzündungssyndrom (MIS-C)
Charakteristische Merkmale
Symptome und Beschwerden treten typischerweise innerhalb von Tagen bis Wochen auf und können über Monate oder länger andauern. Das Syndrom unterscheidet sich von den üblichen, vorübergehenden Impfreaktionen durch die Chronizität und Schwere der Symptome.
Zu den häufigsten Beschwerden zählen:
- Müdigkeit
- Unwohlsein
- Sensibilitätsstörungen (wie Parästhesien)
- Kognitive Beeinträchtigungen („Brain Fog“)
- Kopfschmerzen
- Autonome Funktionsstörungen
Einige Fälle erfüllen die Kriterien etablierter Syndrome wie:
- Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS)
- Posturales orthostatisches Tachykardie-Syndrom (POTS)
- Small-Fiber-Neuropathie (SFN)
Andere Fälle gehen mit überlappenden oder atypischen Symptomen einher [2, 3].
ICD-Kodierung
Eine ICD-Schlüsselnummer für das Post-VAC-Syndrom wurde bisher nicht vergeben. Bei Ähnlichkeit der Symptomatik scheint die Störung zum Teil analog mit U09! für Post-COVID-Zustand kodiert zu werden. In der Vorschlagsliste für eine Anpassung von ICD-Schlüssel-Nummern für 2026 des BfArM ist eine spezifische Kodierung für das Post-VAC-Syndrom nicht vorgesehen [4], allerdings wurde die Neuaufnahme eines ICD-Codes für die post-exertionelle Malaise (PEM) als Leitsymptom von Long-COVID oder Post-VAC-Syndrom z. B. als U10.8 vorgeschlagen.
Offizielle Einordnung
Nach aktueller Darstellung des Bundesgesundheitsministeriums (BGM) zum Thema wird der Begriff „Post-VAC-Syndrom“ im Zusammenhang mit Beschwerden nach einer COVID-19-Impfung verwendet, die zum Teil den beschriebenen Symptomen bei Long-/Post-COVID ähneln. Der Begriff „Post-VAC“ stelle allerdings keine medizinisch definierte Bezeichnung einer Erkrankung dar. Es gebe bisher keine international anerkannte, standardisierte, eindeutige Falldefinition für die Meldung eines Verdachtsfalls einer solchen Nebenwirkung [5].
Abgrenzung zu akuten Impfreaktionen
Das hier beschriebene Post-VAC-Syndrom ist abzugrenzen von den sehr häufigen akuten Nebenwirkungen der Impfung wie auch von nachgewiesenen organischen Nebenwirkungen der Impfung mit besonderer gesundheitlicher Bedeutung:
Häufige akute Nebenwirkungen
- Schmerzen an der Injektionsstelle und Müdigkeit: je nach Impfstofftyp und untersuchter Bevölkerung 60–80 %
- Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Fieber und Schüttelfrost: 10–85 %
- Lokale Reaktionen (Schwellung, Rötung): werden in 35–85 % beobachtet
- Schwere akute Reaktionen nach Impfung: < 1 %
Seltene schwerwiegende Nebenwirkungen
- Allergische Reaktionen / Anaphylaxie: geschätzt 1,31 pro Million Impfungen [7]
- Myokarditis nach mRNA-Impfungen: insbesondere bei jungen Männern, etwa drei zusätzliche Fälle / 100.000 geimpfte Personen
- Thrombotische Ereignisse: insbesondere impfstoffinduzierte thrombotische Thrombozytopenie und zerebrale Sinusvenenthrombose nach Adenovirus-Vektor-Impfstoffen 3,5–5,7 % in manchen Kohorten
- Guillain-Barré-Syndrom (GBS): nach Adenovirus-Vektor-Impfstoffen mit OR 11,6 [8, 9]
Terminologische Differenzierung
Eine Arbeitsgruppe aus Zürich und Dresden formulierte 2023 zur Bezeichnung der Nebenwirkungen die Begriffe „Post-COVID-19-Vakzin-Syndrom“, „PCVS“ und „Post-COVID-vac-Syndrom“. Analog zur Unterscheidung von akutem COVID-19- und post-akutem COVID-19-Syndrom (PACS, „long COVID“) wurde eine Unterscheidung zwischen einem akuten COVID-19-Vakzin-Syndrom (ACVS) und einem post-akuten COVID-19-Vakzin-Syndrom (PACVS) vorgeschlagen [6].
Epidemiologie
Im November 2025 listete das Paul Ehrlich-Institut 34 in Deutschland verfügbare Impfstoffe gegen SARS-CoV-2-Virus von fünf verschiedenen Herstellern auf [10]. Die Webseite enthält Verweise auf die Herstellerinformation der verschiedenen Impfstoffe. Für keinen Impfstoff ist dort das Post-VAC-Syndrom als Nebenwirkung angegeben.
Meldedaten aus Deutschland
Der Sicherheitsbericht des Paul Ehrlich-Institutes vom Frühjahr 2023 [11] gab kumulativ für Deutschland folgende Zahlen an:
- Ca. 340.000 gemeldete Impf-Nebenwirkungen
- Davon ca. 55.500 schwere Nebenwirkungen
- Davon betrafen 1.452 Meldungen Long-COVID-ähnliche Symptome (Post-VAC-Syndrom)
Bei Anwendung der von der WHO publizierten vorläufigen Falldefinition des Post-VAC-Syndroms reduzierte sich die Anzahl der zugeordneten Meldungen auf 747.
Auffällig im internationalen Vergleich war die Tatsache, dass Post-VAC-Syndrome aus Deutschland ungefähr dreimal so häufig gemeldet wurden wie aus dem gesamten europäischen Ausland und ungefähr dreimal so häufig wie aus den gesamten übrigen Ländern der Welt.
Die Anzahl der mit der Meldung verbundenen Symptome lag bei den Post-VAC-Syndrom-Meldungen erheblich höher als bei den übrigen Meldungen von Impf-Nebenwirkungen.
Prävalenzschätzungen
Epidemiologische Daten deuten darauf hin, dass das Post-VAC-Syndrom selten ist. Die Prävalenzschätzungen reichen je nach Population und Erhebungsmethode von 0,02 % bis 0,9 %, wobei ein Melde-Bias die beobachteten Raten beeinflussen kann [3, 11].
Befragungsdaten aus Deutschland
Eine Befragung von ca. 4.500 deutschen Probanden [12] zeigte:
- Höchste Prävalenz von Post-VAC-Syndrom nach einer Impfung: 20,8 %
- Abnahme auf 8,9 % nach vier Impfungen
- Keine relevanten Unterschiede zwischen den Impfstoffen
- Bei Nicht-mRNA-Impfstoffen wurden etwas höhere Raten von Schlaf- und Konzentrationsproblemen angegeben.
Chronische Verläufe
Bei chronischen oder persistierenden Syndromen des Post-VAC-Syndroms liegt die geschätzte Prävalenz laut Registerdaten bei etwa 0,02 %.
Belastbare epidemiologische Daten fehlen. Die meisten veröffentlichten Berichte sind Fallserien oder Beobachtungsstudien. Aktuelle Übersichtsarbeiten betonen die Notwendigkeit rigoroser, prospektiver Forschung, um die tatsächliche Inzidenz und diagnostische Kriterien zu bestimmen.
Pathophysiologische Konzepte
Die Pathophysiologie des Post-VAC-Syndroms ist bislang nicht vollständig geklärt. Im Fokus stehen Hypothesen zu fehlgeleiteten Immunreaktionen auf Impfstoffbestandteile, einschließlich einer durch das Spike-Protein ausgelösten Autoimmunität oder Dysautonomie, jedoch fehlt es an direkten mechanistischen Nachweisen [2, 14, 15].
Mediatoren der Impf-Nebenwirkungen
Eine griechische Arbeitsgruppe sah 2022 als Mediatoren der Impf-Nebenwirkungen vor allem:
- Lipid-Nanopartikel
- Die RNA des Impfstoffes selbst
- Vor allem das Spike-Protein des Impfstoffs
Das Spike-Protein wirkt entweder über eine Interaktion mit menschlichen Proteinen in Form von molekularem Mimikri oder als ein Ligament am ACE-2-Rezeptor mit Aktivierung proinflammatorischer Prozesse [13]. Diese Überlegungen bezogen sich nicht spezifisch auf die Symptome und die Entstehung des Post-VAC-Syndroms.
Rolle des Spike-Proteins
Eine französische Arbeitsgruppe [16] konzentrierte sich auf die Rolle des durch mRNA- und Adenovirus-Impfstoffe produzierten Spike-Proteins bei der Entstehung von Long-COVID und des Post-VAC-Syndroms.
Grundmodell der pathophysiologischen Überlegungen bildet:
- Die Persistenz des Spike-Proteins über Monate
- Dessen Interaktion mit Rezeptoren von ACE2 und MBL/MASP-2
- Nachfolgende Entzündungsprozesse in mehreren Organsystemen
Zentrale Signalwege
Die Autoren schlagen drei zentrale immun-inflammatorische Signalwege vor, die maßgeblich an der Pathogenese von Long-COVID und Post-VAC-Syndromen beteiligt sein sollen:
- Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)
- Das Kininogen-Kinin-Kallikrein-System (KKS)
- Der Lektin-Komplementweg
Diese Signalwege werden als Ziele zukünftiger therapeutischer Studien vorgeschlagen und sehen die Aktivierung spezifischer inflammatorischer Stoffwechselwege als wesentliche Bestandteile der Genese des Post-VAC-Syndroms mit Überlappung zum Long-COVID-Syndrom, aber erkennbaren Unterschieden.
Zusammenfassung Pathophysiologie
Zusammenfassend ist die Pathophysiologie des Post-VAC-Syndroms noch nicht ausreichend erforscht und verstanden. Aktuelle wissenschaftliche Publikationen sehen:
- Eine Persistenz des Spike-Proteins
- Immunologische Fehlregulation
- Die Aktivierung spezifischer inflammatorischer Stoffwechselwege
als wesentliche Bestandteile der Genese des Post-VAC-Syndroms mit Überlappung zum Long-COVID-Syndrom, aber erkennbaren Unterschieden.
Symptomatik
Das Post-VAC-Syndrom weist symptomatische Überschneidungen mit Long-COVID auf. Einige Studien berichten veränderte Autoantikörper-Profile und Entzündungsmarker.
Mentale und kognitive Symptome
Von ca. 4.000 zum Post-VAC-Syndrom befragten geimpften deutschen Personen [12] gaben 12,6 % mentale Probleme nach der Impfung an:
- 9,0 % Erschöpfung / Schwäche / Fatigue
- 4,3 % Leistungseinschränkungen
- 3,7 % Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- 3,4 % Schlafstörungen
- 1,5 % depressive Stimmungsveränderungen
Neurologische Symptome
Verschiedene Kasuistiken und kleine Beobachtungsserien mit detaillierter klinischer und technischer neurologischer Untersuchung beschrieben anhaltende Small-Fiber-Neuropathien, die z. T. bereits innerhalb von wenigen Stunden bis 30 Tagen nach Corona-Impfungen aufgetreten waren [17].
Häufigste Symptome nach Düsseldorfer Analyse
Eine Analyse der Symptomatik des Post-VAC-Syndroms bei 191 betroffenen Patienten aus Düsseldorf [3] zeigte eine sehr hohe Prävalenz von vegetativen unspezifischen Symptomen und Beeinträchtigungen, kombiniert mit Angaben von CFS / ME, POTS und SFN, mit z. T. großen Überlappungen und Überschneidungen zum Post-COVID-Syndrom (▶ Tab. 1).
▶ Tab. 1: Symptome des Post-VAC-Syndroms mit über 75 % Prävalenz [3].
| Symptom/Diagnose | Prävalenz |
| Erschöpfung | 84,82 |
| Schwäche | 83,77 |
| Muskelschmerzen | 80,63 |
| Unruhiger Schlaf | 80,63 |
| Schwindel | 80,10 |
| Kribbeln, Prickeln, Parästhesie | 79,58 |
| Beeinträchtigung der Konzentrationsfähigkeit | 78,53 |
| Erschöpfung, Müdigkeit | 76,96 |
| Mentale Erschöpfung | 76,44 |
| Orthostase | 76,44 |
Japanische Beobachtungsstudie
Eine 2026 publizierte multizentrische japanische Beobachtungsstudie klassifizierte – nach rückblickenden Angaben von ca. 280 Betroffenen über bis zu drei Jahre im Rahmen der ambulanten Nachsorge – die angegebenen Symptome in die Kategorien „allgemein“, „neurologisch“ und „muskulär / rheumatisch“ [18].
Im Beobachtungsverlauf kam es bei:
- 27 % der Patienten zu einer kompletten Rückbildung der Symptome
- 38 % zu einer teilweisen Rückbildung der Symptome
- Muskuloskelettale und rheumatologische Symptome zeigten die geringste Besserungstendenz (48 %)
Zusammenfassung der häufigsten Symptome
Zusammenfassend sind die häufigsten Symptome des Post-VAC-Syndroms:
- Fatigue (Müdigkeit / Erschöpfung)
- Sensomotorische Störungen (inklusive Parästhesien und Dysästhesien)
- Kopfschmerzen
- Kognitive Beeinträchtigungen („Gehirnnebel“ / Brain Fog)
- Schlafstörungen [2, 12]
Diese Symptome überschneiden sich häufig mit denen der ME / CFS und mit Dysautonomie-Syndromen und können bei Betroffenen über Monate hinweg anhalten [19].
Weitere häufig berichtete Symptome
- Allgemeines Krankheitsgefühl (Malaise)
- Muskelschmerzen
- Fieber oder subfebrile Temperaturen
- Leistungseinschränkungen [20]
Seltener auftretende Symptome
Neurologische Beschwerden wie:
- Muskelschwäche
- Vasomotorische Störungen
- Seh- oder Hörstörungen
werden ebenfalls beschrieben, treten jedoch seltener auf [21].
Psychische Symptome
Psychische Symptome wie depressive Verstimmung und Angstzustände können ebenfalls vorkommen, sind jedoch weniger spezifisch.
Diagnostik
In einer aktuellen Veröffentlichung des Paul Ehrlich-Institutes [22] wird zum Post-VAC-Syndrom ausgeführt, dass bisher weder eine klare diagnostische Definition noch ein gesicherter pathophysiologischer Nachweis einer Persistenz des Spike-Proteins und den Kausalzusammenhang mit der angeschuldigten Impfung nachgewiesen wurde.
Diagnostische Ansätze nach Havelhöhe
Eine Übersichtsarbeit aus dem Berliner anthroposophischen Krankenhaus Havelhöhe [23] fand Gemeinsamkeiten zwischen Long-COVID und Post-VAC-Syndrom in Form von:
- Erhöhten GPCR-Autoantikörpern
- Spike-Protein-Persistenz
- Markern eines mikrothrombotischen Verlaufes
und leitete daraus als diagnostische Verfahren ab:
- Die Bestimmung bioaktiver GPCR-Autoantikörper
- Den Nachweis einer Persistenz des Spike-Proteins
- Die Nagelfalz-Kapillarmikroskopie zum Nachweis von Mikrothromben
Diese Empfehlungen wurden nicht allgemein für die Diagnostik des Post-VAC-Syndroms akzeptiert.
Düsseldorfer Laborwert-Analyse
Eine Düsseldorfer Arbeitsgruppe veröffentlichte 2023 eine vergleichende Betrachtung von charakteristischen Laborwerten vor und nach SARS-CoV2-Impfung bei insgesamt 280 Probanden mit oder ohne Post-VAC-Syndrom [24].
Signifikante Unterschiede bei Post-VAC-Patienten betrafen:
- Verminderte Alpha-2B-adrenerge Rezeptor-Antikörper
- Erhöhtes Interleukin 6 (IL-6)
Aktueller diagnostischer Konsens
Aktuelle diagnostische Ansätze des Post-VAC-Syndroms stützen sich auf eine Kombination aus:
- Klinischem Kontext: Zeitpunkt des Symptombeginns im Verhältnis zur Impfung oder Infektion
- Symptomcharakterisierung
- Ausschluss alternativer Diagnosen[25]
Labordiagnostik
Laborbefunde wie erhöhte Entzündungsmarker (CRP, IL-6, D-Dimer, LDH, Leukozyten) werden mit Long-COVID assoziiert, sind unspezifisch und können auch beim Post-VAC-Syndrom auftreten.
Immunologische Profilanalysen identifizierten:
- Verstärkte humorale Reaktionen
- Veränderte Lymphozyten- / Myeloid-Populationen bei Long-COVID
Doch sind diese Befunde bislang nicht für die routinemäßige klinische Unterscheidung validiert.
Serologische Differenzierung
Serologische Tests können zwischen natürlicher Infektion und Impfung unterscheiden, indem sie Anti-Nukleokapsid-(N) im Vergleich zu Anti-Spike-(S)-Antikörpern messen:
- Persistierend hohe Anti-N-Titer sind mit Long-COVID assoziiert
- Anti-S-Titer allein wären als Folge der Impfung zu verstehen
Dieser Unterschied ist jedoch nur dann hilfreich, wenn die Infektions- oder Impfanamnese des Patienten unklar ist.
Zusammenfassung Diagnostik
Zusammenfassend ist ungeachtet der dargestellten monozentrischen Ergebnisse festzustellen, dass nach internationalem Konsens kein einzelner diagnostischer Biomarker oder Labortest zuverlässig in der Lage ist, das Post-VAC-Syndrom von Long-COVID zu unterscheiden.
Beide Erkrankungen weisen überlappende klinische Merkmale und pathophysiologische Mechanismen auf, darunter:
- Immundysregulation
- Persistierendes Spike-Protein
- Die Aktivierung inflammatorischer Signalwege wie des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems, des Kininogen-Kinin-Kallikrein-Systems und des Lektin-Komplementwegs [2, 16]
Die Differenzierung bleibt in erster Linie klinisch, wobei Laboruntersuchungen unterstützende, aber keine endgültigen Hinweise liefern. Weitere Forschung ist notwendig, um spezifische Biomarker für die Routineanwendung zu validieren.
Therapeutische Ansätze
Derzeit gibt es keine evidenzbasierten, krankheitsmodifizierenden Therapien, die speziell für die Behandlung des Post-VAC-Syndroms zugelassen sind. Das Management orientiert sich an Ansätzen, die bei vergleichbaren Erkrankungen wie Long-COVID, ME / CFS und Dysautonomie-Syndromen angewendet werden. Diese Strategien beruhen jedoch weiterhin auf empirischen Erfahrungen und werden bislang nicht durch randomisierte kontrollierte Studien in der Population mit Post-VAC-Syndrom gestützt [26].
Symptomatische und unterstützende Maßnahmen
Im Vordergrund stehen symptomatische und unterstützende Maßnahmen:
- Individuell angepasste, symptomorientierte Rehabilitation
- Strategien zur Energieeinsparung (wie Pacing und ein stufenweiser Wiedereinstieg in Aktivitäten)
- Multidisziplinärer Ansatz zur Behandlung von Fatigue, kognitiven Beeinträchtigungen und Funktionsstörungen des autonomen Nervensystems [2]
Gezielte Therapien bei spezifischen Syndromen
Bei Patientinnen und Patienten mit spezifischen syndromalen Ausprägungen (z. B. POTS, SFN, Autoimmunphänomene) können gezielte Therapien erwogen werden:
- Betablocker
- Immunmodulierende Wirkstoffe
- Kortikosteroide
Diese Empfehlungen basieren jedoch auf Fallberichten und Expertenmeinungen, nicht auf belastbaren klinischen Studiendaten.
Pharmakologische Wirkstoffe
Kein pharmakologischer Wirkstoff, einschließlich:
- Antiviraler Medikamente
- Immunmodulatoren
- Nahrungsergänzungsmittel
hat in kontrollierten Studien eine Wirksamkeit beim Post-VAC-Syndrom gezeigt.
Die meisten Symptome bessern sich mit der Zeit allmählich. Patientinnen und Patienten sollten hinsichtlich des ungewissen Verlaufs und des Fehlens gesicherter Therapien aufgeklärt werden.
Empfehlungen des G-BA
In einem Grundsatzpapier des gemeinsamen Bundesausschuss G-BA [27] wird zur Behandlung von Post-COVID-Syndrom und vergleichbaren Erkrankungen wie Post-VAC-Syndrom die zentrale Rolle einer ärztlichen Koordination betont.
Als Teile der symptomatischen Behandlung werden folgende medizinische Leistungen aufgeführt:
- Medizinische Rehabilitation
- Anordnung der Hilfeleistung anderer Personen
- Medikamente, Verbandsmaterial, Heil- und Hilfsmittel
- Krankentransporte
- Krankenhausbehandlung oder Behandlungen in Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen
- Digitale Gesundheitsanwendungen
- Häusliche Krankenpflege und außerklinische Intensivpflege
- Soziotherapie
- Falls angezeigt, spezialisierte ambulante Palliativversorgung
Zusammenfassung Therapie
Zusammenfassend wird zur Behandlung des Post-VAC-Syndroms eine supportive und symptomorientierte Therapie empfohlen. Evidenzbasierte prognostisch wirksame Behandlungen des Post-VAC-Syndroms sind bisher nicht vorhanden.
Ausblick
Das Phänomen Post-VAC-Syndrom wird bis jetzt nicht ausreichend verstanden und eingeordnet. Hinsichtlich Pathophysiologie, Diagnostik, Epidemiologie, regionaler Unterschiede und anderer Aspekte des Syndroms besteht nach weitgehender wissenschaftlicher Übereinstimmung weiterer Forschungsbedarf.
Bewertung medikamentöser Therapien
Eine Expertengruppe veröffentlichte 2024 im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) eine Bewertung verschiedener medikamentöser Therapieverfahren für Long-COVID [28]. Das Post-VAC-Syndrom wird in diesen Bewertungen nicht berücksichtigt.
Laufende Forschungsaktivitäten
Eine Arbeitsgruppe am Robert Koch-Institut führt seit Jahren regelmäßig aktualisierte Bewertungen von Therapieverfahren der akuten COVID-19-Erkrankung durch, ebenfalls ohne Berücksichtigung des Post-VAC-Syndroms [29].
Förderung durch das BMG
Vor diesem Hintergrund fördert das BMG Projekte der Versorgungsforschung zu Long-COVID und ähnlichen Erkrankungen ausdrücklich unter Einbeziehung des Post-VAC-Syndroms [22, 30].
Ziele dieser Projekte sind:
- Die Entwicklung valider und operationalisierbarer Falldefinitionen für Post-COVID-Syndrom bzw. Long-COVID und Post-VAC-Syndrom
- Die Identifikation und Analyse relevanter Risikofaktoren und Schutzfaktoren bei Long-COVID und dem Post-VAC-Syndrom
- Eine umfassende Beschreibung der epidemiologischen Situation von Long-COVID und des Post-VAC-Syndroms in Deutschland
Zusammenfassung
Das Post-VAC-Syndrom bezeichnet einen Symptomkomplex aus anhaltenden, multisystemischen Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Impfung. Typische Symptome umfassen:
- Fatigue
- Kognitive Beeinträchtigungen („Brain Fog“)
- Parästhesien
- Kopfschmerzen
- Autonome Funktionsstörungen
Diese können Wochen bis Monate persistieren und sich häufig mit Krankheitsbildern wie ME / CFS, POTS und Small-Fiber-Neuropathie überschneiden.
Die Pathophysiologie ist nicht abschließend geklärt; diskutiert werden:
- Spike-Protein-Persistenz
- Immunologische Dysregulation
- Die Aktivierung inflammatorischer Signalwege mit Überlappungen zu Long COVID
Eine international anerkannte Falldefinition und zuverlässige diagnostische Biomarker fehlen derzeit. Therapeutisch sind nur supportive Maßnahmen verfügbar. Weitere Forschung ist notwendig hinsichtlich Epidemiologie, Diagnostik und Behandlung.
Autor: Dr. med. Christoph Altmann
Facharzt für Innere Medizin Kardiologie, Rehabilitationswesen, Sozialmedizin
MVZ Cardiologicum Pirna und Dresden, Studienzentrum
Enderstraße 59, 01277 Dresden, Tel.: 0351–33944483
E-Mail: christoph.altmann@cardiologicum.cc
Literatur: mgo-medizin.de/literatur
Der Artikel ist in herzmedizin 4/2026 erschienen.





