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Adrenalin bei Anaphylaxie: Neue Studie zeigt Grenzen der Standardtherapie

: EpiPen Adrenalin-Autoinjektor 0,3 mg in transparenter Schutzhülle mit gelber Kappe

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Adrenalin bei Anaphylaxie: Neue Studie zeigt Grenzen der Standardtherapie

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: herzmedizin

Eine Studie der MedUni Wien liefert erstmals Placebo-kontrollierte Daten zur Wirkung von intramuskulärem Adrenalin auf den Histamin-bedingten Blutdruckabfall – mit ernüchternden Ergebnissen. Adrenalin bleibt dennoch die empfohlene Erstmaßnahme bei schwerer Anaphylaxie.

Wenn der Kreislauf kollabiert: Das Problem der Anaphylaxie

Eine Anaphylaxie ist eine schwere, potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktion, die durch Nahrungsmittel, Medikamente oder Insektenstiche ausgelöst werden kann. Zu den gefährlichsten Symptomen zählt der akute Blutdruckabfall: Botenstoffe wie Histamin weiten die Blutgefäße stark aus und können den Kreislauf in kürzester Zeit destabilisieren. Internationale Leitlinien empfehlen seit Jahren die intramuskuläre Gabe von Adrenalin – meist über sogenannte Autoinjektoren – als wichtigste Sofortmaßnahme. Die Evidenzbasis dafür stützte sich bislang jedoch vor allem auf klinische Erfahrung und Beobachtungsstudien.

Erstmals Placebo-kontrolliert: Das Studiendesign der MedUni Wien

Ein Forschungsteam um Matthias Weiss-Tessbach und Bernd Jilma von der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien hat diese Wissenslücke nun erstmals mit einer kontrollierten Studie adressiert. Da Placebo-kontrollierte Studien an Patienten mit akuter Anaphylaxie ethisch nicht vertretbar sind, entwickelten die Forschenden ein experimentelles Modell: Bei 20 gesunden Teilnehmenden wurde über eine 15-minütige intravenöse Histamin-Infusion ein kontrollierter Blutdruckabfall ausgelöst – auf Histaminspiegel, wie sie bei schwerer Anaphylaxie typischerweise auftreten. Fünf Minuten nach Infusionsbeginn erhielten die Teilnehmenden randomisiert entweder Adrenalin oder ein Placebo in die Oberschenkelmuskulatur. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Allergy veröffentlicht.

Ernüchternde Ergebnisse: Kaum Unterschied zu Placebo

Die Resultate überraschten: Lediglich bei fünf der 20 Teilnehmenden zeigte sich nach der Adrenalin-Injektion eine kurzfristige Verbesserung des Blutdrucks. Auch eine zweite Dosis führte zu keiner zuverlässigen Kreislaufstabilisierung. Der Unterschied zwischen Adrenalin- und Placebo-Gruppe fiel insgesamt sehr gering aus. „Die Ergebnisse zeigen, dass dieser nur durch einen einzigen Botenstoff verursachte Blutdruckabfall durch intramuskuläres Adrenalin nicht zuverlässig aufgehoben wird“, erklärt Erstautor Matthias Weiss-Tessbach.

Adrenalin bleibt erste Wahl – aber neue Therapien sind gefragt

Die Studienautoren betonen ausdrücklich, dass aus diesen Ergebnissen keine unmittelbaren Konsequenzen für die Behandlung von Patienten gezogen werden sollen. „Eine Anaphylaxie ist möglicherweise komplexer als das hier verwendete Modell“, so Studienleiter Bernd Jilma. „Adrenalin bleibt weiterhin die empfohlene Erstmaßnahme bei schweren allergischen Reaktionen.“ Die Studie unterstreicht jedoch den dringenden Bedarf an effektiveren Therapieoptionen – insbesondere an Wirkstoffen, die gezielt gegen Histamin vorgehen und den Kreislauf bei schwerer Anaphylaxie zuverlässiger stabilisieren können.

Originalpublikation: Weiss-Tessbach M et al. Effect of Intramuscular Adrenaline on Histamine-Induced Hypotension: A Randomised Placebo-Controlled Pilot Trial. Allergy 2026 Mar 2. doi: 10.1111/all.70277

Quelle: Pressemitteilung Medizinische Universität Wien

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