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Atriale Mitralklappeninsuffizienz: Neue Definitionsgrundlage aus Wien

Schematische Darstellung einer Echokardiographie mit Farbdoppler – Diagnostik bei Mitralklappeninsuffizienz

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Atriale Mitralklappeninsuffizienz: Neue Definitionsgrundlage aus Wien

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Herzklappen- und strukturelle Erkankungen

mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: herzmedizin

Eine aktuelle Studie der Medizinischen Universität Wien adressiert ein bislang ungelöstes Problem in der Herzklappenmedizin: Die atriale funktionelle Mitralklappeninsuffizienz (AfMR) wird international höchst uneinheitlich definiert – mit erheblichen Folgen für Diagnose, Schweregradbeurteilung und Therapieentscheidung. Die jetzt im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichten Ergebnisse liefern erstmals eine systematische wissenschaftliche Grundlage für eine einheitliche Definition der Erkrankung.

72 unterschiedliche Definitionen in der Literatur

Die AfMR ist seit einigen Jahren als eigenständige Form der funktionellen Mitralklappeninsuffizienz anerkannt – ein internationaler Konsens zur genauen Definition fehlt jedoch bis heute. Die Folgen dieser Unklarheit sind weitreichend: Je nach verwendeten Kriterien schwankt die Prävalenz der AfMR zwischen zwei und 62 % bei Patienten mit Herzklappenerkrankung.

Kardiologen der Universitätsklinik für Innere Medizin II der MedUni Wien gingen diesem Klärungsbedarf nun systematisch nach. Im Rahmen einer umfassenden Literaturanalyse identifizierten sie 72 unterschiedliche Definitionen der AfMR. Diese wurden anschließend mit den Daten von mehr als 10.500 Patienten abgeglichen, bei denen zwischen 2010 und 2020 eine echokardiographische Untersuchung durchgeführt worden war.

„Wir konnten zeigen, dass bereits kleine Unterschiede in den Diagnosekriterien zu erheblichen Unterschieden in der klinischen Einordnung führen“, erklärt Sophia Koschatko, Erstautorin der Studie. „Das betrifft nicht nur die Frage, wer überhaupt als AfMR-Patient gilt, sondern auch, welche morphologischen Veränderungen vorliegen und wie hoch das Sterberisiko ist.“

Linksatriale Dilatation als zentrales Merkmal

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Die strukturelle Vergrößerung des linken Vorhofs stellt das entscheidende Merkmal der AfMR dar. Das alleinige Vorliegen von Vorhofflimmern reicht hingegen nicht aus, um die Erkrankung verlässlich zu diagnostizieren.

Besondere prognostische Aussagekraft zeigte die Definition des American College of Cardiology, die zusätzlich Patienten mit eingeschränkter Klappenmobilität berücksichtigt.

Konsequenzen für Leitlinien und Therapieplanung

„Nur wenn klar definiert ist, welche Patienten tatsächlich eine atriale funktionelle Mitralklappeninsuffizienz haben, können wir Therapieentscheidungen gezielter treffen, interventionelle sowie chirurgische Verfahren präziser einsetzen und Studien besser vergleichen“, betont Philipp Bartko, Letztautor der Studie.

Die Ergebnisse haben damit unmittelbare Relevanz für die Weiterentwicklung internationaler Leitlinien und die individualisierte Behandlung von Patienten mit Herzklappenerkrankungen.

Originalpublikation: Koschatko S et al. Atrial Functional Mitral Regurgitation: Effect of Phenotype Definition on Classification, Valve Features, and Prognosis. J Am Coll Cardiol 2026. DOI: 10.1016/j.jacc.2026.01.057

Quelle: MedUni Wien, Juni 2026

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