Trotz klarer Leitlinienempfehlungen erreichen viele Patientinnen und Patienten ihren LDL-C-Zielwert nicht. Im Rahmen des Kongresses der European Society of Cardiology (ESC) 2026 diskutierten Expertinnen und Experten, wie eine frühe, risikoadaptierte Therapieintensivierung mit oralen Kombinationstherapien diese Lücke verkleinern kann.
Auf dem ESC-Kongress in München standen zwei Symposien im Mittelpunkt, die Daiichi Sankyo zum Lipidmanagement und zur kardiovaskulären Risikoreduktion ausgerichtet hatte. Die Vorträge zeigten: Das Wissen um Leitlinienempfehlungen ist vorhanden, doch in der Versorgung werden LDL-C-Zielwerte noch zu selten erreicht.
Risiko richtig einschätzen, Zielwert konsequent erreichen
Prof. Kausik K. Ray (London, UK) betonte, dass die korrekte Einschätzung des kardiovaskulären Risikos die Grundlage einer leitliniengerechten Therapieentscheidung ist. Darauf aufbauend solle der LDL-C-Zielwert konsequent erreicht werden, bei Bedarf mit einer Kombinationstherapie statt einer Monotherapie.
Die Praxis zeigt jedoch eine deutliche Lücke: Anhand der SANTORINI-Studie verdeutlichte Ray, dass das tatsächliche kardiovaskuläre Risiko von Patient:innen im Alltag häufig unterschätzt wird. Zudem setze man oft zunächst auf eine Statintherapie, obwohl die Zielwerte bei Patient:innen mit hohem oder sehr hohem Risiko vielfach nur mit lipidsenkenden Kombinationstherapien erreichbar seien.
Leitlinien stärken frühe Therapieintensivierung
Die 2025 aktualisierten Leitlinienempfehlungen der ESC und der EAS stärken den kombinierten Einsatz von Statinen und nicht-statinbasierten Optionen. Prof. Dr. François Mach (Genf), Erstautor der Leitlinie, hob hervor, dass die frühzeitige Kombination aus Statin und Ezetimib als sinnvoller erster Schritt zur schnelleren Zielwerterreichung gilt. Neu hinzugekommen ist für Bempedoinsäure:
- Klasse-I-Empfehlung (Evidenzgrad B) für Patient:innen, die keine Statine einnehmen wollen oder können
- Klasse-IIa-Empfehlung (Evidenzgrad C) als Add-on zu Statin mit oder ohne Ezetimib bei hohem oder sehr hohem kardiovaskulärem Risiko, um den LDL-C-Zielwert zu erreichen
Damit wird Bempedoinsäure leitliniengemäß sowohl als Alternative bei Statinintoleranz als auch als Add-on-Therapie empfohlen. Die Empfehlung basiert vor allem auf den Daten der kardiovaskulären Endpunktstudie CLEAR Outcomes.





