Kardiologie » Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

»

Cave: Herzinsuffizienz unter Pregabalin

Illustration des menschlichen Körpers mit hervorgehobenem Herz und Kreislaufsystem in blauer Darstellung.

Cave: Herzinsuffizienz unter Pregabalin

Aktuelles

Kardiologie

Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

2 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Das Antikonvulsivum Pregabalin erhöht bei älteren Menschen das Risiko für Herzinsuffizienz deutlich – das bestätigt nun eine große US-Studie. Besonders gefährdet sind Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen. Die Autoren raten, die gute Wirksamkeit von Pregabalin bei neuropathischen Schmerzen stets sorgfältig gegen das potenzielle Risiko abzuwägen.

Die Antikonvulsiva Gabapentin und Pregabalin, die bei vielen älteren Menschen zur Linderung neuropathischer Schmerzen eingesetzt werden, binden an die α2δ-Untereinheit neuronaler spannungsabhängiger Calciumkanäle und drosseln so die Freisetzung erregender Neurotransmitter. Wissenschaftler der Columbia University, New York, sind in einer retrospektiven Kohortenstudie dem Verdacht nachgegangen, dass aufgrund entsprechender kardialer Effekte möglicherweise ein erhöhtes Herzinsuffizienz-Risiko besteht. Dieser Verdacht hat sich bestätigt. Pregabalin, das eine höhere Bindungsaffinität zur α2δ-Untereinheit aufweist, war – im Vergleich zu Gabapentin – mit einem deutlich höheren Risiko verknüpft.

In der Studie wurden fast 250.000 Medicare-Versicherte zwischen 65 und 89 Jahren erfasst, die an chronischen, nicht tumor-bedingten Schmerzen litten. Eine Herzinsuffizienz in der Vorgeschichte galt als Ausschlusskriterium. 7.6 % der Patienten erhielten Pregabalin und 92,4 % Gabapentin.

Im Follow-up-Zeitraum, der 114.113 Patientenjahre umfasste, wurden insgesamt 1.470 Patienten wegen einer neu aufgetretenen Herzinsuffizienz stationär aufgenommen oder in der Notaufnahme versorgt. Unter Pregabalin lag die Herzinsuffizienz-Inzidenz bei 18,2 Fällen pro 1.000 Personenjahren im Vergleich zu 12,5 Fällen unter Gabapentin. Die adjustierte Hazard Ratio betrug 1,48. Daten aus dem ambulanten Bereich erhärten das höhere Risiko unter Pregabalin. Besonders gefährdet sind laut der Studie Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen. Die Autoren sprechen sich dafür aus, im individuellen Fall die unstrittig gute Wirkung von Pregabalin bei neuropathischen Schmerzen gegenüber möglichen Risiken sehr sorgfältig abzuwägen.

Quelle: Park EE et al. Initiation of Pregabalin vs Gabapentin and Development of Heart Failure. JAMA Netw Open 2025; 8(8): e2524451

Bilderquelle: © Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Ärztin oder Arzt in Schutzhandschuhen mit Klemmbrett, umgeben von Symbolen für Herzgesundheit, Medikation und Lebensstil

Zweite Therapiesäule bei Herzinsuffizienz mit HFpEF verbessert die Prognose

Aus der Industrie

Rund drei Millionen Patienten werden jährlich wegen Herzinsuffizienz behandelt, und etwa die Hälfte bis zwei Drittel davon haben eine oft übersehene HFpEF. Mit Finerenon steht nun neben SGLT2-Inhibitoren eine zweite Basistherapie zur Verfügung, die seit April 2026 zugelassen und in der ESC-Leitlinie mit Klasse IA empfohlen ist.

Kardiologie

Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

Beitrag lesen
Ältere Frau mit Impfpflaster am Oberarm hält rotes Herz mit Spritzensymbol als Symbol für Grippeimpfung und Herzschutz

Grippeimpfung schützt auch das Herz

Aktuelles

Die DGIM rät älteren und chronisch kranken Menschen, vor der Erkältungszeit ihren Impfstatus überprüfen zu lassen, denn die Grippeimpfung schützt nicht nur vor schweren Infektionen, sondern kann auch das Risiko für erneute Herzinfarkte senken.

Kardiologie

Prävention und Rehabilitation

Beitrag lesen
Stethoskop und Lupe neben Holzwürfeln mit „EF“ und Karte „Ejection Fraction“ auf blauem Grund

ESC-Leitlinie empfiehlt SGLT2-Inhibition über das EF-Spektrum hinweg

Aus der Industrie

Die neue ESC-Leitlinie zur Herzinsuffizienz vereinfacht die Einteilung nach Ejektionsfraktion. Für die medikamentöse Basistherapie zählt jedoch weniger die EF als die konsequente Optimierung der Behandlung über das gesamte EF-Spektrum.

Kardiologie

Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

Beitrag lesen