Kardiologie » Herzklappen- und strukturelle Erkankungen

»

Digitale Nachsorge bei Kunstherz: UKGM Marburg startet „Integrated LVAD Care”

Spendenübergabe für „Integrated LVAD Care" am UKGM Marburg – Förderverein übergibt 12.000-Euro-Scheck an Projektteam des Herzzentrums

Quelle: Frank Muth (Förderverein), Mareike Raul (ProCarement GmbH), Prof. Dr. Birgit Markus (UKGM), Andreas A. Schoenwandt (Förderverein), Dr. Styliani Syntila (UKGM), Sina Hübsch (studentische Hilfskraft), Peter Geisen (Patient), Dr. Tamer Ghazy (UKGM) und Dr. Sebastian Eckl (ProCarement GmbH) (v. l.) ©UKGM / Thomas Steiner

Digitale Nachsorge bei Kunstherz: UKGM Marburg startet „Integrated LVAD Care”

Aktuelles

Kardiologie

Herzklappen- und strukturelle Erkankungen

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Das Universitäre Herz- und Gefäßzentrum Marburg am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) entwickelt ein digital unterstütztes Versorgungskonzept für Patientinnen und Patienten mit einem Kunstherz-System (LVAD). Ziel ist eine engmaschige Begleitung vor und nach der Implantation – auch im häuslichen Umfeld. Der Förderverein des Universitären Herzzentrums Marburg unterstützt das Projekt mit 12.000 Euro.

Hintergrund: Leben mit dem Kunstherz

Ein LVAD (Left Ventricular Assist Device) ist ein mechanisches Herzunterstützungssystem, das bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz die linke Herzkammer entlastet. Es kann Symptome lindern und die Belastbarkeit verbessern – erfordert jedoch eine dauerhaft engmaschige Überwachung. Infektionen, Blutungen oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustands müssen frühzeitig erkannt und medizinisch eingeordnet werden.

Digitale Verbindung zwischen Klinik und Alltag

„Integrated LVAD Care” verbindet die hochspezialisierte Versorgung im Herzzentrum mit dem Alltag der Betroffenen zu Hause. Über eine digitale Anwendung dokumentieren die Patientinnen und Patienten bereits vor der Operation regelmäßig Werte wie Gewicht, Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung. Nach der Implantation kommen – je nach individueller Situation – Angaben zum Wundverlauf, zu Blutgerinnungswerten und zum LVAD-System hinzu.

Eine medizinische Hilfskraft sichtet die Daten strukturiert, erkennt Auffälligkeiten und bindet das Behandlungsteam gezielt ein. So entsteht eine verlässliche Verbindung zwischen stationärem Aufenthalt, ambulanter Nachsorge und dem Leben zu Hause.

„Ein LVAD ermöglicht ein Leben außerhalb der Klinik. Damit das sicher gelingt, müssen wir Veränderungen früh erkennen, ohne den Menschen mit App und Messwerten allein zu lassen. Digitale Begleitung macht unsere Expertise nicht unpersönlicher – sie macht sie im Alltag erreichbarer”, erklärt Prof. Dr. Birgit Markus, Projektleiterin und stellvertretende Klinikdirektorin am UKGM Marburg.

Versorgungsmodell für den ländlichen Raum

Das Projekt adressiert eine zentrale Versorgungsfrage: Wie kann hochspezialisierte Medizin Menschen auch dann zuverlässig begleiten, wenn sie weit entfernt vom spezialisierten Zentrum wohnen? Im ländlich geprägten Umfeld von Marburg sind längere Wege zur Klinik und begrenzte ambulante Ressourcen für viele Betroffene Realität.

„Integrated LVAD Care” greift damit Themen auf, die die Gesundheitsversorgung derzeit weit über Marburg hinaus prägen: sektorenübergreifende Zusammenarbeit, bedarfsgerechte Versorgung im ländlichen Raum und eine sinnvolle Nutzung digitaler Möglichkeiten.

Förderung und nächste Schritte

Die Fördermittel finanzieren für zwei Jahre eine medizinische Hilfskraft als zentrale Schnittstelle zwischen Patientinnen und Patienten und dem ärztlichen Team. Getragen wird das Projekt gemeinschaftlich von der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin sowie der Klinik für Thorakale Herz- und Gefäßchirurgie am Standort Marburg.

In einem nächsten Schritt soll das Versorgungskonzept wissenschaftlich evaluiert und gemeinsam mit Partnerzentren weiterentwickelt werden.

Quelle: Pressemitteilung Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM), Juni 2026

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Schematische Darstellung einer Echokardiographie mit Farbdoppler – Diagnostik bei Mitralklappeninsuffizienz

Atriale Mitralklappeninsuffizienz: Neue Definitionsgrundlage aus Wien

Aktuelles

Eine aktuelle Studie der Medizinischen Universität Wien adressiert ein bislang ungelöstes Problem in der Herzklappenmedizin: Die atriale funktionelle Mitralklappeninsuffizienz (AfMR) wird international höchst uneinheitlich definiert – mit erheblichen Folgen für ...

Kardiologie

Herzklappen- und strukturelle Erkankungen

Beitrag lesen
Arzt hält Trikuspidalklappenprothese und 3D-Herzmodell – Einsatz bei minimalinvasivem Klappenersatz

Trikuspidalklappe: Neue Perspektiven für Hochrisikopatienten

Fachbeitrag

Lange als „vergessene Klappe" vernachlässigt, rückt die Trikuspidalklappe nun in den therapeutischen Fokus: Ein interdisziplinäres Team aus Berlin und Rostock unter Leitung von Prof. Dr. Hüseyin Ince behandelte Patienten mit einer innovativen Klappenprothese minimalinvasiv – auch für schwer kranke Patienten ohne bisherige Therapieoption.

Kardiologie

Herzklappen- und strukturelle Erkankungen

Beitrag lesen
3D-Illustration von Antikörpern in Blautönen – symbolisiert den Einsatz von PCSK9-Antikörpern bei ASCVD

PCSK9-Antikörper reduzieren kardiovaskuläres Risiko bei ASCVD

Aus der Industrie

Bereits bei etablierter atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung – auch ohne vorangegangenes akutes Ereignis – kann eine frühzeitige Behandlung mit PCSK9-Antikörpern das Risiko schwerwiegender kardiovaskulärer Komplikationen deutlich senken. Das belegen aktuelle Studiendaten.

Kardiologie

Prävention und Rehabilitation

Beitrag lesen