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Exzellenzcluster LeiCeM: Metabolisches Syndrom und Herzinfarkt im Fokus

Prof. Dr. Ulrich Laufs (l.) und Prof. Dr. Holger Thiele (r.), Kardiologen im Exzellenzcluster LeiCeM Leipzig, verbinden Prävention und Akutversorgung kardiometabolischer Erkrankungen

Quelle: © Antje Gildemeister

Exzellenzcluster LeiCeM: Metabolisches Syndrom und Herzinfarkt im Fokus

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Erschienen in: herzmedizin

Im Leipziger Exzellenzcluster LeiCeM verbinden Prof. Dr. Ulrich Laufs und Prof. Dr. Holger Thiele Prävention und Akutversorgung zu einem integrierten kardiometabolischen Forschungsansatz. Ihr gemeinsames Ziel: Herzschäden durch metabolisches Syndrom früher erkennen und die akute Stoffwechselkrise beim kardiogenen Schock gezielter behandeln.

LeiCeM: Kardiologie trifft Stoffwechselforschung

Das Exzellenzcluster LeiCeM (Leipzig Center for Metabolism) bündelt am Universitätsklinikum Leipzig und am Herzzentrum Leipzig kardiovaskuläre und metabolische Forschung in einem strukturierten Netzwerk. Zwei Professoren stehen dabei exemplarisch für die komplementäre Ausrichtung des Clusters: Prof. Dr. Ulrich Laufs auf dem Gebiet der Prävention und Früherkennung kardiometabolischer Erkrankungen, Prof. Dr. Holger Thiele auf dem Gebiet der Akutversorgung beim kardiogenen Schock.

Ulrich Laufs: Prävention des metabolischen Herzschadens

Prof. Dr. Ulrich Laufs, Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig, untersucht im Rahmen von LeiCeM, wie das Zusammenspiel aus Diabetes mellitus, Adipositas, arterieller Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen – das sogenannte metabolische Syndrom – Herz und Gefäße langfristig schädigt. Viszerales Fettgewebe produziert proinflammatorische Mediatoren, erhöhte Blutzucker- und Lipidspiegel schädigen die Gefäßwände, und chronischer Bluthochdruck verstärkt den mechanischen Stress auf das vaskuläre Endothel. Die pathophysiologischen Prozesse verlaufen häufig über Jahre asymptomatisch.

Zur Früherkennung setzt das Leipziger Team auf moderne Bildgebungsverfahren: CT-basierte Koronaranalysen und intravaskulärer Ultraschall ermöglichen die Identifikation instabiler Plaques, die klinisch noch stumm sind, aber akute Ereignisse auslösen können.

ApoC3 und nicht-kodierende RNA als therapeutische Zielstrukturen

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Laufs liegt auf zellulären Mechanismen der Gefäßverkalkung. Im Fokus stehen nicht-kodierende RNA sowie Apolipoprotein C3 (ApoC3) – ein Protein, das Blutfette nicht nur erhöht, sondern auch vaskuläre Entzündungsreaktionen fördert und Gefäßwände destabilisiert. In Kooperation mit Partnern werden zielgerichtete Therapien entwickelt, die spezifisch in diesen Stoffwechselweg eingreifen – darunter RNA-basierte Ansätze, die eine selektive Hemmung pathologisch relevanter Proteine ermöglichen. Solche Strategien könnten insbesondere für Patienten relevant werden, die auf konventionelle lipidsenkende Medikamente nicht ausreichend ansprechen.

Die Forschungsarbeit wird durch das LeiCeM-Data-Center und die Leipzig Obesity BioBank unterstützt, die klinische und molekularbiologische Daten sowie Gewebeproben für translationale Fragestellungen bereitstellen. Parallel werden in klinischen Registern Fragen zu Medikamenten-Nebenwirkungen, interindividueller Therapieantwort und dem Einfluss körperlicher Aktivität auf das kardiovaskuläre System untersucht.

Holger Thiele: Akutversorgung beim kardiogenen Schock

Prof. Dr. Holger Thiele, Direktor der Klinik für Innere Medizin/Kardiologie am Herzzentrum Leipzig, erforscht die akute kardiometabolische Dysregulation beim kardiogenen Schock nach Myokardinfarkt. Der kardiogene Schock ist nicht allein ein hämodynamisches Versagen: Er löst eine systemische Stoffwechselentgleisung aus – mit Anstieg von Stresshormonen, Hyperglykämie, Laktatazidose und katabolem Muskelabbau. Bei Patienten mit vorbestehendem metabolischem Syndrom ist die Prognose zusätzlich erschwert, ein Phänomen, das unter dem Begriff des Adipositas-Paradoxons diskutiert wird.

Thieles Arbeitsgruppe entwickelt personalisierte Monitoring-Protokolle, die hämodynamische und metabolische Parameter in Echtzeit erfassen. Echtzeit-Laktatmessungen, KI-gestützte Biomarker-Analysen und Glukoseprognosemodelle sollen die Stoffwechselstabilisierung in der kritischen Phase optimieren. Darüber hinaus werden mechanische Kreislaufunterstützungssysteme sowie Ansätze zur Früherkennung von Hochrisikopatienten – unter anderem durch Fettsäureprofilanalysen bereits in der Rettungsstelle – erprobt.

Digitale Zwillinge und das Leipzig Shock-Net

Im LeiCeM-Data-Center werden Echtzeit-Patientendaten in digitale Zwillinge integriert, die eine simulationsbasierte Erprobung neuer Therapiekonzepte vor dem klinischen Einsatz ermöglichen. KI-gestützte Warnsysteme sollen Komplikationen erkennen, bevor sie klinisch manifest werden.

Die strategische Vision ist das Leipzig Shock-Net: ein integriertes Versorgungsnetzwerk aus Rettungsdiensten, spezialisierten Schockzentren und Forschungseinheiten. Eine Notfall-App soll Therapiemaßnahmen bereits präklinisch einleiten und Daten in Echtzeit in Forschungszentren übermitteln. Ergänzt wird das Konzept durch Studien zur personalisierten Ernährungstherapie nach Schock sowie epigenetische Analysen zur zellulären Stressanpassung.

Gemeinsame Perspektive: Herzgesundheit als Systemaufgabe

Die komplementären Forschungsansätze von Laufs und Thiele verdeutlichen das konzeptionelle Fundament von LeiCeM: Kardiovaskuläre Erkrankungen werden nicht isoliert als Herzerkrankungen verstanden, sondern als Ausdruck einer systemischen metabolischen Dysfunktion – vom frühen präventiven Eingriff bis zur akuten Notfallversorgung. Die Integration von präziser Risikoanalyse, molekularer Therapieentwicklung, KI-gestütztem Monitoring und vernetzter Datenforschung soll die Versorgung kardiometabolischer Patienten kurz- und langfristig verbessern.

Quelle: Universität Leipzig / LeiCeM, Juli 2026

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