Die pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH) ist eine schwerwiegende Erkrankung der Lungengefäße, die trotz erheblicher Fortschritte in Diagnostik und Therapie weiterhin als nicht heilbar gilt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über aktuelle und innovative Therapieansätze bei PAH. Neben den etablierten Behandlungsmethoden werden neue Medikamente wie der Aktivin-Signalweg-Inhibitor Sotatercept sowie weitere vielversprechende Substanzklassen vorgestellt. Erfahren Sie, wie moderne Therapiealgorithmen funktionieren und welche Perspektiven sich für eine krankheitsmodifizierende Behandlung ergeben.
Was ist pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH)?
Die pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH) ist eine progressive, lebenslimitierende Erkrankung der pulmonalen Gefäße, die unbehandelt zu Rechtsherzversagen und Tod führt. Trotz erheblicher Fortschritte in Diagnostik und Therapie bleibt die Prognose vieler Patienten eingeschränkt [1].
Klassische Therapieansätze
Die in den vergangenen Jahrzehnten etablierten Therapien zielten primär auf die drei klassischen Signalwege der PAH ab:
- Endothelin-Weg
- Stickstoffmonoxid-Weg
- Prostazyklinweg
Diese Therapien verbesserten Symptome, Belastbarkeit und Hämodynamik deutlich und führten zu einer Verlängerung des Überlebens; dennoch gilt die Erkrankung weiterhin als nicht heilbar [2].
Pathophysiologische Grundlagen neuer Therapien
Die Pathophysiologie der PAH ist komplex und umfasst:
- Endotheliale Dysfunktion
- Inflammatorische Prozesse
- Vaskuläre Proliferation
- Gestörte Signaltransduktion innerhalb des Bone Morphogenetic Protein (BMP)- und des Transforming Growth Factor Beta (TGF-β)-Signalwegs
Insbesondere Mutationen des BMPR2-Gens spielen bei vielen Formen der PAH eine zentrale Rolle [3].
Limitationen klassischer Therapien
Die klassischen Therapien beeinflussen überwiegend vasokonstriktorische Mechanismen, während die zugrunde liegende vaskuläre Remodellierung nur unzureichend adressiert wird. Moderne Therapieansätze zielen daher verstärkt auf antiproliferative und antifibrotische Prozesse der pulmonalen Gefäßwand ab.
Aktuelle Therapiealgorithmen der PAH
In den letzten Jahren hat sich das therapeutische Konzept der PAH grundlegend erweitert. Neue Medikamente adressieren erstmals direkt die der Erkrankung zugrunde liegenden pathobiologischen Mechanismen und gestörten Signalwege.
Insbesondere Aktivin-Signalweg-Inhibitoren sowie Tyrosinkinase-Inhibitoren stehen dabei im Fokus aktueller Forschung. Diese Entwicklungen eröffnen die Perspektive einer krankheitsmodifizierenden Therapie („disease modification“) und möglicherweise einer partiellen Remission der Erkrankung [2].
Risikostratifizierung und Kombinationstherapie
Die Therapie der PAH basiert weiterhin auf einer strukturierten Risikostratifizierung sowie einer konsequenten Kombinationstherapie [4–6].
Primäres Ziel der modernen PAH-Therapie:
- Erreichen und langfristiges Aufrechterhalten eines Niedrigrisikostatus
- Normalisierung oder zumindest Verbesserung der rechtsventrikulären Funktion
Die aktuelle Leitlinie der European Society of Cardiology und der European Respiratory Society [1] sowie die Empfehlungen des 7. Weltsymposiums zur pulmonalen Hypertonie (PH) [5], die von der Arbeitsgemeinschaft PH-DACH übersetzt und kommentiert wurden [4], betonen daher die Bedeutung eines engmaschigen risikoadaptierten Therapiekonzepts [5].





