Nach einem kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVI) unterscheiden sich die Zusammenhänge zwischen Herzschrittmacherstatus und Überleben bei Frauen und Männern. Eine Studie mit 1.114 Betroffenen legt nahe, geschlechtsspezifische Faktoren bei Risikobewertung und Nachsorge stärker zu berücksichtigen.
Ein Herzschrittmacher kann nach einem kathetergestützten Aortenklappenersatz notwendig werden, wenn der Eingriff die elektrische Erregungsleitung des Herzens beeinträchtigt. Welche Bedeutung der Schrittmacherstatus für die weitere Prognose hat, könnte sich bei Frauen und Männern unterscheiden. Darauf weist eine Studie eines Teams der Karl Landsteiner Privatuniversität (klu Krems) hin, die Überlebensdaten von mehr als 1.100 TAVI-Patientinnen und -Patienten ausgewertet hat.
Für die Untersuchung analysierten die Forschenden die Daten von 1.114 Personen, die zwischen 2016 und 2020 am Universitätsklinikum St. Pölten eine TAVI erhielten: 555 Frauen und 559 Männer. Verglichen wurden jeweils drei Gruppen – Menschen ohne Herzschrittmacher, mit einem bereits vor dem Eingriff vorhandenen Schrittmacher sowie mit einem innerhalb von 30 Tagen nach der TAVI neu eingesetzten Gerät. Betrachtet wurden die Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen und über einen Zeitraum von fünf Jahren.
Unterschiedliche Muster bei Frauen und Männern
Bei Frauen war ein nach der TAVI neu implantierter Herzschrittmacher mit einer ungünstigeren Überlebensrate in den ersten 30 Tagen verbunden. Schwere Blutungen traten bei ihnen signifikant häufiger auf als bei Männern. Auch Schlaganfälle, Herzbeuteltamponaden und Wiederbelebungen wurden bei Frauen zahlenmäßig häufiger beobachtet; für diese einzelnen Komplikationen erreichten die Unterschiede laut Mitteilung jedoch keine statistische Signifikanz. Nach fünf Jahren zeigte sich bei Frauen kein erkennbarer Zusammenhang zwischen dem Schrittmacherstatus und dem Überleben.
Bei Männern ergab sich nahezu ein umgekehrtes Bild: Kurzfristig unterschieden sich die Überlebensraten nicht nach Schrittmacherstatus. Langfristig hatten Männer, die bereits vor der TAVI einen Herzschrittmacher trugen, die ungünstigste Prognose. Der Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem weitere Risikofaktoren berücksichtigt worden waren. Die Forschenden betonen, dass ein bereits vorhandener Schrittmacher dabei wahrscheinlich eher auf eine weiter fortgeschrittene Herz-Kreislauf-Erkrankung hinweist und nicht als Ursache der höheren Sterblichkeit zu verstehen ist.
Auch bei der Häufigkeit vorbestehender Schrittmacher gab es einen Unterschied: Vor der TAVI trugen 7,0 % der Frauen und 14,5 % der Männer ein solches Gerät. Nach dem Eingriff benötigten ähnlich viele Frauen und Männer einen neuen Schrittmacher – 12,8 bzw. 14,7 %.
Bedeutung für Beratung und Nachsorge
Die Studienautorinnen und -autoren sehen in den Ergebnissen einen Hinweis darauf, geschlechtsspezifische Faktoren stärker in die Risikobewertung, die Beratung und die Nachsorge einzubeziehen. Das könnte zunehmend relevant werden, da TAVI nicht mehr ausschließlich bei sehr alten Menschen mit hohem Operationsrisiko eingesetzt wird, sondern auch für jüngere Patientengruppen an Bedeutung gewinnt.
Die Ergebnisse beschreiben Zusammenhänge und belegen nicht, dass ein Herzschrittmacher die beobachteten Unterschiede verursacht. Weitere Forschung kann dazu beitragen, die geschlechtsspezifischen Risiken nach TAVI genauer einzuordnen.
Originalpublikation: Veraar C et al. Pacemaker Status and 5-Year Mortality After TAVI: A Sex-Specific Analysis. Eur J Clin Invest 2026; 56:e 70242
Quelle: Karl Landsteiner Privatuniversität





