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Atrophiemuster bei Anti-IgLON5-Erkrankung

Atrophiemuster bei Anti-IgLON5-Erkrankung

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mgo medizin

Dr. Thomas M. Heim

Freier Journalist

3 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Die Anti-IgLON5-Erkrankung ist eine seltene Autoimmunenzephalitis mit heterogener phänotypischer Ausprägung und hoher Mortalität. Der Erkrankungsbeginn ist meist durch zunehmende Schlafstörungen, Bewegungsstörungen und bulbäre Symptome gekennzeichnet. Im weiteren Verlauf können unter anderem kognitive Defizite und neuromuskuläre Hyperexzitabilität hinzutreten. Eine internationale Studie, die beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vorgestellt worden ist, zeigte nun, dass sich die fortschreitende Hirnatrophie krankheitsspezifisch und im Einklang mit dem klinischen Phänotyp auf bestimmte Gehirnareale beschränkt.

Die Anti-IgLON5-Erkrankung wurde 2014 erstmals beschrieben [1]. Die neurodegenerative Krankheit ist gekennzeichnet durch die Bildung von Autoantikörpern gegen das neuronale Zelladhäsionsmolekül IgLON5, eine 85%-ige Assoziation mit HLA-DQB1*05:∼, was ein starker Hinweis auf einen autoimmunologischen Prozess ist, und eine Hirnstamm-betonte Tau-Pathologie. „Inzwischen wurde die Erkrankung bei über 200 Patientinnen und Patienten weltweit diagnostiziert,“ berichtete Selina Yogeshwar vom Cognitive Neurology Lab an der Charité, Universitätsmedizin Berlin.

Krankheitsspezifische Hirnatrophie erkannt

Yogeshwar ist Erstautorin einer kürzlich in Brain publizierten Studie [2], die zweifellos einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der Erkrankung leistete. Die Befunde und Verlaufsdaten 127 von Anti-IgLON5-Erkrankung Betroffener aus zwölf Ländern wurden in der Studie ausgewertet. Die Forschenden verwendeten dabei ein Maschinenlern-Tool, das die sehr heterogenen und oft niedrig aufgelösten klinischen MR-Bilder zuverlässig in hochaufgelöste, für subkortikale Segmentierung und 3D-Volumetrie geeignete 1 mm MPRAGE-Sequenzen konvertierte. „Dabei ist uns aufgefallen, dass das Volumen von Hypothalamus, Ncl. accumbens und Hirnstamm vermindert war,“ berichtete Yogeshwar. Das Hirnvolumen insgesamt war aber nicht reduziert. Das bedeute, so die Wissenschaftlerin, dass die Atrophie krankheitsspezifisch nur bestimmte Hirnareale betrifft.

Schleichende Progression

„Wir sahen in den betroffenen Hirnarealen – auch nach Altersadjustierung – eine Progression über die Zeit. Das heißt, wir haben es hier mit einem krankheitsspezifischen neurodegenerativen Geschehen zu tun,“ erklärte Yogeshwar. Die stärkste Progression der Atrophie habe man im Hirnstamm festgestellt. Dieser habe sich bereits in früheren Arbeiten als eine Art neuropathologisches Zentrum der Anti-IgLON5-Erkrankung erwiesen. Im Vergleich zu anderen Hirnabschnitten habe man dort die höchste Expression und Ablagerung von IgLON5, die höchste Tau-Last und die ausgeprägteste Atrophie gefunden.

„In unserer Studie konnten wir das Ausmaß, mit dem bestimmte Hirnareale von Atrophie betroffen waren, dem klinischen Phänotyp zuordnen,“ ergänzte Yogeshwar. So hatten Erkrankte mit Bewegungsstörungen eine ausgeprägtere Atrophie in Putamen, Ncl. caudatus und Pallidum. Bei kognitiven Defiziten waren Hippocampus und Thalamus stärker betroffen.

Dr. Thomas M. Heim

Quelle: Yogeshwar S. Vortrag: „Brain Atrophy Patterns in Anti-IgLON5 Disease“, Session: „Autoimmune Demenzformen und Anti-IgLON5-Erkrankung: an der Schnittstelle von Inflammation und Neurodegeneration“ am 12.11.2025 im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin

Literatur

  1. Sabater L et al. Lancet Neurol 2014; 13(6): 575-86
  2. Yogeshwar SM et al. Brain 2025: awaf256.

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