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Beginnt Parkinson in der Nase?

Beginnt Parkinson in der Nase?

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Erschienen in: neuro aktuell

Mehr als 80 Prozent der Menschen mit Parkinson-Krankheit leiden unter einem verminderten Geruchssinn, der oft schon Jahre vor dem Auftreten der typischen bewegungsbezogenen Symptome auftritt. Diesem Phänomen will nun ein internationaler Verbund von Forschern unter kanadischer Leitung, dem Forscher aus der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und den Vereinigten Staaten angehören, auf den Grund gehen. Das internationale Team hofft herauszufinden, ob die geruchsverarbeitenden Nerven, die das Innere der Nase mit dem Gehirn verbinden, bei der Entstehung der Parkinson-Krankheit eine Rolle spielen könnten. Ein Ziel der Verbundforschung ist es zu untersuchen, ob die Riechschleimhaut als Eintrittspforte für einen „Umwelttrigger“, wie z. B. für ein Virus, funktioniert und damit als mögliche Ursache für die Parkinson-Krankheit in Frage kommt.

Förderung des Projekts

Das internationale Verbundprojekt mit dem Titel „Olfactory Circuits: Alpha-Synuclein-Rich Neurons Respond to Environmental Triggers at the Origin of Parkinson Disease“ wird von Prof. Dr. Michael Schlossmacher von der Universität Ottawa, Kanada, koordiniert. Co-Projektleitungen haben Dr. Maxime Rousseaux, ebenfalls von der Universität Ottawa, Dr. Ben Arenkiel und Prof. Zhandong Liu vom Baylor College of Medicine, Houston, Texas, sowie aus der Universitätsmedizin Göttingen, Prof. Dr. Christine Stadelmann-Nessler, Institut für Neuropathologie, und Prof. Dr. Brit Mollenhauer, Klinik für Neurologie und Paracelsus-Elena-Klinik, Kassel. Gefördert wird das Vorhaben mit insgesamt 9 Millionen US-Dollar von der Aligning Science Across Parkinson’s Initiative (ASAP), einer Kooperationspartnerin der in den USA ansässigen Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Research (MJFF). Rund 2,4 Millionen US-Dollar davon fließen an die Wissenschaftler in Göttingen. Das Verbundprojekt ist am 1. November 2021 gestartet und läuft über einen Zeitraum von drei Jahren.

Erforschung der Riechschleimhaut bei Parkinson

Das internationale Team wird mögliche Zusammenhänge zwischen Umwelteinflüssen in der Nasenhöhle, Entzündungen, geruchsverarbeitenden Zentren im Gehirn und mit Parkinson zusammenhängenden Genen sowohl in Tiermodellen als auch bei Menschen untersuchen. Dabei werden neben der Riechschleimhaut auch Entzündungsvorgänge und Nervenzellschädigung entlang der Riechbahn sowie möglicherweise mit Parkinson im Zusammenhang stehende Gene in Tiermodellen und in menschlichen Gewebeproben untersucht. Insbesondere wird sich das Verbund-Team darauf konzentrieren, die Rolle des bei der Parkinsonerkrankung krankhaft verklumpten Eiweißes alpha-Synuklein im Riechepithel der Nase und im Riechhirn zu studieren.

„Wir werden die Hypothese testen, dass bestimmte Umweltauslöser, wie z. B. Viren, in der Lage sein könnten, eine Kettenreaktion in den geruchssensiblen Zellen in der Nase auszulösen, die zur Bildung von Klumpen eines Proteins namens alpha-Synuclein führt“, sagt Dr. Schlossmacher, der auch Direktor des Neurowissenschaftlichen Programms des Ottawa Hospitals und Professor am Institut für Gehirnforschung der Universität Ottawa ist. „Wir vermuten, dass sich dieser Prozess allmählich über die Verbindungen im gesamten Gehirn ausbreiten und so die Parkinson-Krankheit fördern könnte, insbesondere bei Menschen mit mehreren Risikofaktoren für die Erkrankung.“

Das internationale Team plant, systematisch die zellulären Mechanismen zu untersuchen, die ein möglicher Virusinfekt und eine dadurch ausgelöste Entzündung auf die alpha-Synuklein Aggregation im Bereich der Riechschleimhaut und entlang der Riechbahn haben, um mögliche Auslöser für die Parkinsonkrankheit zu finden.

Hoffnung auf neue diagnostische Tests

Hauptziel der Göttinger Wissenschaftlerinnen ist auch die Entwicklung eines einfachen diagnostischen Tests für die Parkinsonerkrankung aus Nasensekret oder einem Nasenabstrich. „Wenn Parkinson tatsächlich in der Nasenhöhle beginnt, könnten wir frühe Anzeichen der Krankheit im Nasensekret erkennen“, sagt Prof. Dr. Brit Mollenhauer. „Ein solcher flüssigkeitsbasierter Biomarker wäre von unschätzbarem Wert für die Diagnose und Überwachung der Parkinson-Krankheit sowie für klinische Studien zu neuen Therapien.“

„Mit dieser Förderung haben wir die einmalige Chance, gezielt sowohl neurodegenerative als auch infektiöse Erkrankungen, die das Riechsystem betreffen, zu untersuchen“, sagt Prof. Dr. Christine Stadelmann-Nessler. „Wir erwarten, dass eine vergleichende Untersuchung von zellulären Aktivierungsmustern, immunologischen Prozessen und Signalkaskaden bei diesen Erkrankungen gemeinsame Muster aufzeigt und therapeutische Zielmoleküle eröffnet. Dies wäre ein erster Schritt zu neuen und früh ansetzenden Therapien.“

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsmedizin Göttingen – Georg-August-Universität

Bilderquelle: © Design Cells – stock.adobe.com

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