E-Paper

Neurologie und Psychiatrie » Rare Diseases

»

Chorea Huntington: Neue Erkenntnisse zur Rolle der somatischen CAG-Expansion

Forscherin untersucht DNA

Chorea Huntington: Neue Erkenntnisse zur Rolle der somatischen CAG-Expansion

Aktuelles

Neurologie und Psychiatrie

Rare Diseases

2 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Die Huntington-Krankheit (HD) ist eine erblich bedingte neurodegenerative Erkrankung, bei der das Alter, in dem Symptome auftreten, stark von der Anzahl der aufeinanderfolgenden Wiederholungen der CAG-Sequenz im Huntington-Gen (HTT-Gen) abhängt. Jeder Mensch hat zwei Kopien des HTT-Gens, doch bei der Huntington-Krankheit ist eine der Kopien dieses Gens mutiert. Eine neue in Nature Medicine veröffentlichte Studie zeigt, dass die somatische Expansion der CAG-Wiederholung in den Körperzellen eine entscheidende Rolle bei der Neurodegeneration spielt, die mit HD einhergeht.

Die Forscher untersuchten 57 Personen mit einem vergrößerten HD-Gen (HDGE) und stellten fest, dass, obwohl keine signifikanten klinischen oder kognitiven Veränderungen im Vergleich zu Kontrollpersonen beobachtet wurden, frühzeitige neurodegenerative Prozesse im Liquor cerebrospinalis nachweisbar waren. Diese wurden durch erhöhte Werte des Neurofilament-Leichtproteins (NfL), einem Indikator für Nervenschäden, und verminderte Werte von Proenkephalin (PENK), einem Marker für den Zustand der striatalen Neuronen, angezeigt. Die longitudinale Zunahme der somatischen CAG-Wiederholung im Blut war dabei ein signifikanter Prädiktor für die spätere Atrophie des Nucleus caudatus und Putamens.

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der somatischen CAG-Expansion als Schlüsselfaktor für den Fortschritt der Huntington-Krankheit. Die Studie legt nahe, dass die Überwachung der somatischen Expansion und der damit verbundenen Biomarker wertvolle Einblicke in den Krankheitsverlauf bieten kann, noch bevor klinische Symptome auftreten. Diese Erkenntnisse könnten die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze vorantreiben, die darauf abzielen, die Expansion der CAG-Wiederholungen zu verlangsamen oder zu stoppen und so das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Durch ein besseres Verständnis der molekularen Mechanismen, die der Neurodegeneration zugrunde liegen, eröffnen sich neue Möglichkeiten für präventive Behandlungsstrategien, die das Leben von Patienten mit Huntington-Krankheit erheblich verbessern könnten.
 
Autorin: Julina Pletziger
Zur Originalstudie kommen Sie hier.

Bilderquelle: © Westend61

Weitere Beiträge zu diesem Thema

DPtV nimmt Stellung zu geplantem Suizid-Präventionsgesetz

Aktuelles

„Suizid ist bei zehn- bis unter 25-Jährigen die häufigste Todesursache. Im Durchschnitt sterben in Deutschland täglich 28 Menschen durch Suizid. Jeder zehnte bis zwölfte Mensch in Deutschland hat im Laufe seines Lebens Suizidgedanken.

Neurologie und Psychiatrie

Psychische Erkrankungen

Allgemeine Aspekte

Beitrag lesen

Membrantransporter als neue Ziele im Kampf gegen neuronale Erkrankungen

Aktuelles

Sie transportieren Nährstoffe, regulieren Botenstoffe wie Serotonin oder Dopamin und beeinflussen den Energiehaushalt des Gehirns: Spezielle Transportproteine in der Zellmembran, sogenannte Solute Carrier (SLCs), erfüllen viele lebenswichtige Aufgaben. Einige von ihnen sind seit Jahrzehnten Angriffspunkte erfolgreicher Medikamente, etwa gegen Depression oder Epilepsie.

Neurologie und Psychiatrie

Forschung

Beitrag lesen

Migräne bei Frau und Mann: Geschlechtsspezifische Unterschiede im Fokus

Aktuelles

Nicht jeder Kopf-schmerz erzählt dieselbe Geschichte. Besonders bei Migräne zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede – von der Symptomatik über die Krankheitslast bis hin zu möglichen Besonderheiten der Schmerzverarbeitung. Warum dieses Wissen für Diagnostik, Beratung und Behandlung relevant sein kann, war Thema eines Pressegesprächs mit dem Neurologen und Kopfschmerzexperten PD Dr. Charly Gaul.

Neurologie und Psychiatrie

Kopfschmerzerkrankungen

Beitrag lesen