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Die neue S3-Leitlinie Schizophrenie: Früherkennung und Frühintervention

Junge Patientin besucht Psychotherapeutin.

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Die neue S3-Leitlinie Schizophrenie: Früherkennung und Frühintervention

Fachbeitrag

Neurologie und Psychiatrie

Psychische Erkrankungen

Schizophrenie

mgb medizin Redaktion

Verlag

21 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Nach umfassender Überarbeitung und methodischer Weiterentwicklung der Version aus dem Jahr 2019 veröffentlichte die DGPPN am 15.10.2025 die vierte Version der S3-Leitlinie Schizophrenie [1], welche nun jährlich aktualisiert wird. Eine umfassende methodische Weiterentwicklung wurde im Rahmen des durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesauschuss (GBA) geförderten SIYSPHOS-Projekts realisiert [2]. Im Rahmen der Überprüfung und Neukonsentierung wurden Empfehlungen in der Pharmakotherapie, in psychotherapeutischen und psychosozialen Interventionen sowie in der Früherkennung von Ersterkrankungen aktualisiert. Neben weiteren Aktualisierungen wurde auch das Kapitel zur Diagnostik und Therapie bei Menschen mit erhöhtem Psychoserisiko überarbeitet. Dabei wurde die Therapieempfehlung differenziert und auf Grundlage einer aktuellen Netzwerk-Metaanalyse (NMA) teilweise abgeschwächt [3].


Erhöhtes Psychoserisiko und Früherkennung

Einer ersten psychotischen Episode geht in der Regel eine mehrjährige Prodromalphase voraus, in deren Verlauf sich ein klinisches Hochrisiko für Psychosen (CHR-p) entwickeln kann. Für die Diagnose eines CHR-p müssen folgende Kriterien erfüllt sein [4–6]: ein Alter zwischen 15 und 35 Jahren sowie mindestens eines der folgenden Ultra-High-Risk-(UHR) Kriterien und/oder prädiktive Basissymptome (z. B. kognitive Störungen, COGDIS): 1) kurzzeitige, begrenzte, intermittierende psychotische Symptome, 2) attenuierte psychotische Symptome oder 3) ein Funktionsabfall bei gleichzeitig bestehendem genetischem Risiko. Basissymptome werden mittels SPI-A/SPI-CY, UHR-Kriterien mittels SIPS/SOPS oder CAARMS erfasst [7]. Die Rückmeldung der Befunde erfolgt gemäß Empfehlung 125/126 unterstützend, nicht-stigmatisierend und risikobezogen, ohne vorzeitige Diagnosestellung [1].


Die Punktprävalenz von CHR-p liegt in der Allgemeinbevölkerung bei 2 %, in klinischen Populationen jedoch bei 19 % [8]. Reviews berichteten ein mittleres Alter von 21 Jahren bei Menschen mit CHR-p bzw. 16 Jahren, wenn man ausschließlich Jugendliche betrachtet, mit mehrheitlich männlichen Probanden (51–58 %) [9, 10]. Betroffene erlebten abgeschwächte psychotische Symptome bis zu über einem Jahr, bevor sie spezialisierte Hilfe in Anspruch nahmen [9]. Sie zeigten häufiger Substanzkonsum (33 % Tabak, 27 % Cannabis) oder psychische Komorbiditäten (41–46 % Depression, 15–31 % Angststörungen). Suizidgedanken (66 %) und selbstverletzendes Verhalten (49 %) waren ebenfalls häufig. Zudem zeigten sich deutliche Einbußen in Arbeit oder Ausbildung, sozialen Beziehungen und Lebensqualität, begleitet von neurobiologischen und kognitiven Veränderungen. Die Übergangsrate in eine Psychose liegt nach einem Jahr bei 15 %, 19 % nach zwei Jahren und 27 % nach vier Jahren [11]. Bei Jugendlichen mit CHR-p ist das Risiko insbesondere in den ersten zwei Jahren erhöht (20 % nach einem Jahr, 23 % nach zwei Jahren [10]). Ein erhöhtes Übergangsrisiko ist mit einer stärkeren Ausprägung abgeschwächter psychotischer und Negativsymptomatik sowie mit einem niedrigen Funktionsniveau assoziiert [9]. Auch wenn Menschen mit CHR-P nicht in die Psychose übergehen, weisen sie überwiegend eine hohe Komorbiditätsrate, Funktionseinschränkungen sowie eine reduzierte Lebensqualität auf, die auch bei ausbleibender Psychose fortbestehen [12–14]. Diese Befunde unterstreichen die Bedeutung der Früherkennung und -intervention.


Therapie bei Menschen mit erhöhtem Psychoserisiko

Während valide und reliable Instrumente zur Früherkennung von CHR-p vorliegen [7, 10], ist die aktuelle Studienlage hinsichtlich wirksamer Interventionen heterogen. Kognitive Verhaltenstherapie für Psychosen (CBTp) zeigte sich in der letzten paarweisen Metanalyse und auch der Metaanalyse, die der letzten Leitlinienempfehlung zu Grunde lag [15, 16] im Vergleich zu bedarfsorientierten Interventionen (NBI), einschließlich Standardbehandlung (TAU) oder unspezifischer Kontrollbedingungen nach sechs bis zu mehr als 24 Monaten nach Behandlungsende signifikant wirksamer in der Reduktion der Übergangsraten in eine manifeste Psychose. Zudem war CBTp mit einer stärkeren Reduktion attenuierter psychotischer Symptome nach zwölf und 24 Monaten assoziiert. Hinsichtlich des Funktionsniveaus, depressiver Symptomatik, Lebensqualität und subjektiver Belastung ergaben sich jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsansätzen.

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