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Ketogene Diät als Option bei therapierefraktärer Epilepsie in den ersten zwei Lebensjahren

Ketogene Diät als Option bei therapierefraktärer Epilepsie in den ersten zwei Lebensjahren

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Erschienen in: neuro aktuell

Nach den Ergebnissen einer randomisiert-kontrollierten Studie mit 136 an Epilepsie erkrankten Säuglingen und Kleinkindern im Alter von 1-24 Monaten ist eine ketogene Diät nach Versagen zweier medikamentöser Behandlungen genauso gut wie eine neuerliche Pharmakotherapie. Mit fünf und drei Krampfanfällen pro Tag in Woche 6-8 nach Therapiebeginn war die Anfallsfrequenz statistisch nicht unterschiedlich. Auch die Verträglichkeit beider Behandlungen war vergleichbar.

Epilepsien, die bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter entstehen, haben eine schlechte Prognose. Oft gelingt es nicht, die Anfälle unter Kontrolle zu bringen, und die neurologische Entwicklung ist häufig beeinträchtigt. Da es bereits Hinweise auf den möglichen Nutzen einer ketogenen Diät bei Epilepsie gab, gingen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer aktuellen britischen Phase-IV-Studie [1] der Frage nach, ob 1-24 Monate alte Kinder, die trotz Vorbehandlung mit mindestens zwei Medikamenten – Antiepileptika oder Kortikosteroide – weiter vier oder mehr Krampfanfälle pro Woche erlitten, eher von einer ketogenen Diät oder von einem weiteren Antiepileptikum profitierten. Die Basistherapie wurde während der Studie fortgesetzt, auch eine Notfallmedikation war erlaubt. Die Studie wurde wegen Rekrutierungsproblemen und Auslaufen der Finanzierung vorzeitig abgebrochen, so dass nicht alle Kinder, wie ursprünglich geplant, über ein Jahr nachbeobachtet werden konnten.

Verblindet waren nur die Untersuchenden. Insgesamt 78 Kinder mit unterschiedlichen Krampfleiden erhielten zusätzlich zu ihrer regulären Behandlung eine ketogene Diät mit einem Fett-zu-Kohlenhydrat/Protein-Verhältnis von 2:1 bis 4:1. Und 58 Kinder bekamen ein weiteres Medikament.

Von 61 und 47 Kindern lagen zu Woche 8 ausreichend Daten zur Auswertung vor. Primärer Endpunkt war die mediane tägliche Anfallszahl in Woche 6-8. Unter ketogener Diät waren es fünf und unter medikamentöser Behandlung drei am Tag, der Unterschied war nicht statistisch signifikant. Vor Therapieeinleitung waren es sieben und neun Anfälle pro Tag gewesen. Die Mehrzahl der Kinder, 59 % und 58 %, litten unter Spasmen, die zweithäufigste Krankheitsmanifestation waren fokale Anfälle mit 43 % und 42 %.

Bei den meisten Komponenten im „Infant and Toddler Quality of Life Questionnaire“ (ITQOL-97) ergab sich nach acht Wochen ein positiver Trend bei der Lebensqualität zugunsten der Diät-Gruppe. Zudem bewerteten Eltern und Erziehungsberechtigte die Gesundheit der Kinder in dieser Gruppe nach zwölf Monaten als besser im Vergleich zum Studienbeginn. Bei entwicklungsneurologischen Untersuchungen beobachteten die Forscher und Forscherinnen einen Trend zu stärkerer Aktivierung und Produktivität, weniger Ängstlichkeit und weniger Stimmungsbeeinträchtigungen.

Im gesamten Beobachtungszeitraum von zwölf Monaten hatten ähnlich viele Kinder in beiden Gruppen, 51 % und 45%, mindestens ein schweres unerwünschtes Ereignis. Meist waren dies Krampfanfälle. Drei Todesfälle in der Diätgruppe wurden als nicht behandlungsassoziiert gewertet.

Eine kohlenhydratarme, fettreiche ketogene Diät ahmt Stoffwechselprozesse im Hungerzustand nach, wo die Energiegewinnung über Fettsäureoxidation erfolgt. Als möglicher Wirkmechanismus bei Epilepsie wird unter anderem eine verbesserte neuronale Mitochondrienfunktion unter dem Einfluss mittelkettiger Fettsäuren diskutiert. Besonders bei Dekansäure konnten antiepileptische Wirkungen nachgewiesen werden. Die Ansprechrate von nahezu 40 % auf die Diät entspricht nach Angaben der Autorinnen und Autoren der in anderen Studien dieser Art

Literatur:

  1. Schoeler NE, Marston L, Lyons L et al. Classic ketogenic diet versus further antiseizure medicine in infants with drug-resistant epilepsy (KIWE): a UK, multicentre, open-label, randomised clinical trial. Lancet Neurol 2023 Dec; 22 (12): 1113-1124 https://www.thelancet.com/journals/laneur/article/PIIS1474-4422(23)00370-8/fulltext

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Bilderquelle: © iStock/dturphoto

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