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Neue Wege der Diagnostik: Dimensionale Diagnostik von Persönlichkeitspathologien

Neue Wege der Diagnostik: Dimensionale Diagnostik von Persönlichkeitspathologien

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Neurologie und Psychiatrie

Psychische Erkrankungen

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Erschienen in: neuro aktuell

Mit der ICD-11 (International Classification of Diseases) wird eine neue Klassifikation von Persönlichkeitsstörungen (PD) angestrebt, die eine globale Schweregradklassifizierung unter Angabe einzelner Merkmalsdomänen (Traits) ansetzt, auch um Stigmatisierungen zu vermeiden.

In der neuen Klassifikation wird zum Beispiel das Stabilitätskriterium aufgegeben und der Fokus vermehrt auf die Diagnose von dominanten maladaptiven Persönlichkeitsmerkmalen, wie zum Beispiel Dissozialität, Enthemmung, Anankasmus und Distanziertheit gesetzt, nannte Prof. Dr. med. Sabine Herpertz, Ärztliche Direktorin an der Klinik für Allgemeine Psychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Beeinträchtigungen im Funktionsniveau sind gegliedert in Bereiche, die das Selbst und den Umgang mit anderen betreffen. Das Ausmaß der Beeinträchtigungen wird leicht, mittelschwer und schwer klassifiziert. Die dimensionale Beurteilung trägt laut Herpertz inkrementell zur Vorhersage von psychosozialer Funktionsfähigkeit, kurzfristigem Risiko, vorgeschlagener Behandlungsintensität und geschätzter Prognose bei. Die klinische Nützlichkeit wurde als praktikabel und als weniger stigmatisierend eingestuft.

Die Selbstbeurteilung des Patienten mit Hilfe des PDS-ICD-11 (Personality Disorder Severity) kann ein brauchbares Instrument für eine erste Orientierung bieten. Für ein vollständiges Bild reiche die Selbsteinschätzung des Patienten allerdings nicht aus, gab die Expertin zu bedenken. Der Einsatz des PDS-ICD-11 sollte daher immer mit Interviews verknüpft werden. Um das Ausmaß von funktionellen Beeinträchtigungen innerhalb der Diagnostik richtig abzuschätzen, können die Angaben von engen Bezugspersonen ebenfalls sehr hilfreich sein, so die Erfahrung von Herpertz. Die korrekte Diagnose des Schweregrades ermöglicht spezifische Entscheidungen über die Auswahl und Reihenfolge der Behandlungsmodule. Auf der Grundlage des Schweregrads und prominenter Merkmalsdomänen soll eine maßgeschneiderte Behandlung angeboten werden.

Bis zur vollständigen Implementierung der ICD-11 wird es wohl noch zwei bis drei Jahre dauern. Bis dahin führt Herpertz in ihrer Sprechstunde ggf. eine „doppelte“ Diagnostik, zum Beispiel zur Erfassung der dominierenden Traits durch.

Dr. rer. nat. Christine Willen

Quelle: Wissenschaftliches Symposium „Ätiologie und Behandlung der Persönlichkeitsstörungen“ am 01.12.2023 im Rahmen des DGPPN-Kongresses in Berlin

Bildquelle: © zinkevych – stock.adobe.com

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