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Paradigmenwechsel bei der Parkinson-Erkrankung

Paradigmenwechsel bei der Parkinson-Erkrankung

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Erschienen in: neuro aktuell

Der Nachweis von fehlgefaltetem Alpha-Synuklein in Geweben und Liquor hat die Entwicklung neuer bildgebender Verfahren und fluider Biomarker zur biologischen Parkinson-Diagnostik befeuert. Kennzeichnend dafür ist die neue S2k-Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Parkinson-Erkrankung. Sie markiert den Wechsel des Krankheitskonzeptes von klinischen zur biologischen Definition, kündigte Prof. Günter Höglinger, München, auf der DGN-Jahrestagung 2023 an. Möglichweise, spekulierte Kongresspräsidentin Prof. Daniela Berg, Kiel, wird demnächst die Parkinson-Frühdiagnose mit einem einfachen Bluttest möglich sein.

Der technologische Fortschritt erlaubt die Erkennung der Parkinson-Erkrankung lange vor der klinischen Manifestation, so Höglinger, Koordinator der S2K-Leitlinie. Die biologisch orientierte Krankheitsdefinition will damit auch die Entwicklung neuroprotektiver Therapien fördern. Höglingers Arbeitsgruppe hat ihr Konzept in einer Publikation zusammengefasst, die im Januar 2024 in Lancet Neurology erscheinen wird.

Die S2k-Leitlinie gibt erstmals Empfehlungen zur humangenetischen Diagnostik und eine Neubewertung bildgebender und apparativer Zusatzuntersuchungen. Seeding-Assays erlauben heute den intra-vitam-Nachweis von Alpha-Synuklein, etwa aus neuronalen Vesikeln aus dem Blut von Parkinsonpatienten. Auch bei einigen Menschen mit Prodromalsymptomen ist laut Berg der Nachweis möglich. Seeding-Assays sind für High-Throughput-Analysen geeignet und haben gegenüber der Immunhistochemie (ICH) den Vorteil einer hohen Sensitivität und Spezifität – je nach Gewebe bis > 90%. Die ICH-Mikroskopie ist aufwendig, aber hochspezifisch (meist 100%) und erlaubt Aussagen über betroffene Nervenfasertypen, so Priv.-Doz. Dr. Kathrin Doppler; Würzburg.

Das Ultra-Hochfeld-MRT ist für Dr. Jennifer Faber, Bonn, mit einer Feldstärke ≥ 7 Tesla die „Bildgebung der Zukunft“ zur Darstellung infratentorieller Strukturen. Die höhere klinische Ausbeute erlaubt auch genauere Aussagen zur Neurodegeneration. Derzeit sind die neuen MRT-Sequenzen noch nicht für Praxis zugänglich. Bei weiter steigender Auflösung erscheinen aber sogar histologische MRT-Bilder möglich.

Dr. Alexander Kretzschmar, München

Quelle: Symposium „Die neue (molekulare) Sicht auf die Parkinson-Erkrankung  und fantastische Möglichkeiten der MRT-Bildgebung“; Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. am 8. November 2023 in Berlin. Veranstalter: Prof. Klaus Thiemann-Stiftung, Potsdam.

Dr. Alexander Kretzschmar

Quelle: Symposium der Thiemann-Stiftung: Die neue (molekulare) Sicht auf die Parkinson-Erkrankung und fantastische Möglichkeiten der MRT-Bildgebung am 08.11.2023 im Rahmen des 96. Kongresses der Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin

Bildquelle: © Gorodenkoff_stock.adobe.com

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