E-Paper

Neurologie und Psychiatrie » Neurointensiv- und Notfallmedizin » Schlaganfall

»

Schlaganfall-Prävention: Viele kennen ihr Risiko nicht

Schlaganfall-Prävention: Viele kennen ihr Risiko nicht

Aktuelles

Neurologie und Psychiatrie

Neurointensiv- und Notfallmedizin

Schlaganfall

2 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Viele Menschen haben ein Schlaganfall-Risiko, ohne es zu wissen. Das zeigt eine Untersuchungsreihe der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Unternehmen und Behörden. Richtig aufgeklärt könnten sie ihr Risiko deutlich senken. Mehr als 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutscher Unternehmen und Behörden nahmen am Risiko-Check der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe teil. Der Check der Stiftung berechnet das individuelle Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einen Schlaganfall. Viele Teilnehmende der Testreihe wiesen kritische Werte auf, ohne von ihrem Risiko zu wissen.

Bei 48 Prozent der Teilnehmenden wurden Blutdruckwerte ermittelt, die im Grenzbereich lagen oder schon behandlungsbedürftig waren. 45 Prozent zeigten kritische Cholesterinwerte. „Beim Cholesterin waren es häufig jüngere Frauen, die sonst unauffällig waren und von ihren Werten überrascht waren“, berichtet Nadine Hunting, Präventionsexpertin der Deutschen Schlaganfall-Hilfe.

Viele Risikofaktoren sind vererbbar. Ein hoher Cholesterinspiegel etwa kann genetisch bedingt sein. „Umso wichtiger ist es, Risikoträger zu identifizieren“, erklärt Hunting. „Mit der richtigen Behandlung und einer entsprechenden Anpassung des Lebensstils lassen sich selbst diese erblichen Faktoren teilweise ausgleichen.“ Das zeigt eine aktuelle Studie aus den USA.

Sieben Faktoren beachten

Eine Arbeitsgruppe um Professorin Myriam Fornage vom Health Science Center Houston veröffentlichte jetzt die Ergebnisse einer Langzeitbeobachtung von mehr als 11.000 Probanden. Dabei zeigte sich, dass viele Teilnehmende ihr Schlaganfall-Risiko trotz erblicher Vorbelastung durch einen entsprechenden Lebensstil deutlich senken konnten. Entscheidend dafür waren sieben beeinflussbare Faktoren: Gesamtcholesterin, Blutdruck, Blutzucker, körperliche Aktivität, Ernährung, Rauchen und das Gewicht. Richtig eingestellt, minimierten die Teilnehmenden den Effekt eines hohen genetischen Risikos und gewannen bis zu sechs Lebensjahre ohne Schlaganfall.

Wirksame Checks am Arbeitsplatz

„Deshalb machen wir uns stark für betriebliches Gesundheitsmanagement“, erklärt Nadine Hunting. „Gerade bei Untersuchungen am Arbeitsplatz entdecken wir häufig erstmals Risikoträger, die wir dann aufklären und vielleicht vor einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt bewahren.“

Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe bietet Unternehmen und anderen Organisationen ihren Risiko-Check an. Dabei erstellen Ärzte und Gesundheitsberater den Teilnehmenden individuelle Risikoprofile und beraten sie.

Originalpublikation:

Thomas et al. (2022). Polygenic Risk, Midlife Life’s Simple 7, and Lifetime Risk of Stroke Journal of the American Heart Association. 11:e025703. DOI: 10.1161/JAHA.122.025703.

Quelle: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Bilderquelle: © Drazen – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Biologisches Geschlecht und Epilepsie – Aktuelle Evidenz und klinische Relevanz

Fachbeitrag

Die Berücksichtigung des biologischen Geschlechts hat sich in vielen Bereichen der Medizin zu einem festen Bestandteil einer individualisierten Versorgung entwickelt. So wurden beispielsweise geschlechtsspezifische Tumorfrüherkennungsprogramme entwickelt, da sich Prävalenz und Spektrum verschiedener Tumorerkrankungen zwischen Männern und Frauen unterscheiden.

Neurologie und Psychiatrie

Epilepsie

Beitrag lesen
Person mit ausgepraegter Roete und Entzuendung im Gesicht als Beispiel dafuer, wo medizinische Notwendigkeit auf aesthetische Praezision trifft

Sjögren-Erkrankung: Eine missverstandene Krankheit

Aus der Industrie

Die Sjögren-Erkrankung wird häufig vor allem mit Sicca-Symptomen assoziiert. Doch die Realität der betroffenen Personen geht weit darüber hinaus: 66,3 % berichten über trockene Haut, 63,6 % über körperliche Fatigue und 39,1 % leiden unter Brain Fog oder mentaler Fatigue.

Neurologie und Psychiatrie

Chronisches Fatigue Syndrom

Beitrag lesen

Mit Magnetfeldern gegen Parkinson?

Aktuelles

Einem internationalen Team ist es gelungen, mit Hilfe eines Magnetfelds die Aktivität von tief im Schädel liegenden Hirnstrukturen gezielt zu beeinflussen.

Neurologie und Psychiatrie

Bewegungsstörungen

Parkinson-Krankheit

Beitrag lesen