E-Paper

Neurologie und Psychiatrie » Rare Diseases

»

Seltene Borna-Virus-Erkrankung früher erkennen

Seltene Borna-Virus-Erkrankung früher erkennen

Aktuelles

Neurologie und Psychiatrie

Rare Diseases

3 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Wissenschaftler und Ärzte der Universitätsmedizin Augsburg haben eine mögliche frühe diagnostische Methode zum Nachweis der seltenen Borna-Virus-Gehirnentzündung gefunden. Ihre Erkenntnisse wurden in der höchst renommierten medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht. Das Virus löst beim Menschen eine fast immer tödlich endende Gehirnentzündung aus und wird durch Feldspitzmäuse übertragen.

Das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) ist schon seit Langem als Erreger der Borna’schen Krankheit bei Pferden, Schafen und anderen Säugetieren in Mitteleuropa bekannt. Im Jahr 2018 wurde das Virus erstmalig als Ursache für schwere Gehirnentzündungen (Enzephalitis) beim Menschen nachgewiesen. Zwei bis sechs Menschen erkranken jährlich in Deutschland. In Bayern ist das Virus endemisch, es ist also dauerhaft hier heimisch.

„Erst kürzlich konnten wir bei einer 71-jährigen Patientin die schwierige Diagnose einer Borna-Enzephalitis stellen. Sie hatte sich aus voller Gesundheit heraus über mehrere Wochen hinweg kontinuierlich neurologisch verschlechtert und war letztendlich an den Folgen der schweren Gehirnentzündung verstorben“, erklärt Prof. Dr. Markus Naumann, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Augsburg. Zunächst waren alle Untersuchungen wie Kernspintomographien des Gehirns und ausführliche Labor- und Nervenwasseruntersuchungen völlig unauffällig verlaufen.

Früherer Nachweis der Gehirnentzündung gelungen

Die Wissenschaftler und Ärzte wandten dann ein nuklearmedizinisches Verfahren an, das normalerweise zur Diagnostik bei Tumorerkrankungen und Entzündungen dient: die 18Fluorodeoxyglucose Positronenemissionstomographie / Computertomographie (18F-FDG PET/CT). Damit stellten sie einen krankhaft veränderten Glukosestoffwechsel im Gehirn der Patientin fest. „Das ist bemerkenswert, weil diese Auffälligkeit sichtbar wurde, lange bevor wir mit wiederholten Kernspintomographien und einem Antikörpernachweis schließlich das Borna-Virus nachweisen konnten“, sagt Prof. Dr. Antonios Bayas. Er ist Leiter der Sektion Klinische Neuroimmunologie an der Klinik für Neurologie.

Mit der genauen Beschreibung dieses Falles im Fachjournal The Lancet wollen Bayas, Naumann und die weiteren beteiligten forschenden Ärzte und Ärztinnen weltweit darüber informieren, dass bei schweren Fällen einer Gehirnentzündung mit ungeklärter Ursache unbedingt auf eine Infektion mit dem Borna-Virus getestet werden sollte. „Das gilt vor allem, wenn man sich einem Risikogebiet befindet. Das 18F-FDG PET/CT kann hier sehr früh diagnostisch wegweisend sein“, sagt Bayas.

Was ist das Borna-Virus?

Laut Informationen des Robert-Koch-Instituts zeigen infizierte Patientinnen und Patienten anfangs Kopfschmerzen, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Bei allen bislang bekannten Erkrankungsfällen kam es anschließend zu neurologischen Symptomen, z. B. Verhaltensauffälligkeiten und Sprach- und Gangstörungen. Im weiteren Verlauf der Krankheit fallen die Menschen innerhalb weniger Tage oder Wochen ins Koma. Die Infektion verläuft fast immer tödlich. Eine spezifische Therapie gegen Bornavirus-Infektionen gibt es zum aktuellen Zeitpunkt nicht.

Übertragen wird die Krankheit durch Feldspitzmäuse: beim direkten Kontakt mit einem Tier oder seinen Ausscheidungen. Die Mäuse leben auf Brachgebieten, z.B. Straßenböschungen, Steinmauern oder unter Hecken, sind aber sehr scheu und nachtaktiv, so dass Begegnungen zwischen Feldspitzmaus und Mensch selten vorkommen. Andere Tiere, z. B. infizierte Pferde, Schafe und andere Säuger, gelten derzeit für Menschen als nicht-infektiös.

Quelle: Universität Augsburg

Bilderquelle: © meta – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

DPtV nimmt Stellung zu geplantem Suizid-Präventionsgesetz

Aktuelles

„Suizid ist bei zehn- bis unter 25-Jährigen die häufigste Todesursache. Im Durchschnitt sterben in Deutschland täglich 28 Menschen durch Suizid. Jeder zehnte bis zwölfte Mensch in Deutschland hat im Laufe seines Lebens Suizidgedanken.

Neurologie und Psychiatrie

Psychische Erkrankungen

Allgemeine Aspekte

Beitrag lesen

Membrantransporter als neue Ziele im Kampf gegen neuronale Erkrankungen

Aktuelles

Sie transportieren Nährstoffe, regulieren Botenstoffe wie Serotonin oder Dopamin und beeinflussen den Energiehaushalt des Gehirns: Spezielle Transportproteine in der Zellmembran, sogenannte Solute Carrier (SLCs), erfüllen viele lebenswichtige Aufgaben. Einige von ihnen sind seit Jahrzehnten Angriffspunkte erfolgreicher Medikamente, etwa gegen Depression oder Epilepsie.

Neurologie und Psychiatrie

Forschung

Beitrag lesen

Migräne bei Frau und Mann: Geschlechtsspezifische Unterschiede im Fokus

Aktuelles

Nicht jeder Kopf-schmerz erzählt dieselbe Geschichte. Besonders bei Migräne zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede – von der Symptomatik über die Krankheitslast bis hin zu möglichen Besonderheiten der Schmerzverarbeitung. Warum dieses Wissen für Diagnostik, Beratung und Behandlung relevant sein kann, war Thema eines Pressegesprächs mit dem Neurologen und Kopfschmerzexperten PD Dr. Charly Gaul.

Neurologie und Psychiatrie

Kopfschmerzerkrankungen

Beitrag lesen