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DGHO-Jahrestagung 2026: Gemeinsam für eine starke Patientenversorgung

Luftaufnahme von Wien

Quelle: © Calin Stan – stock.adobe.com

DGHO-Jahrestagung 2026: Gemeinsam für eine starke Patientenversorgung

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mgb medizin Redaktion

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Die Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie bot auch dieses Jahr eine Plattform, auf der aktuelle Entwicklungen in Onkologie und Hämatologie vorgestellt, kritisch eingeordnet und im Hinblick auf ihren Nutzen für die Patientenversorgung diskutiert wurden. Vom 9. bis 12. Oktober kamen in Wien dafür mehr als 6.600 Teilnehmende zur Jahrestagung zusammen.

Räume der Begegnung für eine optimale Patientenversorgung schaffen

„Medizin steht im Dienst des Menschen“, konstatierte Kongresspräsidentin Prof. Dr. med. Maike de Wit, Chefärztin der Klinik für Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin an den Vivantes Kliniken in Berlin-Neukölln und Berlin-Schöneberg, bei der Eröffnungsveranstaltung. „Dieser Dienst findet nicht in einem Vakuum statt, sondern in der Gesellschaft, in der wir leben.“ Die Medizin spiegele viele Entwicklungen der modernen Gesellschaft wider. Wissen wachse rasant, Spezialisierungen nähmen zu und innovative Technologien eröffneten immer neue Möglichkeiten. Gleichzeitig werde es anspruchsvoller, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und Zusammenhänge im Blick zu behalten. Dies gelte nicht nur für die reale, sondern zunehmend auch für die digitale Welt.

Auch die Hämatologie und Onkologie sei von dieser Dynamik geprägt. „Das sehen wir beispielsweise bei Entitäten in der Hämatologie oder molekularen Aberrationen von soliden Tumoren“, so de Wit. Diese Entwicklung sei Ausdruck großer wissenschaftlicher Fortschritte und ermögliche immer präzisere Diagnostik und Therapien. Zugleich stelle sie alle in der Versorgung von Patientinnen und Patienten Tätigen vor die Herausforderung, das Ganze im Blick zu behalten.

Hinzu kämen Spezialisierungen, etwa in der Molekularonkologie, Zelltherapie oder Immuntherapie. „Einerseits brauchen wir diese Detailtiefe, um Patientinnen und Patienten die bestmögliche Therapie zu bieten. Andererseits dürfen wir den Blick für den einzelnen Menschen nicht verlieren“, erklärte de Wit. Die Berücksichtigung medizinischer und sozialer Begleitumstände sowie die gemeinsame Abwägung von Behandlungsoptionen seien eine zentrale ärztliche Aufgabe. „Unsere Arbeit erfordert nicht nur spezialisiertes Fachwissen, sondern auch Empathie, Urteilsvermögen und die Bereitschaft, gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten Entscheidungen zu treffen.“ Ihr Appell: „Lassen Sie uns bewusst Räume schaffen, die über unsere eigenen Blasen hinausgehen. Räume, in denen wir uns begegnen, voneinander lernen und gemeinsam nach Lösungen suchen.“

Wissen und Erfahrungen teilen – Herausforderungen gemeinsam begegnen

Kongresspräsident Univ.-Prof. Dr. med. Dominik Wolf, Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin V (Hämatologie und Onkologie) der Medizinischen Universität Innsbruck, betonte die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den deutschen, österreichischen und schweizerischen Fachgesellschaften. Die starke Beteiligung von Expertinnen und Experten aus den drei Ländern sowie zahlreichen weiteren Staaten unterstreiche den Stellenwert der Jahrestagung als Plattform für wissenschaftlichen Austausch, klinische Zusammenarbeit und gesundheitspolitischen Dialog. „Gerade die enge Kooperation über Ländergrenzen hinweg ist entscheidend, um voneinander zu lernen, Innovationen schneller in die Patientenversorgung zu bringen und gemeinsame Antworten auf die Herausforderungen unseres Fachgebiets zu entwickeln“, so Wolf.

Wolf griff de Wits Gedanken auf: „Gerade in einer Zeit zunehmender Spezialisierung müssen wir bewusst Räume schaffen, in denen wir unser Wissen teilen und voneinander lernen. Nur gemeinsam werden wir die Aufgaben bewältigen können, die vor uns liegen – in der Patientenversorgung, in der Aus- und Weiterbildung und in unserer Verantwortung für die Gesellschaft.“ Krebsmedizin sei Teamarbeit, betonte Wolf: „Wir sind auf die hohe Kompetenz vieler Gesundheitsberufe angewiesen – von der Pflege über die Physiotherapie, Psychoonkologie und Sozialarbeit bis hin zur Palliativmedizin und vielen weiteren Bereichen. Nur gemeinsam können wir Patientinnen und Patienten die bestmögliche Betreuung bieten und einen Raum schaffen, in dem sie sich gut aufgehoben fühlen.“

Auch die Finanzierbarkeit der Gesundheitssysteme war Thema der Jahrestagung. Wolf verwies auf die beeindruckenden Fortschritte in Hämatologie und Onkologie: „Wir sehen heute Behandlungserfolge und Überlebensperspektiven, die vor zehn oder zwanzig Jahren kaum vorstellbar gewesen wären. Dieser Fortschritt ist eine große Chance für unsere Patientinnen und Patienten.“ Gleichzeitig stelle die Entwicklung die Gesundheitssysteme vor neue Herausforderungen. „Deshalb müssen wir gemeinsam Wege finden, wie innovative Therapien auch künftig allen Patientinnen und Patienten zugänglich bleiben können. Als Fachgesellschaften sind wir gefordert, unsere Expertise in Struktur- und Versorgungsfragen einzubringen und tragfähige Lösungen zu entwickeln. Dabei müssen wir Innovationen bewerten, Evidenz einordnen und ihren bestmöglichen Einsatz zum Nutzen der Patientinnen und Patienten unterstützen.“

Patientenversorgung im Dialog weiterentwickeln

„Wir stehen vor großen Herausforderungen“, bestätigte Prim. Univ.-Prof. Dr. med. Ewald Wöll, Präsident der OeGHO und Ärztlicher Direktor sowie Ärztlicher Leiter Innere Medizin des Krankenhauses St. Vinzenz in Zams. „Dazu gehören geopolitische Entwicklungen wie Arzneimittelengpässe ebenso wie die Personalsituation. Gleichzeitig steigt die Zahl der Patientinnen und Patienten, die wir versorgen.“

Umso wichtiger sei der konstruktive Dialog mit Politik und anderen Akteuren des Gesundheitswesens. In den vergangenen Jahren seien Kommunikationswege aufgebaut worden, die dazu beitragen, Probleme frühzeitig sichtbar zu machen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. „Ohne diesen Austausch und ohne unsere aktive Mitwirkung wird es nicht gehen“, so Wöll.

Als weitere Herausforderung nannte Wöll eine zunehmende Wissenschaftsskepsis in Teilen der Gesellschaft. Desinformation und digitale Echokammern erschwerten die Orientierung an wissenschaftlich fundierten Fakten. Gerade darin liege aus Sicht Wölls ein klarer Auftrag für die Fachgesellschaften: „Wir müssen Gesundheitskompetenz stärken, Prävention fördern und wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich vermitteln. Der zunehmenden Spezialisierung und den damit verbundenen Herausforderungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt können wir begegnen, indem wir zusammenrücken und den Dialog suchen.“ Die Jahrestagung habe gezeigt, wie wertvoll der Austausch über Fach-, Berufs- und Ländergrenzen hinweg für die Weiterentwicklung der Hämatologie und Onkologie sei.

Nachwuchs gewinnen, Karrierewege öffnen

Besonders freute sich Wolf über die rund 400 Studierenden, die an der Jahrestagung teilnahmen. „Der demografische Wandel stellt uns vor große Aufgaben. Einer steigenden Zahl von Patientinnen und Patienten steht ein zunehmender Fachkräftemangel gegenüber. Den wissenschaftlichen und ärztlichen Nachwuchs für das Fach zu begeistern, ist daher eine zentrale Aufgabe für uns alle.“

Medizin werde zunehmend weiblicher, so Wolf mit Blick auf den hohen Anteil von Kongressteilnehmerinnen. Diese Entwicklung spiegele sich in Führungspositionen allerdings noch nicht wider. „Wir müssen daran arbeiten, dass mehr Frauen Spitzenpositionen erreichen und Karrierewege besser mit unterschiedlichen Lebensmodellen vereinbar werden.“ Darin liege eine wichtige Voraussetzung, um qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen, zu fördern und langfristig für das Fach zu halten.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, 14. Oktober 2026

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