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Dr. Thomas Ettrich erhält Wissenschaftspreis der AIO

Dr. Thomas Ettrich erhält Wissenschaftspreis der AIO

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Pankreaskarzinom

4 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Der Bauchspeicheldrüsenkrebs, oder auch Pankreaskarzinom genannt, ist für seine aggressiven Eigenschaften und die begrenzten Behandlungsmöglichkeiten bekannt. Selbst bei einer erfolgreichen Operation und darauffolgenden Chemotherapie ergibt sich für Patienten eine hohe Rückfallrate und häufig eine nur kurze Überlebenszeit. Es besteht daher ein dringender Bedarf, neue Therapieansätze zu erforschen, um die Prognose zu verbessern. Die sogenannte NEONAX-Studie wurde von Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Ulm (UKU), und Dr. Thomas J. Ettrich, Oberarzt in derselben Klinik und Leiter des Schwerpunktes GI-Onkologie, geplant und geleitet. Sie liefert wichtige Erkenntnisse für die Behandlung und Prognose von betroffenen Patienten. Für diese wissenschaftliche Arbeit erhielt Dr. Thomas Ettrich nun den AIO-Wissenschaftspreis 2023. Die Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) wurde 1976 gegründet und ist heute mit mehr als 1.400 Mitglieder die größte Arbeitsgemeinschaft in der Deutschen Krebsgesellschaft.

Bedeutung der neoadjuvanten Chemotherapie unterstrichen

Die NEONAX-Studie umfasste 127 Patienten und untersuchte als erste Studie in Deutschland den Einfluss einer perioperativen Systemtherapie auf den Krankheitsverlauf beim operablen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Eine perioperative Systemtherapie bezeichnet hierbei die Anwendung von medikamentösen oder anderen Therapien vor, während und nach einer Operation, um das Überleben zu verlängern, das Risiko von Komplikationen zu reduzieren oder die Genesung zu verbessern. Die Hälfte der in der Studie eingeschlossenen Patienten erhielt eine zweimonatige präoperative Chemotherapie mit den Medikamenten Gemcitabin und nab-Paclitaxel, gefolgt von einer viermonatigen postoperativen Chemotherapie mit denselben Wirkstoffen. Die andere Hälfte der Teilnehmenden wurde sofort operiert und erhielt nach der Operation eine sechsmonatige Chemotherapie, ebenfalls mit Gemcitabin und nab-Paclitaxel.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die perioperative Systemtherapie sicher und gut verträglich ist, ohne die perioperativen Komplikationen relevant zu erhöhen. Außerdem erwiesen sich die Befürchtungen als unbegründet, dass die neoadjuvante Therapie, also eine Behandlung vor der Hauptbehandlung, wie beispielsweise einer Operation, zu einem Fortschreiten der Erkrankung während des Behandlungszeitraums vor der Operation führen könnte“, erklärt Professor Thomas Seufferlein. Tatsächlich erhöhe die neoadjuvante Therapie nicht wesentlich das Risiko, dass ein Tumor aufgrund eines Fortschreitens der Erkrankung nicht chirurgisch entfernt werden kann. Darüber hinaus steigere die neoadjuvante Systemtherapie sogar die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Tumorentfernung während der Operation.

Die bedeutendste Erkenntnis der Studie weist darauf hin, dass die Verabreichung einer Chemotherapie wahrscheinlich der wichtigste nicht-chirurgische Faktor zur Verbesserung des Überlebens von Patienten mit chirurgisch entfernbarem (respektablem) Pankreaskarzinom ist. „Die Ergebnisse zeigen, dass eine neoadjuvante Chemotherapie einfacher durchzuführen und besser verträglich ist als eine adjuvante Therapie, welche nach einer Operation durchgeführt wird“, sagt Dr. Thomas J. Ettrich. In der Gruppe, die die präoperative Chemotherapie erhielt (Arm A), schlossen 90 % der Patienten die zweimonatige Chemotherapie erfolgreich ab. Im Vergleich konnten nur 42 % der Patienten die Chemotherapie nach der Operation beginnen. Die Gründe für den Nichtbeginn einer adjuvanten Chemotherapie waren in erster Linie eine nicht vollständige Entfernung des Tumors während der Operation, das Voranschreiten der Erkrankung oder ein erneutes Auftreten der Erkrankung.

„Die NEONAX-Studie unterstreicht die Bedeutung einer präoperativen Chemotherapie bei der Mehrzahl der Patientinnen und Patienten mit resektablem Pankreaskarzinom. Sie legt nahe, dass eine adjuvante Therapie möglicherweise nur für bestimmte Untergruppen geeignet ist“, ergänzt Professor Thomas Seufferlein. Numerisch gesehen verbesserte die perioperative Behandlung das Gesamtüberleben der Patienten. „Dennoch sind weitere Studien notwendig, um die perioperativen und neoadjuvanten Behandlungsstrategien weiter zu evaluieren, insbesondere in Bezug auf die optimale Dauer und die Kombinationstherapie während des präoperativen Behandlungszeitraums. Aktuelle Studien sind bereits im Gange und in den kommenden Monaten werden weitere Ergebnisse erwartet. Über den AIO-Wissenschaftspreis für die NEONAX-Studie und die damit einhergehende Wertschätzung unserer Forschungsarbeit freue ich mich daher sehr“, betont Dr. Thomas J. Ettrich.

Zur NEONAX-Studie

Die NEONAX-Studie wurde an 22 deutschen Pankreaskarzinom-Zentren durchgeführt und prominent im Fachjournal „Annals of Oncology“ publiziert. Sie zeichnete sich besonders durch die enge Zusammenarbeit zwischen internistischen und chirurgischen Viszeralonkologen aus. Die Studie stellt einen wichtigen Baustein in der Therapie des resektablen Pankreaskarzinoms dar und bietet Hoffnung für Patienten mit dieser schweren Erkrankung. Die Ergebnisse können Ärzten und Wissenschaftlern dabei helfen, maßgeschneiderte Therapieansätze zu entwickeln, um die Überlebensaussichten und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Originalpublikation: Seufferlein T et al. Perioperative or only adjuvant gemcitabine plus nab-paclitaxel for resectable pancreatic cancer. Ann Oncol 2023; 34(1): 91–100

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Ulm

 Foto: Thomas Ecke, Berlin

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