Das aktuelle Update der ELN-Risikostratifikation ist dem vorhergehenden Stand sehr ähnlich. Es wurden einige wichtige Neuerungen eingeführt, die zu inkrementellen Veränderungen der Klassifikation führen. Es besteht ein Trend zu einer Vergrößerung der ungünstigen Risikogruppe. Insbesondere die Inklusion von Myelodysplasie-assoziierten Veränderungen als unabhängige Prädiktoren für ungünstiges Risiko bleibt umstritten, da mehrere Validierungen diese Annahme nicht bestätigen konnten. Einige andere Änderungen, wie z. B. die Reklassifikation von CEBPA-Mutationen, zeigten sich jedoch vorteilhaft und der weitere Stellenwert der Klassifikation als Standard zur Risikostratifizierung bleibt unbestritten. In Zukunft werden wohl immer komplexere Ansätze zur Risikostratifizierung der AML herangezogen werden. So spielen neben weiteren genetischen Aberrationen auch Interaktionen zwischen den Aberrationen sowie Veränderungen von Genexpression, Methylierung und Splicing eine biologische Rolle. Daneben sind auch inhärente Faktoren der Patienten zu berücksichtigen. Zuletzt ist auch eine Anpassung der Vorhersage gemäß Krankheitsverlauf, verabreichten Therapien und Ansprechen darauf wünschenswert. Daher ist sowohl eine weitere Überarbeitung der ELN-Klassifikation als auch die Weiterentwicklung und Etablierung komplexerer Prädiktionssysteme anzustreben.
Weitere Beiträge zu diesem Thema

Vom Mikroskop zur KI: Heidelberger Neuropathologie im Wandel
Nach fast 20 Jahren übergibt Professor Dr. Andreas von Deimling die Leitung der Neuropathologie des Universitätsklinikums Heidelberg an Professor Dr. Dr. Felix Sahm. Unter seiner Führung entwickelte die Abteilung neue molekulare Diagnoseverfahren, die die Hirntumordiagnostik weltweit veränderten. Heute zählt sie zu den international führenden Referenzzentren ihres Fachgebiets.

Krebsprävention: DKFZ und BIPS bündeln ihre vereinten Kräfte
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) möchten ihre Zusammenarbeit in der Krebsprävention deutlich ausbauen. Ein Memorandum of Understanding besiegelt erstmals die fünfjährige Partnerschaft ab September 2026. Erste Projekte zum risikoadaptierten Prostatakrebs-Screening starten bereits in diesem Jahr.

Öffentlicher Vortrag: Gender Data Gap bei Krebs
Männer und Frauen erkranken nicht nur unterschiedlich häufig an Krebs, sie sprechen oft auch unterschiedlich auf Therapien an. Dennoch werden geschlechtsspezifische Unterschiede in Forschung und klinischen Studien häufig unzureichend berücksichtigt.

