Forschende des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben erstmals systematisch ermittelt, wie IDH1-Mutationen akute myeloische Leukämien fördern – und warum sich IDH1- und IDH2-mutierte Leukämien trotz ähnlicher Mechanismen unterschiedlich entwickeln.
Mutationen in den Genen der Enzyme IDH1 und IDH2 gelten seit Jahren als wichtige molekulare Veränderungen bei akuten Leukämien. Lange wurde angenommen, dass beide Mutationen weitgehend ähnliche Krankheitsmechanismen auslösen. Forschende des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben nun erstmals systematisch entschlüsselt, wie IDH1-Mutationen zur Entstehung von Erkrankungen der blutbildenden Zellen und akuten Leukämien beitragen. Die Studie zeigt, dass IDH1- und IDH2-mutierte Leukämien trotz vieler Gemeinsamkeiten deutlich unterschiedliche Erkrankungen sind – ein Befund mit weitreichenden Konsequenzen für Diagnostik und Therapie. Entscheidend ist, dass beide Gene in unterschiedlichen Zelltypen der Blutbildung aktiv sind und Mutationen ihre krankheitsfördernden Effekte deshalb in verschiedenen Blutvorläuferzellen entfalten. Daniel Lipka, Seniorautor der Studie und Leiter der Sektion Translationale Krebsepigenomik am DKFZ und NCT Heidelberg, fasst zusammen: „Unsere Ergebnisse zeigen erstmals, warum IDH1- und IDH2-mutierte Leukämien unterschiedliche Erkrankungen sind und weshalb klinisch eingesetzte zielgerichtete Kombinationstherapien bei IDH1-mutierten Leukämien wirksam sein können.”
Reifungsblockade und neue Therapieansätze
Die Studie belegt, dass IDH1-Mutationen sowohl im Tiermodell als auch bei betroffenen Patient*innen die normale Reifung neutrophiler Granulozyten – infektionsabwehrender weißer Blutkörperchen – gezielt blockieren. Dieser charakteristische Verlust der Neutrophilen tritt bei IDH2-mutierter Leukämie nicht auf. Zudem zeigte sich, dass die alleinige pharmakologische Hemmung des mutierten IDH1-Enzyms nicht ausreicht, um die Reifungsblockade aufzuheben. Erst die Kombination mit einem Medikament zur Hemmung der DNA-Methylierung stellte die normale Reifung wieder her – ein wichtiger Hinweis für die Entwicklung zielgerichteter Kombinationstherapien.
Einfachere Diagnostik und Ausblick
Die Erkenntnisse sind auch für Länder mit eingeschränktem Zugang zu moderner molekularer Diagnostik relevant: Da IDH1-mutierte Leukämien häufig mit deutlich erniedrigten Neutrophilenzahlen einhergehen, könnten betroffene Patient*innen über eine einfache Blutuntersuchung identifiziert und gezielt auf entsprechende Mutationen untersucht werden. Dies würde eine ressourcenschonendere Diagnostik ermöglichen und den Zugang zu zielgerichteten Therapien erleichtern. Langfristig wollen die Forschenden weitere molekulare Prozesse untersuchen, die unabhängig von der eigentlichen Enzymaktivität der IDH1-Mutation zur Krankheitsentstehung beitragen – mit dem Ziel, neue Therapieansätze für frühe Vorstufen akuter Leukämien zu entwickeln und eine Krankheitsprogression zu verhindern.
Originalpublikation: Hakobyan M et al.: Mutant IDH1 blocks neutropoiesis by repressing myeloid progenitor programs; Blood; https://doi.org/10.1182/blood.2025031268
Quelle: Pressemitteilung des Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg vom 16.07.2026





