Onkologie » Hämatoonkologie » Leukämien und MDS

»

Proteinhemmung löst zelleigene Abwehr gegen Leukämie aus

Mikroskopische Ansicht von Blutzellen, die von akuter myeloischer Leukämie (AML) betroffen sind.

Quelle: © Pichitchai – stock.adobe.com

Proteinhemmung löst zelleigene Abwehr gegen Leukämie aus

Aktuelles

Onkologie

Hämatoonkologie

Leukämien und MDS

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Mainzer Forschende entdeckten, dass die Hemmung der Proteine p300 und CBP Leukämiezellen in einen „Grippe-Zustand“ versetzt und deren Zelltod auslösen kann. Interferon-alpha verstärkt diesen Effekt.

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine aggressive Form von Blutkrebs. Er entsteht, wenn sich im Knochenmark, wo die Blutzellen gebildet werden, Vorläuferzellen der Blutzellen unkontrolliert vermehren. Diese funktionsunfähigen Zellen verdrängen die gesunden Blutzellen, sodass ein Mangel an Blutkörperchen und Blutplättchen entsteht. Dadurch funktionieren der Sauerstofftransport, die Blutgerinnung und die Immunabwehr nur noch eingeschränkt.

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Daniel Sasca, Leiter der Personalisierten Hämatologie und Medizinischen Onkologie in der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, hat untersucht, wie sich die Hemmung der zwei Proteine p300 und CBP auf die Tumorzellen auswirkt. Diese beiden Proteine wirken wie Schaltzentralen und steuern, welche Gene in einer Zelle ein- und ausgeschaltet werden.

Bislang gingen Forschende davon aus, dass die Hemmung von p300 und CBP generell die Aktivität von Genen abschwächt. Die Ergebnisse der Studie „Inhibition of p300/CREBBP catalytic activity drives context-dependent transcriptional activation in AML“ zeigten jedoch das Gegenteil: In einem Teil der Krebszellen schaltete die Proteinhemmung bestimmte Abwehrprogramme ein. Das wiederum aktivierte Gene, die normalerweise in der Immunabwehr von Virusinfektionen involviert sind. Diese Immunantwort bewirkte, dass die Krebszellen ihr Wachstum einstellten, sich veränderten und schließlich abstarben. „Wir sehen hier eine Art Fehlalarm im Inneren der Krebszellen“, erklärt der Studienleiter Dr. Sasca. „Die Tumorzellen bekommen durch unsere Therapie eine schwere Grippe und gehen daran zugrunde.“

Diesen Effekt konnten die Forschenden sogar gezielt verstärken: In Kombination mit Interferon-alpha, einem körpereigenen Abwehrstoff gegen Viren und Tumore, reagierten die Krebszellen besonders empfindlich. Sowohl in Zellkulturen als auch in Tiermodellen wirkte die Kombinationstherapie deutlich stärker gegen die Leukämie.

Diesen Mechanismus untersuchten die Forschenden auf mehreren Ebenen der Genregulation gleichzeitig: von der Genaktivität über Proteinveränderungen bis zum DNA-Protein-Komplex. Dafür nutzen die Forschenden moderne biochemische Analysemethoden, wie Einzelzelluntersuchungen, Proteomanalysen und genetische Testverfahren. Das ermöglichte es den Wissenschaftler:innen, die Reaktion der Leukämiezellen auf die Hemmung von p300 und CBP aus mehreren Blickwinkeln gleichzeitig zu beobachten. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung könnten neue Perspektiven für die Behandlung der akuten myeloischen Leukämie eröffnen – in Form von neuen Kombinationstherapien, die die gezielte „Selbstabwehr“ der Krebszellen nutzt.

Die translational ausgerichtete Forschungsarbeit wird im Rahmen des Emmy-Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Als Teil des Sonderforschungsbereichs 1292 untersuchen Wissenschaftler:innen der Universitätsmedizin Mainz mit externen Kooperationspartnern in Frankfurt, Greifswald und Cambridge die Ursachen ineffizienter Immunantworten bei Tumoren und chronischen Infektionen mit dem Ziel, neue immuntherapeutischer Therapien zu entwickeln.

Originalpublikation: Meyerhöfer M, Zhou Y, Gallego-Crespo A, Shah V et al. Inhibition of p300/CREBBP catalytic activity drives context-dependent transcriptional activation in AML. Blood. 2026; blood.2025031924

Quelle: Pressemitteilung Universitätsmedizin Mainz

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Aerztin in Schutzkleidung und FFP2-Maske verabreicht einem jungen Patienten im Krankenhausbett eine Infusion mit genveraenderten Stammzellen

Erstmals erfolgreiche Behandlung mit CRISPR-Therapeutikum

Aktuelles

Der 19-jährige Mohammad ist der erste Patient mit Beta-Thalassämie, der im Zuge der Standardtherapie das auf der Genschere CRISPR basierende Medikament Exagamglogene Autotemcel erhalten hat. Das Medikament ist das erste zugelassene CRISPR-Therapeutikum.

Onkologie

Hämatologie

Beitrag lesen
Nahaufnahme eines schwarzen T-Shirts mit einer rosa Schleife auf der Brust einer Frau.

Brustkrebsmonat 2026: Bessere Behandlung und Versorgung

Aktuelles

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Die Versorgungsforschung wandelt sich durch neue Erkenntnisse und therapeutische Möglichkeiten dabei stetig.

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Mammakarzinom

Beitrag lesen
Forschungsteam aus sechs Personen steht im Freien vor einem Klinikgebaeude und laechelt in die Kamera, Symbolbild fuer eine Studie zum Einfluss des Darmmikrobioms auf die CAR-T-Zelltherapie

Darmbakterien beeinflussen die Krebstherapie mit CAR-T-Zellen

Aktuelles

Nicht alle Tumore sprechen gleich auf die CAR-T-Zelltherapie an. Eine Studie zeigt jetzt, dass vor allem die Stoffwechselprodukte des Darmmikobioms die Krebstherapie fördern oder hemmen können.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen