Onkologie » Sonstiges

»

T-Zellen stärken mit Urolithin A

Das Bild zeigt zwei Granatäpfel, als Symbolbild für das darin enthaltene Stoffwechselprodukt Urolithin A, das in einer aktuellen Forschungsarbeit zur Stärkung von T-Zellen eingesetzt wurde.

T-Zellen stärken mit Urolithin A

Aktuelles

Onkologie

Sonstiges

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Darmkrebs (kolorektales Karzinom) stellt weiterhin eine Krebserkrankung mit hoher Sterblichkeit in fortgeschrittenen Stadien dar. In den letzten Jahren konnten zahlreiche Forschungserkenntnisse die frühzeitige Diagnose und Therapie verbessern, wobei nicht alle Patientinnen und Patienten auf neuartige Therapieansätze ausreichend ansprechen. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Eigenschaft von Tumorerkrankungen die Immundysfunktion darstellt: Immunzellen, die eigentlich den Tumor bekämpfen sollen, werden durch das umliegende Gewebe des Tumors, das Tumormikromilieu, gezielt unterdrückt. Das Resultat: T-Zellen, die die natürliche Immunantwort unseres Körpers gegen Krebs darstellen, sind in ihrer Funktion eingeschränkt, sodass der Tumor unkontrolliert wachsen und sich verbreiten kann.

Das von Prof. Florian Greten vom Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie und von der Goethe-Universität geleitete Forschungsteam ist einer möglichen Lösung des Problems nun einen bedeutsamen Schritt nähergekommen. Die Forschenden zeigten, dass Urolithin A, ein Stoffwechselprodukt aus dem Granatapfel, in T-Zellen den Abbau ihrer „Kraftwerke“, der Mitochondrien, auslöst, die sogenannte Mitophagie. Gealterte und geschädigte Mitochondrien in den T-Zellen werden hierdurch entfernt und durch neue, funktionsfähige ersetzt. Dies verändert das genetische Programm der T-Zellen, die dadurch den Tumor besser bekämpfen. Die therapeutischen Möglichkeiten von Urolithin A haben die Forschenden auf zwei Wegen beweisen können: Zum einen kann Urolithin A im präklinischen Modell als Nahrungsmittel genutzt werden, was das Tumorwachstum einschränkt und sogar synergistisch mit bestehenden Medikamenten wirkt. Auf der anderen Seite können aber auch menschliche T-Zellen im Labor mit Urolithin A „verjüngt“ werden, woraufhin T-Gedächtnisstammzellen hergestellt werden können.

Dr. Dominic Denk, Arzt am Universitätsklinikum Frankfurt und Erstautor der Studie erläutert: „Unsere Erkenntnisse sind insbesondere spannend, weil nicht die Tumorzelle, sondern das Immunsystem, die natürliche Abwehr gegen Krebs, im Vordergrund steht. Hier fehlen in der Realität der Darmkrebspatienten noch verlässliche Therapieansätze. Durch die Verbesserung der Kombinationstherapie mit bestehenden Immuntherapien eröffnet die Studie direkte Möglichkeiten, in der Klinik weitere Anwendung zu finden. Wir hoffen, hiermit die Therapie von Darmkrebs, aber auch anderer Krebserkrankungen nachhaltig verbessern zu können.“

Aufbauend auf den Erkenntnissen aus dem Labor planen die Forschenden die erfolgreiche Zusammenarbeit fortzuführen: Die Anwendung von Urolithin A soll in nächsten Schritten zur Therapie von Personen mit Darmkrebs im Rahmen von klinischen Studien untersucht werden.

Prof. Greten, Direktor des Georg-Speyer-Hauses und Sprecher des Frankfurt Cancer Institutes (FCI), hebt die notwendige der Teamarbeit hervor: „Diese Arbeit beweist erneut, wie erfolgreich die interdisziplinär ausgerichteten Konzepte des FCI sind. Wir freuen uns sehr, dass wir nun rasch unsere Ergebnisse in die Klinik übertragen können und sehen mit Spannung den anstehenden klinischen Studien entgegen.“

Originalpublikation: Denk D et al. Expansion of T memory stem cells with superior antitumor immunity by Urolithin A-induced mitophagy. Immunity 2022; 56: 1–15

Quelle: Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Bilderquelle: © Goncharuk film – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Schwarzes Labormikroskop im Vordergrund, im Hintergrund arbeitet ein Wissenschaftler im weißen Kittel an einem Labortisch

Vom Mikroskop zur KI: Heidelberger Neuropathologie im Wandel

Aktuelles

Nach fast 20 Jahren übergibt Professor Dr. Andreas von Deimling die Leitung der Neuropathologie des Universitätsklinikums Heidelberg an Professor Dr. Dr. Felix Sahm. Unter seiner Führung entwickelte die Abteilung neue molekulare Diagnoseverfahren, die die Hirntumordiagnostik weltweit veränderten. Heute zählt sie zu den international führenden Referenzzentren ihres Fachgebiets.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Handschlag über einem Schreibtisch als Symbol für eine Kooperation

Krebsprävention: DKFZ und BIPS bündeln ihre vereinten Kräfte

Aktuelles

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) möchten ihre Zusammenarbeit in der Krebsprävention deutlich ausbauen. Ein Memorandum of Understanding besiegelt erstmals die fünfjährige Partnerschaft ab September 2026. Erste Projekte zum risikoadaptierten Prostatakrebs-Screening starten bereits in diesem Jahr.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Referent praesentiert Diagramme auf Leinwand vor Publikum bei Vortrag zu Gender Data Gap

Öffentlicher Vortrag: Gender Data Gap bei Krebs

Kongress

Männer und Frauen erkranken nicht nur unterschiedlich häufig an Krebs, sie sprechen oft auch unterschiedlich auf Therapien an. Dennoch werden geschlechtsspezifische Unterschiede in Forschung und klinischen Studien häufig unzureichend berücksichtigt.

Onkologie

Lungenkarzinom

Allgemeine Aspekte

Beitrag lesen