Onkologie » Hämatoonkologie » Leukämien und MDS

»

Umbruch bei der AML: Die Therapielandschaft sortiert sich neu

Wissenschaftliche Visualisierung von Blutzellen, die den Kontext der AML-Therapie und molekularen Charakterisierung illustriert.

Umbruch bei der AML: Die Therapielandschaft sortiert sich neu

Fachbeitrag

Onkologie

Hämatoonkologie

Leukämien und MDS

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Die positiven Ergebnisse der VIALE-A-Studie hatten nach langer Durststrecke eine gewisse Euphorie bei der AML-Therapie verbreitet. Die Ernüchterung ließ nach dem Scheitern der beiden vielversprechenden Substanzen Magrolimab und Sabatolimab in den entscheidenden Phase-III-Studien nicht lange auf sich warten. Nun haben die Menin-Inhibitoren ein neues Stimmungshoch ausgelöst. Zudem gewinnt die molekulare Charakterisierung der AML und die darauf abgestimmte Therapie immer mehr an Stellenwert. Die neuen Entwicklungen werden in nachfolgendem Artikel adressiert.

Status quo

Die Kombination aus den hypomethylierenden Substanzen (HMA) Azacitidin (AZA) bzw. Decitabin (DEC) und dem BCL2-Inhibitor Venetoclax (VEN) gilt mittlerweile als Goldstandard der Erstlinientherapie der akuten myeloischen Leukämie (AML) – mit Ausnahme der akuten Promyelozytenleukämie (APL) – bei Patienten, die für eine intensive Chemotherapie (CTx) nicht geeignet sind. Grundlage dafür sind die Daten der Phase-III-Studie VIALE-A, die eine composite komplette Remission (CRc) von 66,4 % vs. 28,3 % unter AZA-VEN vs. AZA sowie ein medianes Gesamtüberleben (mOS) von 14,7 Monaten vs. 9,6 Monaten zeigte [1]. Diese positiven Ergebnisse wurden in einem kürzlich publizierten Langzeit-Follow-up bestätigt [2]. Zudem wurden angesichts der zunehmenden Lebenserwartung in einer Post-hoc-Analyse die Effektivität und Sicherheit von AZA-VEN bei Patienten ≥ 75 Jahre untersucht [3]. Insgesamt 303 Patienten aus zwei Studien (M14-358, VIALE-A) wurden in die Analyse eingeschlossen. Im Vergleich zur Gesamtkohorte von VIALE-A zeigten sich bei Patienten ≥ 75 Jahre (stratifiziert nach Alter 75 –7 9 Jahre, 80 – 84 Jahre, ≥ 85 Jahre) keine Unterschiede im Ansprechen und in der Sicherheit.

Für CTx-ungeeignete Patienten, die eine AML mit Mutation im IDH1-Gen aufweisen, ist die Kombination aus AZA und dem IDH1-Inhibitor Ivosidenib (IVO) als Erstlinientherapie zugelassen. In der Phase-III-Studie AGILE hatten nach 24 Wochen Therapie 38 % der Patienten unter AZA-IVO eine CR erreicht vs. 11 % unter AZA; das mOS lag bei 24 Monaten unter der Kombinationstherapie vs. 7,9 Monaten unter der Monotherapie [4].

Die CTx-freien Regime AZA-VEN und AZA-IVO zeichnen sich durch hohe Effektivität bei gleichzeitig guter Verträglichkeit aus. Die Zulassung ist derzeit begrenzt auf Patienten, die für eine intensive CTx (basierend auf Cytarabin und einem Antrazyklin) nicht geeignet sind, d. h. vornehmlich ältere und multimorbide Patienten.

Bei jüngeren Patienten mit refraktärer / rezidivierter (r/r) AML hat sich AZA-VEN (außerhalb der Zulassung) schon seit Längerem als gute Therapieoption etabliert, oft sogar kurativ intendiert als überbrückende Therapie bis zur allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplanta – tion (HSZT). Mittlerweile gibt es zum Stellenwert von HMA-VEN in der Therapie der r/r AML eine robuste Datenlage. Beispielhaft aufgeführt werden dazu eine der ersten großen Auswertungen (n = 33) von Aldoss I et al. (2018), die eine Gesamtansprechrate (ORR) von 64 % (30 % CR) ergab, sowie eine neuere „Real-World“-Analyse (n = 57) von Angotzi F et al. (2024) mit einer ORR von 40,4 % (24,6 % CR) [5, 6]. Eine allogene HSZT wurde bei 14 % bzw. 23,9 % der Patienten durchgeführt.

Bildquelle: © cramedical – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Collage mit sechs jungen Forschenden in weissen Kitteln im Labor als Symbolbild fuer den von der Jose Carreras Leukaemie-Stiftung gefoerderten Forschungsnachwuchs

José Carreras Leukämie-Stiftung fördert vielfältig den Forschungsnachwuchs

Aktuelles

„Leukämie muss heilbar werden – immer und bei jedem. Dieses große Ziel unseres Stifters José Carreras erreichen wir nur über Forschung“, erklärt Dr. Ulrike Serini, Geschäftsführerin der José Carreras Leukämie-Stiftung.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Gruppenfoto des Psychoonkologischen Dienstes am Universitaetsklinikum Regensburg mit zehn Mitarbeitenden vor roter Fassade zum Jubilaeum 25 Jahre psychoonkologische Unterstuetzung

25 Jahre psychoonkologische Unterstützung für Patienten und Angehörige

Aktuelles

Seit 25 Jahren unterstützt der Psychoonkologische Dienst des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) Patienten und ihre Angehörigen dabei, mit Ängsten, Sorgen und den Veränderungen durch die Erkrankung umzugehen. Was 2001 ursprünglich nur durch die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung und die Leukämiehilfe Ostbayern finanzierten Stelle begann, ist heute ein fester Bestandteil der onkologischen Versorgung am UKR.

Onkologie

Psychologie

Psychoonkologie

Beitrag lesen
Fluoreszenzaufnahme von Krebszellen in Organoiden mit blau und pink angefaerbten Zellkernen als Symbolbild fuer die Entwicklung neuer Wirkstoffkombinationen gegen Leberkrebs

Neue Wirkstoffkombinationen erleichtern die Therapie von Leberkrebs

Aktuelles

Die Therapie von Leberkrebs erweist sich als schwierig, da sich die Tumoren von Patent*innen stark unterscheiden. Forschende haben jetzt mit Organoide von Tumoren mehr als 1600 Wirkstoffe getestet und entwickeln daraus neue Wirkstoffkombinationen.

Onkologie

Gastrointestinale Tumoren

Leberkarzinom

Beitrag lesen