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Pädiatrische Urolithiasis – eine Erkrankung mit zunehmender Relevanz?

Ultraschalluntersuchung des Abdomens bei einem Mädchen in Seitenlage auf einer Untersuchungsliege

Quelle: © Viacheslav Yakobchuk - stock.adobe.com

CME

Pädiatrische Urolithiasis – eine Erkrankung mit zunehmender Relevanz?

Fachbeitrag

Paediatrie

Urologie & Nephrologie

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: pädiatrische praxis

Die Urolithiasis im Kindes- und Jugendalter nimmt weltweit zu. Damit rücken Diagnostik, Therapie und Prävention bzw. Metaphylaxe dieser Erkrankung zunehmend in den klinischen Fokus. Dieser Übersichtsartikel beleuchtet aktuelle epidemiologische Entwicklungen, diagnostische Strategien und therapeutische Konzepte der pädiatrischen Urolithiasis.

Einleitung

Die Urolithiasis bei Kindern und Jugendlichen ist eine seltene, aber zunehmend relevante Erkrankung des Harntrakts, die durch die Bildung von Steinen in Niere, Harnleiter oder Blase gekennzeichnet ist.
In der europäischen Gesamtbevölkerung wird die Prävalenz der Urolithiasis zwischen 5 und 9 % beschrieben, wobei die Angaben zur Inzidenz sehr stark schwankend sind. Man kann davon ausgehen, dass bei Kindern diese Zahlen deutlich niedriger sind, und etwa 2–10% der Betroffenen unter 18 Jahre alt sind. Reusz zeigte allerdings 2020, dass in den letzten 25 Jahren ein stetiger jährlicher Anstieg von Steinepisoden in der pädiatrischen Population der USA zu verzeichnen war. Wie stark das Risiko für Steine innerhalb einer Population variiert bzw. sich innerhalb einer Population verändern kann, zeigt eine Studie aus Schweden. Im Rahmen dieser Studie wurde untersucht, wie sich das Risiko, eine Urolithiasis zu entwickeln, in Populationen, die nach Schweden eingewandert sind, in der ersten oder zweiten Generation verändert. So zeigte sich z. B. bei männlichen Erwachsenen, die aus asiatischen Ländern nach Schweden eingewandert sind, eine deutliche Reduktion der Risk Ratio in der zweiten Generation. Diese Daten unterstützen die Annahme, dass das Risiko, ein Steinleiden zu entwickeln, auch stark von der sozialen und geografischen Lebenssituation abhängt. Insgesamt gesehen ist von einem deutlichen Anstieg der Prävalenz pädiatrischer Urolithiasis auszugehen.

Zusammenfassung

Die pädiatrische Urolithiasis ist eine seltene, aber zunehmend relevante Erkrankung. Metabolische Ursachen (Hyperkalziurie, Hyperoxalurie, Hypocitraturie) spielen eine zentrale Rolle. Monogene tische Ursachen (z. B. Cystinurie, primäre Hyperoxalurie), anatomische Anomalien des Harntrakts sowie Infektionen der Harnwege gelten als weitere Risikofaktoren. Ernährung mit hohem Salz- und tierischem Eiweißanteil sowie unzureichende Flüssigkeitszufuhr erhöhen das Risiko zusätzlich. Klinisch präsentieren sich Betroffene mit kolikartigen Flankenschmerzen, Hämaturie, Übelkeit, Erbrechen oder rezidivierenden Harnwegsinfekten. Der Ultraschall gilt als Bildgebung der Wahl. Blut- und Harnanalysen zielen darauf ab, metabolische Störungen zu definieren. Eine Steinanalyse ist essenziell für die gezielte Therapie und Metaphylaxe. Kleine Steine werden vorwiegend konservativ behandelt, mit ausreichender Flüssigkeit, Analgesie und gegebenenfalls medikamentöser Unterstützung für die Steinpassage. Interventionelle Maßnahmen kommen bei größeren und obstruktiven Steinen zum Einsatz. Die Metaphylaxe besteht aus Flüssigkeitszufuhr, Ernährung und medikamentöser Therapie spezifischer Stoffwechselstörungen unter engmaschigen Kontrollen. Mit frühzeitiger Diagnostik, personalisierter Therapie und langfristiger Prävention ist die Prognose gut, während unbehandelte metabolische Ursachen zu chronischer Niereninsuffizienz führen können. Eine interdisziplinäre Betreuung ist entscheidend für eine gute Langzeitprognose.

Autor*innen: Dr. Lisa Daniel-Fischer, Univ. Prof. Dr. Klaus Arbeiter (Abteilung für pädiatrische Nephrologie und Gastroenterologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Wien)

Der Originalbeitrag zu diesem Thema wurde veröffentlicht in pädiatrische praxis 2026; 104 (3): 388–398.

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