Urologie » Tumoren der äußeren Genitalien » Hodentumoren

»

Hodenkrebs: Verbesserte Behandlung und Prognose

Hodenkrebs: Verbesserte Behandlung und Prognose

News

Urologie

Tumoren der äußeren Genitalien

Hodentumoren

4 MIN

Erschienen in: UroForum

Ein internationales Forschungskonsortium mit Beteiligung des Inselspitals, Universitätsspital Bern und der Universität Bern hat in einer umfangreichen Studie die bisherige Klassifikation von metastasierendem Hodenkrebs überprüft und angepasst (>>zur Publikation). Neue Indikatoren und eine wesentlich breitere Datenbasis erlaubten eine präzisere Klassifikation und gezieltere Behandlungen von Hodenkrebspatienten. Zudem zeigen die neuen Daten, dass sich die Prognose für Patienten mit metastasierendem Hodenkrebs in den letzten zwanzig Jahren deutlich verbessert hat.

Die bisherige Klassifikation von metastasierendem Hodenkrebs wurde geprüft und angepasst.

Hodenkrebs ist in Europa und den USA die häufigste Krebsart bei Männern unter 40 Jahren. Die nationale Statistik der Krebsliga gibt für die Schweiz 471 Neuerkrankungen und 12 Todesfälle an. Grundsätzlich sind die Aussichten für eine erfolgreiche Therapie von Hodenkrebs gut, insbesondere wenn die Diagnose früh gestellt werden kann. Auch wenn bereits Metastasen vorhanden sind, kann Hodenkrebs bei geeigneter Therapie in der Mehrzahl der Fälle erfolgreich behandelt werden.

Neue Klassifikation erlaubt noch gezieltere Behandlung

Die primäre Behandlung bei Hodenkrebs besteht in der Entfernung des befallenen Hodens. Häufig wird die Krankheit aber erst in einem Stadium entdeckt, in dem bereits Metastasen vorliegen. Dann ist nach dem primären chirurgischen Eingriff eine Folgebehandlung mit Medikamenten oder Bestrahlung notwendig. Nun wurden neue Daten ausgewertet, um eine detailliertere Klassifikation der metastasierten Krankheitsstadien vornehmen zu können. Das Ziel ist, Therapien noch gezielter zu planen und auszuführen. Prof. Dr. med. Jörg Beyer, Mitinitiator des Studienprojektes und Erstautor einer der beiden Publikationen des «IGCCCG Update Consortiums» schätzt: «In vielen Fällen können wir die Medikation möglicherweise etwas zurückhaltender anwenden. Zugleich haben wir eine erhöhte Sicherheit, dass uns keine aggressiven Erkrankungen entgehen. Der Patient profitiert so zweifach von der neuen Klassifikation: von geringerer Belastung durch die Chemotherapie und von mehr Sicherheit in Bezug auf das Ergebnis.»

Internationales Forschungskonsortium führt umfangreiche Studie durch

Die bisherigen Behandlungsrichtlinien stützten sich auf Erhebungen aus den Jahren 1975 bis 1990 mit insgesamt 5862 Patienten. Die neue Studie hat diese Ergebnisse mit neueren Daten aus den Jahren 1990 bis 2013 und einer grösseren Anzahl Patienten verglichen. Das Forschungskonsortium «International Germ-Cell Cancer Collaborative Group Update» (IGCCCG Update Consortium) untersuchte Daten aus 30 Zentren in 17 Ländern (Australien, Europa, Russland und Amerika). Die Studie schloss die Dokumentation von 12 149 Patienten mit metastasierendem Hodenkrebs ein. Ein besonderes Augenmerk wurde auf mögliche Kriterien gelegt, die zu einer verfeinerten Klassifizierung beitragen könnten.

Und noch eine gute Nachricht: Bessere Prognose für Hodenkrebspatienten

Beim Vergleich der neuen Studienergebnisse mit den älteren Daten hat sich gezeigt, dass sich die Prognose in allen Fällen deutlich verbessert hat. In der Klassifikation «gute Prognose» stieg das 5-Jahres-Überleben von 86 % auf neu 95 %. Und in der Gruppe mit einer «mittleren Prognose» stieg dieser Wert von 72 % auf 88 %. Am eindrucksvollsten war die Verbesserung in der Gruppe mit weit metastasierter Erkrankung und der schlechtesten Prognose. Dort stieg das 5-Jahres-Überleben von 48 % auf 67 %. Prof. Dr. med. Daniel Aebersold, Direktionsvorsitzender des UCI, Tumorzentrum Bern, stellt dazu fest: «Die Studie weist die Fortschritte der Krebstherapie in eindrücklicher Weise aus: In nur gut zwanzig Jahren ist es gelungen, die Aussichten auf ein langfristig tumorfreies Leben nach einer Erkrankung an Hodenkrebs erheblich zu verbessern.»

Ausblick

In einem nächsten Schritt wird es darum gehen, die Erkenntnisse des Konsortiums in Therapierichtlinien aufzunehmen und die Belastungen der Krebstherapie zu reduzieren. Weiter sind neue Ansätze bei der Behandlung von metastasierendem Hodenkrebs zu berücksichtigen, die derzeit etwa in einer SAKK-Studie untersucht werden und auf eine Kombination von Radio- und Chemotherapie zielen. Es ist davon auszugehen, dass die optimierten Therapien für Hodenkrebs in den kommenden Jahren zu einer weiter verbesserten Prognose bei gleichzeitig reduzierter Behandlungsintensität führen werden.

Quelle: Pressemitteilung Inselgruppe (>>zur Pressemitteilung)

Bildquelle:© skasknop – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Arzt im blauen Kittel mit verschraenkten Armen und Stethoskop im Klinikflur als Symbol fuer Arbeiten und Weiterbildung in einer Rehabilitationsklinik

Arbeiten und Weiterbildung in einer Rehabilitationsklinik

Fachartikel

Urologische Weiterbildung geht auch in der Reha: In rund 30 Rehakliniken mit uro(onko)logischem Schwerpunkt sind teils Weiterbildungszeiten (6–24 Monate) möglich. Der Alltag ist strukturierter als im Akuthaus, mit fitten Rehabilitanden, langen Aufnahme-/Entlassgesprächen und Fokus auf Sozialanamnese und Erwerbsfähigkeit. Diagnostik und Eingriffe sind begrenzt – dafür bleibt mehr Zeit für Kommunikation.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Über 25.000 Roboter-assistierte Prostataektomien freut sich das Gronauer OP-Team. © St. Antonius-Hospitals Gronau/Öffentlichkeitsarbeit/Unternehmenskommunikation

25.000 Roboter-assistierte Prostatektomien im St. Antonius-Hospital Gronau

News

Die Klinik für Urologie, Urologische Onkologie und Roboter-assistierte Chirurgie des St. Antonius-Hospitals Gronau berichtet über einen neuen Rekord. Mit 25.000. roboterassistierten radikalen Prostatektomie (RARP) zählt das Gronauer Zentrum zu den weltweit erfahrensten Einrichtungen für die operative Behandlung des Prostatakarzinoms mit dem da-Vinci-Operationssystem.

Urologie

Operative Urologie

Beitrag lesen
Sichtlich belasteter Mann sitzt am Bettrand und haelt den Kopf in den Haenden als Symbol fuer erektile Dysfunktion 2026 und neue Therapieoptionen

Erektile Dysfunktion 2026 – gibt es etwas Neues?

Fachartikel

Erektile Dysfunktion 2026: Wirklich Neues gibt es laut Überblick kaum – Standard bleiben PDE‑5‑Hemmer, ergänzt durch SKAT/SKIT und Vakuumhilfen. Die EAU‑Leitlinie 2026 betont die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung in der Diagnostik. ESWT, PRP, Stammzell‑/Gentherapie oder Botox gelten weiter als experimentell/allenfalls schwach empfohlen.

Urologie

Sexuelle Funktionsstörungen

Erektile Dysfunktion

Beitrag lesen