DGU-Vizepräsident Prof. Maurice Stephan Michel und DGU-Generalsekretär Prof. Maximilian Burger haben sich skeptisch über die Chancen der Aufnahme des risikoadaptierten PSA- und MRT-Screenings zur Früherkennung des Prostatakarzinoms geäußert. Nach dem negativen IQWIG-Vorbericht gehen beide Urologen nicht mehr von Veränderungen im Abschlussbericht aus.
Im Plenum „Urologie im Spannungsfeld“ stellte Prof. Michel enttäuscht fest, dass der Zwischenbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen die Erwartungen deutlich verfehlt. „Unsere Frage war: Kommen wir jetzt mit dem risikostratifizierten Algorithmus zu einer besseren Bewertung der Nutzen-Schaden-Bilanz. Jeder von uns würde diese Frage eindeutig bejahen, denn wir können die Mortalität des Prostatakarzinoms reduzieren und eine hohe Belastung der Männer kann bei sinnvoller Anwendung des Screenings vermieden werden“, unterstrich Michel im Plenum.
Klare Verbesserung der Datenevidenz
Der alte G-BA-Antrag basierte auf dem Konzept „PSA plus weitere Diagnostik plus Biopsie“, der aktuelle auf der PSA-Risikostratifikation durch Algorithmus und MRT-Diagnostik“. „Wir sind exakt auf die Kritikpunkte der ersten Nutzenbewertung von IQWIG und G-BA eingegangen. Wir konnten sehr gute Evidenz liefern. Hinsichtlich der Mortalitäts-Reduktion liegt nun auch ein Follow up der Daten vor. Die positiven Ergebnisse haben sich dabei weiter verbessert. Daten aus England zeigen klar, dass sich die Zahl der Überdiagnosen reduziert“, so Michel.
Die Strategie verfügt nun über definierte Altersgrenzen und risikoadaptierte Intervalle. Im Alter sieht die Strategie eine etwas stärkere Zurückhaltung vor. Dem IQWIG-Vorbericht konnte man entnehmen, dass das Institut trotz dieses risikoadaptierten Vorgehens keinen Beleg des Screenings im Gesamtnutzen sieht. Zum einen gebe es Daten der Senkung der Mortalitätsrate durch PSA-Screening, zum anderen gebe es die gute Evidenz für das risikoadaptierte Vorgehen. „Aber uns fehlt aus IQWIG-Sicht die Evidenz-Verknüpfung beider Elemente. Natürlich würde eine solche Kombinats-Evidenz voraussetzen, dass wir tatsächlich zeigen könnten, dass wir Mortalität senken und Überdiagnostik vermeiden“, betonte Michel.
Michel kritisiert „schwierige IQWIG-Betrachtung“
Frustration und Enttäuschung waren dem DGU-Vizepräsidenten deutlich anzumerken: „Ich finde, dass diese Betrachtung sehr schwierig nachzuvollziehen ist, weil ich eins und eins addieren kann und weiß, was herauskommt. Darin liegt für mich ein zentraler Widerspruch in dieser Bewertung. Ich kann das so nicht mittragen.“
Der heutige Status Quo im Gesundheitswesen sei, dass es immer weniger Mittel gebe. Insofern sei es eine Zeit der Beitragssatzbegrenzung. „Der Wegfall des Hautkrebs-Screenings ist ein Beispiel dafür, obwohl ich persönlich das immer ziemlich sinnvoll fand. Die Früherkennung war mal eine unbudgetierte Leistung und entwickelt sich nun aber immer mehr zu einer budgetierten Leistung“, bedauerte Michel.
Insgesamt zeigte sich Michel pessimistisch, dass man endlich eine Chancengleichheit herstellen könne. „In der Uroonkologie bedeutet das für mich, dass sich ein Mensch mit einem niedrigen Bildungsstatus und schlechten Deutsch-Kenntnissen eine Früherkennungsleistung mit guten Techniken leisten kann. Jetzt ist es eine Realität, dass er benachteiligt wird.“ Hoch gebildete Menschen nähmen diese Leistung eher in Anspruch und profitierten davon. Geringer gebildete Menschen erhielten diesen Zugang nicht und würden benachteiligt. „Das bedeutet auch Chancengleichheit.“ Für den 79. DGU-Kongress 2027 in Frankfurt haben Prof. Michel und Dr. Thomas Speck eine Online-Umfrage zur Chancengleichheit gestartet, die möglichst viele Urologinnen und Urologen digital ausfüllen sollen.
„Politik schafft keine Chancengleichheit“
Michels Fazit war pessimistisch: „Die Politik wird diese Chancengleichheit nicht schaffen. Wir werden kein GKV-basiertes Screening des Prostatakarzinoms bekommen. Wir werden die PSA-Untersuchung und das MRT nicht finanziert bekommen. DGU. Berufsverband und wir alle müssen nun zusammenstehen, um diese Chancengleichheit in der PCa-Früherkennung endlich zu erreichen.“
Im Kongress-Video von UroForum äußerte sich auch DGU-Generalsekretär Prof. Max Burger zur PCa-Früherkennung. Dabei schloss er sich Michels pessimistischer Einstellung an.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Franz-Günter Runkel, Chefreporter UroForum





