Warum gelingt es dem Darm bei chronischen Entzündungen nicht, seine Energieversorgung wiederherzustellen? Dieser Frage gingen Forscher aus Kiel und den USA gemeinsam nach. Was sie herausfanden, war überraschend: Sie identifizierten einen Stoffwechselengpass, der zur Aufrechterhaltung chronischer Darmentzündungen beiträgt. Die Entzündung blockiert ausgerechnet einen relevanten Stoffwechselweg, der die Darmschleimhaut mit Energie versorgen soll. Im Fokus dabei: der Energieträger Nicotinamidadenindinukleotid, NAD⁺. Gerade die Darmschleimhaut ist auf eine konstante Versorgung mit NAD⁺ angewiesen. Sie gehört zu den aktivsten Geweben des Körpers und muss sich ständig erneuern, gerade unter Entzündungsbedingungen. Wie die Forscher herausfanden, ist dieser Prozess bei chronischen Entzündungen blockiert. Verantwortlich ist das Enzym Chinolinat-Phosphoribosyltransferase (QPRT). Es katalysiert einen der letzten Schritte zur Bildung von NAD⁺. Während aktiver Entzündungen wird die Produktion dieses Enzyms heruntergefahren. Folge: Ein Zwischenprodukt des Stoffwechselwegs, die Quinolinsäure (QA), reichert sich an, die Bildung von NAD⁺ bleibt aus. Es kommt zu einem Engpass in der Energieversorgung der Darmschleimhaut, deren Regeneration dadurch erschwert ist – letztendlich ausgelöst von der Entzündung selbst.
Originalpublikation: Wehkamp L et al. Journal of Crohn’s and Colitis 2026; 20. https://doi.org/10.1093/ecco-jcc/jjag043
Quelle: Pressemitteilung Exzellenzcluster PMI – Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen





