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Migräne: Wie viel Präzisionsmedizin ist heute möglich?

Kopfschmerz, Migräne

Migräne: Wie viel Präzisionsmedizin ist heute möglich?

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mgb medizin Redaktion

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2 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Neue Wirkstoffe verbessern die Behandlung. Biomarker sind jedoch noch nicht so weit, dass sie die passende Therapie vorhersagen. Kopfschmerzexperte Robert Fleischmann ordnet ein, was heute möglich ist und was fehlt.


Migräne beeinträchtigt Beruf, Familienleben und soziale Teilhabe. In Deutschland erfüllen rund 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer die Migränekriterien. Im berufstätigen Alter sind 25 bis 30 Prozent der Frauen betroffen.


CGRP-Antikörper und Gepante

Neue Therapien können die Krankheitslast erheblich mindern. CGRP-Antikörper und Gepante hemmen den Botenstoff CGRP, der an der Entstehung von Migräneschmerz beteiligt ist. In direkten Vergleichsstudien waren der CGRP-Rezeptorantikörper Erenumab und das Gepant Atogepant der klassischen Prophylaxe mit Topiramat überlegen. Unter Erenumab erreichten 55,4 Prozent der Betroffenen in den letzten drei Monaten einer sechsmonatigen Behandlung mindestens eine Halbierung der monatlichen Migränetage, unter Topiramat 31,2 Prozent. Die 2026 veröffentlichte TEMPLE-Studie zu Atogepant zeigte 64,1 zu 39,3 Prozent.


Ziel: personalisierte Medizin

Robert Fleischmann, Kongresspräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und Leiter des Kopfschmerzzentrums der Universitätsmedizin Greifswald, erklärt: „Präzisionsmedizin hat das Ziel, frühzeitig jene Behandlung zu identifizieren, die zu den Krankheitsmechanismen und zur Lebenssituation passt.“ Eine personalisierte Therapie berücksichtige bereits heute Attackenhäufigkeit, Begleiterkrankungen, bisherige Erfahrungen und persönliche Wünsche. Doch: „Ein gezielter Wirkmechanismus allein sagt deshalb noch nicht voraus, welche Therapie individuell am besten wirkt.“

Biomarker aus Tränenflüssigkeit oder Blut sowie elektrophysiologische Untersuchungen der Reizverarbeitung könnten helfen, Betroffene mit ähnlichen Krankheitsmechanismen zu erkennen. „Ihr klinischer Nutzen muss jedoch in unabhängigen Studien bestätigt werden“, betont Fleischmann.


Kopfschmerzen sind keine Bagatelle

„Kopfschmerzen werden zu häufig als Bagatelle abgetan.“ Betroffene sollten bei erheblichem Leidensdruck auf eine spezialisierte fachärztliche Behandlung oder die Vorstellung in einem Kopfschmerzzentrum bestehen. Entscheidend sei die vertikale Durchlässigkeit der Versorgung. Fleischmann warnt zugleich: „Eine Halbierung der Migränetage ist ein wichtiger Erfolg, bedeutet aber keine Heilung.“

Quelle: Deutscher Schmerzkongress, 21. bis 24. Oktober in Mannheim

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