Die aktualisierte Leitlinie zur Langzeittherapie mit Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen betont sorgfältige Indikation, enge Begleitung und klare Nichtindikationen.
Anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses (21. bis 24. Oktober 2026) stellt die Deutsche Schmerzgesellschaft die vierte Version ihrer S3-Leitlinie zur Langzeittherapie mit Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen vor. An der Erarbeitung waren 36 Fachgesellschaften und Verbände sowie zwei Patientenorganisationen beteiligt.
Prof. Dr. med. Frank Petzke, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft und Leiter Schmerzmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen, betont: „Das Verständnis chronischer nicht tumorbedingter Schmerzen basiert heute auf einem biopsychosozialen Modell.“ Daraus begründe sich der primäre Einsatz nicht medikamentöser Verfahren wie Physio-, Ergo- und Psychotherapie.
Kein vollständiger Verzicht auf Opioide
Mit Blick auf Opioide erinnert Petzke an die Vergangenheit: „Deren breiter und unkritischer Einsatz führte zu Problemen wie Fehlbehandlungen und schädlichem Gebrauch bis hin zur Entwicklung einer Abhängigkeit.“ Ein vollständiger Verzicht sei aus klinischer Sicht dennoch nicht realistisch.
In Deutschland sei keine vergleichbare Opioidkrise festzustellen. Langzeitverordnungen von mehr als sechs Monaten haben seit 2012 nicht zugenommen. Diagnosen eines schädlichen Gebrauchs oder eines Abhängigkeitssyndroms finden sich bei 0,6 bis 1,8 Prozent der medizinisch indiziert behandelten Patientinnen und Patienten.
Zentrale Empfehlungen der Leitlinie:
- Opioide nur einsetzen, wenn andere indizierte Maßnahmen nicht ausreichend wirken.
- Eine Therapie über die dreimonatige Einstellungsphase hinaus nur bei stabilem Erreichen der Therapieziele und tolerablen Nebenwirkungen fortsetzen.
- Die Therapie beenden, wenn sich Nutzen und Nebenwirkungen verschlechtern oder eine Abhängigkeit beobachtet wird.
Klare Nichtindikationen sind primäre Kopfschmerzen, funktionelle Störungen und das Fibromyalgiesyndrom. Bei arthrosebedingten Schmerzen kommen Opioide nur im Einzelfall infrage, bei Rückenschmerzen und neuropathischen Schmerzen als optionale Therapie.
Petzke betont abschließend: „Damit dies gelingen kann, ist es essenziell, dass auch künftig eine am biopsychosozialen Modell orientierte, interdisziplinäre schmerztherapeutische Versorgung in allen Sektoren gesichert ist.“
Quelle: Deutscher Schmerzkongress, 21. bis 24. Oktober in Mannheim





