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Primär­versorgung im Jahr 2026

Medizinische Untersuchung mit einem Stethoskop durch eine Ärztin in blauer Arbeitskleidung.

Quelle: © Pichsakul - stock.adobe.com

Primär­versorgung im Jahr 2026

Kommentar

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mgb medizin Redaktion

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3 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
fast zehn Jahre ist es her, dass ich einen hausärztlichen Kassensitz übernommen habe – Mensch, wo ist die Zeit geblieben? Vielleicht lag es daran, dass es stets stürmische Zeiten waren, in denen wir immer wieder neuen, großen Herausforderungen neben der Patientenversorgung gegenüberstanden: Einrichtung der Telematik-infrastruktur, Abenteuer in der Corona-Pandemie, Einknicken anderer medizinischer Versorgungseinrichtungen.


Vor zehn Jahren ahnte ich noch nicht, was es heißt eine Hausarztpraxis zu betreiben. Was alles dahinter steckt neben Personalmanagement, sich um jede Glühbirne an der Decke zu kümmern und der Ironie, täglich Menschen krank zu schreiben, aber selbst nie krank machen zu dürfen als Selbstständiger – selbst und ständig eben. Selbst in einer Gemeinschaftspraxis.


Zwei Tage vor Beginn meiner vertragsärztlichen Tätigkeit stand ich in der Frankfurter Paulskirche – gerade 10 km Luftlinie von unserer Praxis entfernt – Hort deutscher Demokratie. Dort stand(en) ich und (saßen) viele andere Kolleginnen und Kollegen und lauschten der Musik und den Reden zum Festakt und Kongress „50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin“.


Dieses Jahr 2026 also sind es 60 Jahre – herzlichen Glückwunsch, DEGAM. Und vielen Dank für gefüllte Lehrstühle für Allgemeinmedizin, praxisnahe Leitlinien und Kompetenzzentren zur Weiterbildung.


Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband ist übrigens ein paar Jahre älter – und wird 66. Wir wissen ja: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an.“


Mittlerweile hat auch die Politik die Liebe zur Primärversorgung entdeckt – beziehungsweise weiß überhaupt, dass es sie gibt. Nun ist sie in aller Munde, wenn es um Reformen des Gesundheitssystems geht. Natürlich mal wieder in der Hoffnung, dass Geld gespart werden kann. Was sonst? Man hört, bis zu 5 Milliarden Euro würden weniger ausgegeben werden, wenn Patienten erstmal in die Hausarztpraxis gehen und nicht direkt zum Gebietsspezialisten. Schön wenn man mal seinen Wert kennt.


Wird es mehr Arbeit bedeuten? Mit Sicherheit. Mehr Diskussionen mit Patienten? Sind wir ja schon geübt darin. Gibt es mehr Geld für uns? „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“ – wie Franz Beckenbauer mal sagte.


Vermutlich nicht.


In einer Rede zur Verleihung eines Filmpreises vor fast 20 Jahren sagte der Schauspieler Sean Connery: „Making movies is either a utopia or it’s like shovelling shit uphill.“ – Das würde auch zur hausärztlichen Tätigkeit passen.


Und weiter sprach der damals 75-jährige Connery, der zu Beginn auf der Bühne einen Tanz zu Trommeln und Dudelsackmusik eingelegt hatte: „Though my feet are tired, my heart is not” – das könnte auch ich sagen nach zehn Jahren hausärztlicher Tätigkeit und hoffentlich noch vielen weiteren auf Hausbesuchstour. Mit in Zukunft Aussicht auf mehr Ansehen? Vielleicht. Aber davon lassen sich Praxismiete und Gehälter der Mitarbeiter:innen auch nicht bezahlen.

Torben Brückner

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