Allgemeinmedizin » Psyche und Nerven

»

Differenzialdiagnostik: Bei Schwindel auch an vestibuläre Migräne denken

© Studio Romantic - stock.adobe

Quelle: © Studio Romantic - stock.adobe

Differenzialdiagnostik: Bei Schwindel auch an vestibuläre Migräne denken

Aktuelles

Allgemeinmedizin

Psyche und Nerven

mgb medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Vestibuläre Migräne (VM) ist eine funktionelle Störung der Reizverarbeitung, die sich von der klassischen Migräne dadurch unterscheidet, dass nicht der Kopfschmerz, sondern wiederkehrende spontane Schwindelattacken im Vordergrund stehen – bei bis zu 30% sogar ohne Kopfschmerz. Für die hausärztliche Praxis ist der Schwindel dann oft das einzige Leitsymptom. Etwa 1 bis 3% der Bevölkerung sind davon betroffen. VM gilt damit als häufigste Ursache für episodische Schwindelattacken, dennoch wird sie oft erst spät erkannt. Die Diagnose erfolgt nach den Kriterien der International Headache Society (IHS) und der Bárány-Gesellschaft (s. Kasten).1 Zur systematischen Differenzialdiagnose wird das TiTrATE-Konzept– Timing, Triggers, Targeted Examination – herangezogen, um Schwindelsymptome nach Dauer und Auslösern zu clustern.2 Die diagnostische Abklärung der VM erfordert eine genaue Abgrenzung von anderen Schwindelerkrankungen. Das ist insbesondere bei Morbus Menière (MM) von klinischer Relevanz, da beide Erkrankungen episodischen Schwindel mit Übelkeit verursachen. Erst nach einer präzisen Anamnese der Begleitsymptome, der Attackendauer und apparativen Hörtests lässt sich eine Therapieentscheidung ableiten. 2,3

ICHD-3-Kriterien* Diagnose „vestibuläre Migräne“1

Mindestens 5 Episoden mit vestibulären Symptomen (Dreh-, Schwank- oder Bewegungsschwindel) von mittlerer oder starker Intensität Dauer der Episoden zwischen 5 Minuten und 72 Stunden Eine bekannte Migräne-Anamnese (mit oder ohne Aura) bei mind. 50% der Schwindelepisoden treten 1 oder mehrere typische Migränemerkmale auf (einseitiger, pulsierender Kopfschmerz, moderater oder starke Schmerzintensität, Licht-/ Lärmempfindlichkeit oder visuelle Aura) auf.

*Kriterien der International Headache Society (IHS) und der Bárány-Gesellschaft

Quellen und weitere Informationen:

1 International Consensus document of the Bárány Society and the International Headache Society, Journal of Vestibular Research 2022; Vestibular migraine: Diagnostic criteria (Update)1

2 Interdisziplinäre S2k-Leitlinie „Vestibuläre Funktionsstörungen“ / 017-078l_S2k_Vestibulaere-Funktionsstoerungen_2021-05-abgelaufen.pdf / Registernummer 017/078 (wird derzeit überabreitet).

3 DEGAM-Leitlinie „Schwindel in der Hausarztpraxis“ / AWMF-Register-Nr. 053-018

Weitere Beiträge zu diesem Thema

© zinkevych - stock.adobe

Tremor: Mit Ultraschall gegen das Zittern

Aktuelles

Der MR-gesteuerte fokussierte Ultraschall eröffnet Menschen mit schwerem Tremor eine Behandlung ohne Hautschnitt und Implantate. Mehr als 1.000 Ultraschallquellen bündeln ihre Energie im Thalamus und veröden gezielt krankhaft veränderte Nervenstrukturen. Die Methode kann eine Alternative zum Hirnschrittmacher sein.

Allgemeinmedizin

Bewegungsapparat

Beitrag lesen
© RFBSIP - stock.adobe

GLP-1-Rezeptoragonisten: Schwefelgeruch beim Aufstoßen nicht ignorieren

Aktuelles

Schwefel-Rülpser unter einer Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten sind meist harmlos, sollten bei anhaltenden Beschwerden aber ernst genommen werden. Eine langsamere Magenentleerung kann die Symptome begünstigen. Ernährungsanpassungen helfen häufig; bei Risikopatienten ist eine gezielte Abklärung wichtig.

Allgemeinmedizin

Magen und Darm

Beitrag lesen
© sbw19 - stock.adobe

Medikamente statt Maske – Ist das Ende der CPAP-Ära in Sicht?

Aktuelles

Könnten Medikamente die CPAP-Maske bei obstruktiver Schlafapnoe künftig ergänzen oder ersetzen? Acetazolamid und Sultiam zeigen in Studien Potenzial, indem sie die Atemregulation stabilisieren und Atemaussetzer verringern. Nebenwirkungen begrenzen derzeit jedoch ihren Einsatz; CPAP bleibt Standard.

Allgemeinmedizin

Atemwege

Beitrag lesen