Allgemeinmedizin

»

Wie das Gesundheitssystem krisenfest werden soll

Symbolbild Gesundheitssystem in der Krise

Quelle: Dola.webp - stock.adobe.com

Wie das Gesundheitssystem krisenfest werden soll

Kongress

Allgemeinmedizin

mgb medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Das deutsche Gesundheitssystem gerät zunehmend unter Druck – durch Personalmangel, demografischen Wandel, internationale Krisen und Klimafolgen. Die DGIM hat gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Medizin, Wissenschaft, Gesundheitswirtschaft und Selbstverwaltung ein Whitepaper zur Resilienz des Gesundheitssystems erarbeitet.

Der Befund: Strukturelle Überlastung

Die Ausgangslage ist ernst: Mehr als 5.700 Arztsitze sind unbesetzt, in fast jedem vierten Landkreis droht eine hausärztliche Unterversorgung. Die Gesundheitsausgaben liegen seit Jahren über 500 Milliarden Euro jährlich. Prof. Dr. med. Jan Galle, 1. stellvertretender Vorsitzender der DGIM, bringt das Dilemma auf den Punkt: „Wir müssen einen Umgang damit finden, dass zunehmend Krisen zu bewältigen sind. Unser Gesundheitssystem muss darauf vorbereitet sein, sonst wird es auf Dauer seine Handlungsfähigkeit einbüßen.
Mehr Geld allein ist keine Lösung – das betonen die Autorinnen und Autoren des Whitepapers ausdrücklich.

Drei Handlungsebenen für mehr Resilienz

Das Whitepaper strukturiert die Herausforderungen auf drei miteinander verknüpften Ebenen:
Globale Risiken – Pandemien, Klimafolgen, internationale Krisen
Strukturelle Defizite in der Versorgung – insbesondere im ambulanten, hausärztlichen Bereich
Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation – Datennutzung, klinische Studien
Daraus leitet die DGIM konkrete Handlungsfelder ab: eine stärkere Koordination der Versorgung, verlässlich verankerte Krisenvorsorge und bessere Bedingungen für klinische Forschung. Dr. med. Markus Mundhenke unterstreicht den lösungsorientierten Anspruch: „Resilienz kann auf vielen Ebenen entstehen, sowohl durch kleine Maßnahmen als auch große strukturelle Reformen. Mit dem Whitepaper wollen wir einen Anstoß geben – über die Problembeschreibung hinaus hin zu einer Lösungsorientierung.

Dialog als Voraussetzung

Prof. Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM, betont die Bedeutung des Formats: „Das OLM bringt die relevanten Akteure zusammen, die im Alltag häufig getrennt argumentieren und handeln. Nur wenn wir diese Perspektiven verbinden, entstehen Lösungen, die im Versorgungsalltag langfristig tragen.

Für die Praxis: Die hausärztliche Unterversorgung ist kein abstraktes Zukunftsszenario – sie ist in vielen Regionen bereits Realität. Das DGIM-Whitepaper zeigt, dass strukturelle Resilienz nicht allein von der Politik abhängt, sondern auch vom Zusammenspiel aller Versorgungsakteure. Das vollständige Dokument ist abrufbar unter: DGIM Whitepaper Resilienz

Quelle: DGIM 2026

Weitere Beiträge zu diesem Thema

© zinkevych - stock.adobe

Tremor: Mit Ultraschall gegen das Zittern

Aktuelles

Der MR-gesteuerte fokussierte Ultraschall eröffnet Menschen mit schwerem Tremor eine Behandlung ohne Hautschnitt und Implantate. Mehr als 1.000 Ultraschallquellen bündeln ihre Energie im Thalamus und veröden gezielt krankhaft veränderte Nervenstrukturen. Die Methode kann eine Alternative zum Hirnschrittmacher sein.

Allgemeinmedizin

Bewegungsapparat

Beitrag lesen
© RFBSIP - stock.adobe

GLP-1-Rezeptoragonisten: Schwefelgeruch beim Aufstoßen nicht ignorieren

Aktuelles

Schwefel-Rülpser unter einer Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten sind meist harmlos, sollten bei anhaltenden Beschwerden aber ernst genommen werden. Eine langsamere Magenentleerung kann die Symptome begünstigen. Ernährungsanpassungen helfen häufig; bei Risikopatienten ist eine gezielte Abklärung wichtig.

Allgemeinmedizin

Magen und Darm

Beitrag lesen
© Studio Romantic - stock.adobe

Differenzialdiagnostik: Bei Schwindel auch an vestibuläre Migräne denken

Aktuelles

Wiederkehrender Schwindel kann auf eine vestibuläre Migräne hindeuten – auch wenn Kopfschmerzen fehlen. Die Erkrankung wird häufig spät erkannt und muss unter anderem vom Morbus Menière abgegrenzt werden. Eine gezielte Anamnese zu Attackendauer, Auslösern und Begleitsymptomen erleichtert die Diagnose.

Allgemeinmedizin

Psyche und Nerven

Beitrag lesen