Dermatologie » Allgemeine Dermatologie » Berufsdermatologie

»

Neue Gebührenordnung für Ärzte: Für die Dermatologie eine Wundertüte

© what4ever – stockadobe.com

Quelle: © what4ever – stockadobe.com

Neue Gebührenordnung für Ärzte: Für die Dermatologie eine Wundertüte

Berufspolitik

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Berufsdermatologie

mgb medizin Redaktion

Verlag

5 MIN

Erschienen in: DermaForum

Die Bundesärztekammer und der Verband der Privaten Krankenversicherung machen Nägel mit Köpfen. Ein aktualisierter Entwurf der neuen Gebührenordnung für Ärzte liegt dem Bundesgesundheitsministerium vor. Dort formuliert man bereits den Referentenentwurf, der Anfang 2028 in Kraft treten soll. Auf dem Hauptstadtkongress bemühten sich Verbände-Vertreter um eine Einschätzung.

Für den Berufsverband der Deutschen Dermatologen wirft die neue GOÄ nach wie vor viele offene Fragen auf. Mit dem Präsidenten Dr. Ralph von Kiedrowski war der BVDD in Berlin prominent vertreten. Er sieht den wesentlichen Vorteil der neuen GOÄ in der „Abbildung der modernen Dermatologie“. Insgesamt bietet die neue GOÄ aus BVDD-Sicht eine Aufwertung der sprechenden Medizin. Zeitintensive Gespräche seien zum Beispiel in den Krankheitsbildern Psoriasis, atypische Dermatitis, chronische Urtikaria, in der Dermatoonkologie, der immunologischen Therapiebegleitung sowie bei Biologika-Therapien relevant. „Für Praxen mit hohem Anteil chronisch entzündlicher Erkrankungen kann dies ein Vorteil sein“, so von Kiedrowski.

Plus an Rechtssicherheit ist relevanter Vorteil

Ein weiterer Vorteil für die Dermatologie ist der Zugewinn an Rechtssicherheit. Viele dermatologische Leistungen werden heute über Analogziffern oder kreative Ziffernkombinationen abgebildet, Die GOÄ neu verspricht weniger Analogbewertungen, klarere Leistungsbeschreibungen, weniger Erstattungsstreitigkeiten mit PKV und Beihilfe sowie höhere Planungssicherheit, so der BVDD-Präsident. Die Möglichkeit der Aktualisierung und Weiterentwicklung sei für ein innovationsstarkes Fach wie die Dermatologie ein erheblicher Fortschritt.

Abb. 1: Dr. Ralph von Kiedrowski, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD), sieht den wesentlichen Vorteil der neuen GOÄ in der „Abbildung der modernen Dermatologie“. Quelle © Runkel
Abb. 1: Dr. Ralph von Kiedrowski, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD), sieht den wesentlichen Vorteil der neuen GOÄ in der „Abbildung der modernen Dermatologie“. Quelle © Runkel

Der bedeutendste Nachteil und der wohl kritischste Punkt aus dermatologischer Sicht ist die Abwertung technischer Leistungen. Betroffen sein könnten aus BVDD-Sicht vor allem die Dermatoskopie, die digitale Auflichtmikroskopie, KI-gesteuerte Diagnostik, die Lasermedizin, die operative Dermatologie, die photodynamische Diagnostik sowie die apparative Diagnostik sein. Belastbare Fachgruppenanalysen fehlen noch, und viele Berufsverbände befürchteten Quersubventionierungen zwischen Fachgruppen, Verschiebungen innerhalb der Fachgebiete sowie unvorhersehbare Auswirkungen auf Praxisergebnisse. Unter dem Strich: Die neue GOÄ ist eine Wundertüte. „Ich kenne die GOÄ sicher schon lange, aber ob ich mit ihr vertraut bin, weiß ich in Bezug auf diese Risiken nicht“, räumte von Kiedrowski ein.

BÄK registriert positive Signale aus dem BMG

Ganz anders bewertet die BÄK die Gebührenordnung. „Sie kommt“, jubelte Ulrich Langenberg, Geschäftsführender Arzt der Bundesärztekammer, auf dem Hauptstadtkongress im Juni. „Wir empfangen positive Signale aus der Politik. Ein gemeinsamer Termin der BÄK und der PKV im Bundesgesundheitsministerium hat stattgefunden, um die neue GOÄ vorzustellen. Das BMG hat eine GOÄ-Arbeitsgruppe gebildet. Das IGES-Institut ist beauftragt, die Folgenabschätzung von BÄK und PKV zu evaluieren. Noch in diesem Jahr wird ein Referentenentwurf zur GOÄ vorgestellt“, berichtete Langenberg. Das Ziel sei es, die neue GOÄ am 1. Januar 2028 in Kraft treten zu lassen.

Abb. 2: Ulrich Langenberg, Geschäftsführender Arzt der Bundesärztekammer, lobt die Anhebung der Honorare in der Privatmedizin ohne Überforderung der Patienten. Quelle © Runkel
Abb. 2: Ulrich Langenberg, Geschäftsführender Arzt der Bundesärztekammer, lobt die Anhebung der Honorare in der Privatmedizin ohne Überforderung der Patienten. Quelle © Runkel

Die BÄK legt Wert darauf, dass eine staatliche Gebührenordnung für Ärzte existiere. „Eine GOÄ der Selbstverwaltung ist nicht unser Ziel“, stellte Langenberg klar. Seit 40 Jahren sei die GOÄ eine ungelöste Reformbaustelle im Gesundheitswesen. In der Neufassung steckten nun bereits wieder 20 Jahre Arbeit, die notwendig gewesen seien, weil die veraltete GOÄ ihre Funktion nicht mehr erfüllen könne. Dies führt zu hohem Streitpotenzial und Gutachteraufwand durch Analogbewertungen und Interpretationsspielräume. Bundesärztekammer und Private Krankenversicherung fordern daher eine rasche Umsetzung der GOÄ-Novelle, so Langenberg.

Bessere Honorierung für die Breite der Ärzteschaft

Mit der neuen Gebührenordnung für Ärzte sieht sich die BÄK im Besitz eines differenzierten, ärztlich erarbeiteten Leistungsverzeichnisses. „Unter dem Strich steht eine bessere Honorierung für die Breite der Ärzteschaft ohne Überforderung der Patienten. 2026 wurden nochmals die Auffassungen der Berufsverbände eingeholt, sodass medizinische Innovationen berücksichtigt werden konnten. Das PKV-Ausgabevolumen wird in den ersten drei Jahren um 13,2% oder 1,9 Milliarden Euro erhöht“, kommentierte Langenberg die neue GOÄ. Die neue Gebührenordnung schaffe Rechtssicherheit und Transparenz. „Es ist eine angemessene Bewertung der ärztlichen Zuwendung.“ Das duale System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung werde gestärkt. „Die Einigung zeigt die Gestaltungsfähigkeit der Partner in einem freiheitlichen Gesundheitssystem jenseits von Staat und GKV-System.“

Die Pluspunkte der neuen GOÄ sind aus BÄK-Sicht zahlreich. „Es gibt kein Budget in dieser neuen GOÄ, sodass neue Leistungen analog bewertet werden“, betonte der BÄK-Geschäftsführer. Ein Mechanismus sorge dafür, dass der Verordnungsgeber die GOÄ kontinuierlich an die Kostenentwicklung und den medizinischen Fortschritt anpassen könne. „Wir wollen nie mehr in die Sackgasse einer völlig veralteten Gebührenordnung geraten. Prinzipiell bleibt die Analogbewertung für Innovationen durch den Arzt erhalten. Sie werden aber dann zügig durch die Gemeinsame Kommission zur Aufnahme in die GOÄ empfohlen. Der Verordnungsgeber vollzieht dann am Ende die Aufnahme in die GOÄ“, erklärte Langenberg den Innovations-Mechanismus.

Dermatologen vermissen die Steigerungsfaktoren

Schmerzlich vermisst die Dermatologie die heutigen Steigerungsoptionen. Derzeit kompensieren dermatologische Praxen die Nachteile der alten GOÄ durch höhere Steigerungsfaktoren, individuelle Begründungen und Abdingungsvereinbarungen, erläuterte der Präsident des Berufsverbands. Mehrere Analysen weisen nach Ansicht von Dr. von Kiedrowski darauf hin, dass die neue GOÄ stärker pauschalierte Bewertungen und engere Vorgaben vorsieht. Dadurch könnte die individuelle Honorargestaltung in Abdingungsvereinbarungen schwieriger werden. „Wir wissen nicht genau, ob die PKV solche Abrechnungen akzeptieren wird, und Nicht-Wissen schafft Verunsicherung.“

Franz-Günter Runkel

Weitere Beiträge zu diesem Thema

© StockPhotoPro – stock.adobe.com

Förderpraxis: Nachhaltigkeit spielt kaum eine Rolle

Aktuelles

Eine internationale Analyse zeigt, dass Umweltkriterien in der Forschungsförderung der Dermatologie selten verankert sind: Nur 7 Prozent der untersuchten Förderer beziehen Nachhaltigkeit in die Begutachtung ein.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen
© Olga Sidel'nikova – stock.adobe.com

EMA prüft Zulassungserweiterung von Lebrikizumab bei AD für Kleinkinder

Aus der Industrie

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat den Antrag zur Erweiterung der Zulassung für das Biologikum EBGLYSS® (Wirkstoff: Lebrikizumab) zur Prüfung angenommen. Damit rückt eine gezielte Therapieoption für Säuglinge und Kleinkinder ab sechs Monaten mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis in greifbare Nähe.

Dermatologie

Entzündliche Dermatosen

Weitere chronisch-entzündliche Dermatosen

Beitrag lesen
© sommart - stock.adobe.com

Die Globale Morbiditätslücke wächst

Aktuelles

Trotz weltweit steigender Lebenserwartung verbringen Menschen immer mehr Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen. Die globale Morbiditätslücke vergrößerte sich von 1990 bis 2023 spürbar.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen